Leitbild

Das Messerli Forschungsinstitut wurde 2010 mit der Unterstützung der Messerli-Stiftung (Sörenberg, Schweiz) und unter der Federführung der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien gegründet.

Wir widmen uns der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung und ihrer Grundlagen in den Bereichen Kognition und Verhalten von Tieren, Komparative Medizin und Ethik. Dabei zeichnen uns ein breiter interdisziplinärer Zugang (Biologie, Humanmedizin, Veterinärmedizin, Philosophie, Psychologie, Rechtswissenschaft) und eine starke internationale Ausrichtung aus. Die Forschungsergebnisse bilden einen integralen Bestandteil unserer akademischen Lehre in einem neuen Masterstudiengang und sollen darüber hinaus beitragen, Orientierungshilfe für einen vertretbaren Umgang mit Tieren bereitzustellen. So übernehmen wir auch einen gesellschaftlichen Auftrag, Menschen auf wissenschaftlicher Basis in ihrer Verantwortung gegenüber Tieren zu unterstützen.

Unsere Ziele

a) Grundlagen und Kriterien für einen ethisch vertretbaren Umgang mit Tieren

Die Begründung überzeugender Kriterien und Methoden der Tierethik prägt als ein Schwerpunkt die Arbeit am Messerli Forschungsinstitut. Dabei ist der interdisziplinäre Austausch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über relevante Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung in den Gebieten der Biologie, Veterinärmedizin, Humanmedizin und der Philosophie wesentlicher Bestandteil der Zusammen­arbeit. Besonderen Wert legen wir darauf, bei der Verfolgung dieses anwendungsorientierten Zieles auch die grundlagenorientierte Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen, philosophisch-ethischen und wissenschaftstheoretischen Fragen der Mensch-Tier-Beziehung nicht aus den Augen zu verlieren.

b) Forschung für Gesundheit von Mensch und Tier und die 3R

Unter diesem Ziel verstehen wir die Förderung der Gesundheit von Menschen und Tieren (z. B. im Bereich der Krebsforschung, der Allergologie oder der Ernährungswissenschaft) durch vergleichende medizinische Forschungsprojekte. Im direkten interdisziplinären Austausch wird der regelmäßige Wissenstransfer zwischen in- und ausländischen Universitäten sowie der Institute und Kliniken am Campus der Veterinärmedizinischen Universität angestrebt. Die hierdurch entstehenden Synergien werden sich in Form rascherer Entwicklung im Gesundheitssektor und der Vermeidung von Doppelstrukturen auswirken. Die konsequente Kommunikation des Potenzials vergleichender Studien wird auch die Wahrnehmung des Themas in der Wissenschaftsszene verbessern. Hierdurch versprechen wir uns, die Förderung von Forschungsprojekten zum Thema „One Health“ und die thematische Orientierung entsprechender Förderschienen zu erreichen.

Im Bereich medizinischer Forschung sind durch konsequente vergleichende Studien zwischen Mensch und Tier und die zunehmende Forcierung klinischer Studien im Veterinärbereich als eine wichtige Alternative und Ergänzung zu präklinischen Studien mit Labortieren auch Chancen für die verbesserte Erfüllung der 3R (Replacement, Reduction and Refinement) absehbar. Zudem wird das erarbeitete Wissen aus den Bereichen Kognition und Verhalten von Tieren und Ethik der Mensch-Tier-Beziehung dazu beitragen, gängige Laborpraxis kritisch zu reflektieren und im Sinne der 3R zu verbessern. Für die Debatte um ethisch vertretbare Tierversuche sind deshalb neue Impulse zu erwarten, die vor allem aufgrund der institutionalisierten fächerübergreifenden Arbeitsweise am Messerli Forschungsinstitut und der Einbettung in die Veterinärmedizinische Universität ermöglicht werden.

c) Naturwissenschaftlich Grundlagenforschung als Basis

Wir streben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen exzellenter Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung an. Grundlegende Erkenntnisse aus der naturwissenschaftlichen Arbeit am Messerli Forschungsinstitut sind die Basis, auf der die Mensch-Tier-Beziehung auch anwendungsorientiert bearbeitet werden kann. So vermehrt der Bereich Vergleichende Kognitionsforschung empirisches Wissen über die kognitiven, emotionalen  und moralanalogen Fähigkeiten von Tieren, welches zunehmend nicht nur die Wertschätzung gegenüber Tieren ändert, sondern auch das menschliche Selbstverständnis. Dies wiederum wird Schlüsse auf die Strukturmerkmale der Mensch-Tier-Beziehung zulassen und zu einem besseren Verständnis dieser Beziehung beitragen.

Unsere Forschungsschwerpunkte

Die öffentliche und politische Diskussion über Fragen des Tierschutzes, des Tierschutzrechtes  und der Tierethik sind von großen Interessensgegensätzen und scheinbar unvereinbaren Anschauungen geprägt. Dies ist nicht verwunderlich, berührt doch die Beschäftigung mit der Mensch-Tier-Beziehung Fragen der persönlichen Werthaltung bis hin zu existenziellen Fragen des Menschseins. In diesem Umfeld leisten wir als Messerli Forschungsinstitut einen wesentlichen Beitrag, indem wir wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar Grundlagen für die Beantwortung ethischer und gesellschaftlich relevanter Fragestellungen schaffen.

Zu diesen Grundlagen zählt beispielsweise die Auseinandersetzung mit folgenden Fragen, die sich thematisch an den Forschungsinhalten der Abteilungen orientieren:

1. Vergleichende Kognitionsforschung

  • Welche kognitiven Fähigkeiten nutzen Tiere, um sich in ihrer sozialen und physikalischen Umwelt zurechtzufinden?
  • Welchen Einfluss haben Domestikation und Entwicklung auf die kognitiven und emotionalen Eigenschaften von Tieren?
  • Auf welchen kognitiven und emotionalen Dimensionen finden sich markante Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen und Tieren?
  • In welchem Ausmaß und in welcher Art sollen Tiere in Obhut des Menschen in Verhalten und Kognition gefördert werden?
  • Was sind die Grundlagen für die Diskrepanz zwischen Verhalten und Einstellung in Bezug auf den Umgang mit Tieren? Wie lässt sich diese Diskrepanz verringern?

2. Komparative Medizin

  • Wie wirken sich Haustiere auf die Gesundheit von Menschen aus?
  • Wie wirken sich umgekehrt der Mensch und seine Umwelt auf die Gesundheit von Haustieren aus?
  • Wie kann die Veterinärmedizin durch Kenntnisse der Humanmedizin profitieren und umgekehrt?
  • Wie kann die Entwicklung von Medikamenten schneller erfolgen und zu ökonomisch interessanten Behandlungskonzepten für Mensch und Tier beitragen?

3. Ethik der Mensch-Tier-Beziehung und Tierphilosophie

  • Was sind tragfähige Fundamente der moralischen Achtung von Tieren?
  • Welche Methoden und Theorien eignen sich, um aktuelle ethische Problemfelder der Mensch-Tier-Beziehung praxisnah zu behandeln?
  • Was darf man sich von den neueren Theorien der Tierethik erwarten?
  • Wie ist das Verhältnis von Wissenschaft, Recht, Wirtschaft und Politik angesichts tierethischer Fragestellungen zu bestimmen?
  • Welche Rolle spielt naturwissenschaftliches Wissen in ethischen Begründungen?

Für die Beantwortung derartiger Forschungsfragen ist die Vernetzung mit Instituten und Personen der Veterinärmedizinischen Universität nicht nur hilfreich, sondern eine wesentliche Voraussetzung. Deshalb versteht sich das Messerli Forschungsinstitut als ein Institut, das auf dem Boden und im Kontext der Veterinärmedizinischen Universität arbeitet und aktiv das dort vorhandene Wissen und die aufgebaute Expertise in seine Arbeit integriert. Umgekehrt werden Forschungsergebnisse des Messerli Forschungsinstitutes für die Lehre und Forschung an der Veterinärmedizinischen Universität zur Verfügung gestellt. Durch diese wechselseitige Verbindung können sowohl die veterinärmedizinische Forschung als auch die Lehre von innovativen naturwissenschaftlichen Ansätzen und ethischer Expertise im Bereich der Mensch-Tier-Beziehung profitieren. Ebenso werden die Studierenden und Mitarbeiter des Messerli Forschungsinstitutes durch die Integration veterinärmedizinischen Expertise gewinnen.

Unsere Zielgruppen

Die wichtigste Zielgruppe unserer Arbeit sind unsere Studierenden. In einem neuen, maßge­schneiderten Masterstudium „Interdisciplinary Master in Human-Animal Interactions“ erhalten sie eine grundlagen- und anwendungsorientierte Ausbildung auf hohem, internationalem Niveau. Dieses Studium qualifiziert sowohl für eine akademische Laufbahn als auch für berufliche Karrieren in den gesellschaftlich relevanten Bereichen der Mensch-Tier-Beziehung. Insgesamt zielt das Masterstudium auf die Ausbildung von Expertinnen und Experten ab, die auf wissenschaftlicher Basis ethisch reflektiert für die Gestaltung der Mensch-Tier-Beziehung Verantwortung übernehmen.

Um einen funktionierenden Wissenstransfer in und aus der Praxis zu gewährleisten, pflegen wir den stetigen Austausch mit ausgewählten Multiplikatoren und Kooperationspartnern. Hierzu zählen neben akademischen Forscherkolleginnen und -kollegen im internationalen Raum auch außeruniversitäre Forschungsinstitute, Tierärztinnen und Tierärzte, Ärztinnen und Ärzte, Vereine, Unternehmen, Verbände und Schulen. Zur Förderung eines wissenschaftlich fundierten und ethisch vertretbaren Umganges mit Tieren stellen wir unsere Expertise im gesellschaftlichen Dialog und für wissenschaftliche Politikberatung zur Verfügung, ohne dabei unsere wissenschaftliche Unabhängigkeit aufzugeben.

Unsere Arbeitsweise

Exzellenz in Forschung und Lehre

Wir sind bestrebt, unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie den Studierenden ein einmaliges Forschungs- und Lehrumfeld zu bieten. Dazu kooperieren wir innerhalb unserer jeweiliger Forschungsrichtungen mit hervorragenden Instituten bzw. einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Besonders intensiv geschieht dies in internationalen Forschungsprojekten. Zudem nehmen wir regelmäßig an internationalen Fachkonferenzen und Veranstaltungen als Referenten teil, engagieren uns – teils in leitender Funktion – in internationalen Netzwerken, gründen und intensivieren universitäre und transnationale Austauschprogramme, fördern den Studierendenaustausch in europäischen Austauschprogrammen und rekrutieren laufend ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Pre- oder Postdoc-Niveau.

Der intensive und individuelle Austausch im interdisziplinären Diskurs, hohe fachliche Expertise und die Bereitstellung einer hervorragenden Infrastruktur (wie etwa die Vogelforschungsstation „Haidlhof“, das Clever Dog Lab sowie ein hochtechnisiertes Labor am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung) sind wesentliche Voraussetzungen, welche die Zusammenarbeit mit dem Messerli Forschungsinstitut für externe Partner interessant machen

Gelebte Interdisziplinarität 

Kaum eine der exemplarisch gelisteten Fragen kann durch nur eine Forschungsdisziplin allein beantwortet werden. So wird die interdisziplinäre Arbeit an zentralen Fragen der Mensch-Tier-Beziehung die gelebte Arbeitsform werden. Für diese Zusammenarbeit werden geeignete Ressourcen bereitgestellt, damit Expertise aus den einzelnen Fächern strukturiert in den interdisziplinären Diskurs eingebracht werden kann. Diese Strategie lässt erwarten, dass die so erarbeiteten Ergebnisse auch an den fächerübergreifenden Diskurs anschlussfähig sind und in den einzelnen Wissenschaftsdiskursen Anerkennung finden.

Internationale Sichtbarkeit 

Über die Einbindung in internationale Forschungsprojekte und Netzwerke sowie den Austausch von Studierenden, Forschern und akademischen Lehrern anderer Universitäten soll die internationale Sichtbarkeit erreicht und das Messerli Forschungsinstitut als ein zuverlässiger und exzellenter Kooperationspartner etabliert werden.

Unabhängigkeit 

Wir arbeiten in einem Umfeld, in dem unterschiedliche Interessen eine prägende Rolle spielen. Deshalb legen wir großen  Wert auf wissenschaftliche Unabhängigkeit. Die Basisfinanzierung über die Messerli-Stiftung und die beteiligten Universitäten ist hierfür eine wertvolle Voraussetzung. Sie ermöglicht es uns, in diesem dynamischen Feld zu agieren und auch gesellschaftlich heikle Fragen der Mensch-Tier-Beziehung in akademischer Freiheit und Offenheit zu stellen und zu behandeln.

Werte am Arbeitsplatz

Durch seine thematische Ausrichtung stellt das Messerli Forschungsinstitut eine einzigartige Plattform für den Dialog im Rahmen von Forschung und Lehre dar. Die im Leitbild formulierte Interdisziplinarität soll als wahrnehmbares Merkmal des Institutes für Außenstehende ersichtlich sein und gleichzeitig für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen innerhalb des Institutes als starkes Identifizierungsmerkmal wirken. Dieser gemeinsame Geist wird durch vielfältige gemeinsame Veranstaltungen wie Seminare, Retreats und räumliche Nähe gefördert. Unter Absehung von herkömmlichen Hierarchien wird ein Arbeitsklima geschaffen, das durch freien Austausch, Freude und offene Kommunikation getragen wird. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit ihren Vorgesetzten eng zusammenarbeiten, werden von diesen zu selbstständigem Arbeiten angehalten und zur Entwicklung unabhängiger Forschungsthemen motiviert.

In einem internationalen Umfeld arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichen Mentalitäten, von unterschiedlicher Herkunft und mit besonderen Bedürfnissen zusammen. Uns sind Frauenförderung und ein familienfreundliches Klima ein wichtiges Anliegen. Beispielsweise werden nach Möglichkeit Homeoffice-Tage oder die Teilnahme an karrierebildenden Maßnahmen wie Kursen und Tagungen unterstützt. Gezieltes Mentoring der Studierenden und Mitarbeiter durch Professoren und Professorinnen des Messerli Forschungsinstitutes wird als Werkzeug der Nachwuchsförderung dienen, um letztendlich Exzellenz zu erzielen. Somit wird das Messerli Forschungsinstitut nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht höchsten Ansprüchen Rechnung tragen. Dabei tragen wir auch den Empfehlungen und Richtlinien der drei kooperierenden Universitäten Rechnung.

Transparenz und Wissenstransfer 

Das Messerli Forschungsinstitut präsentiert seine eigenen Forschungsergebnisse und Methoden transparent, übersichtlich und verständlich auf seiner Homepage und betreibt  aktive Öffentlichkeitsarbeit. Das Institut ist offen für den Austausch mit der interessierten Öffentlichkeit und strebt Kooperationen im außeruniversitären Bildungs- und Weiterbildungsbereich an. Ein Kooperationspartner ist etwa der Verein „Tierschutz macht Schule“, der sich um die Verankerung der ethischen Reflexion auf das Mensch-Tier Verhältnis in den Schulen und innerhalb der Lehrerausbildung bemüht. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Verein „Rote Pfote“, mit dem gemeinsame Vortragsreihen, Forschungsprojekte zum Thema Krebsforschung für Mensch und Tier und regelmäßige Kommunikation der Erkenntnisse an die Öffentlichkeit durchgeführt werden. Die Wissenschaftskommunikation wird deshalb ein zentrales und gemeinsam getragenes Anliegen aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sein.

 

Leitbild

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