Das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität  ist ein biologisches Forschungsinstitut das sich dem Studium tierischen Verhaltens (Ethologie) widmet. Seit Frühjahr 2015 ist es außerdem Sitz der Österreichischen Vogelwarte/Austrian Ornithological Centre (AOC).

Foto des KLIVV Geländes
 

Aktuelles

 

Aufbruch von Zugvögeln nach einem Zwischenstopp ist hormongesteuert

Zugvögel, wie die Gartengrasmücke beenden ihre Zwischenstopps aufgrund von appetitregelnden Hormonen. (Foto: Wolfgang Goymann)
Foto einer Gartengrasmücke auf gelb blühendem Zweig [Link 1]

Während ihrer langen Reisen legen Zugvögel Pausen ein, um ihre Fettreserven wieder aufzufüllen. Der Zweck der Zwischenstopps, Rast und Fressen, ist damit schlüssig. Bislang war jedoch unklar, welche Körpersignale den Weiterflug auslösen. Ein Team um Forschende des Konrad-Lorenz-Instituts der Vergleichenden Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna identifizierte nun erstmals ein Hormon, den auch bei Menschen bekannten Appetitregler Ghrelin, als Signalgeber für das Vogelhirn. Bei „vollgefressenen“ Gartengrasmücken, einer Singvogelart, war das Hormon in hoher Konzentration nachweisbar. Wenn Ghrelin den Vögeln zusätzlich verabreicht wurde, steigerte es auch den höchst aktiven Zustand der Zugunruhe vor dem Weiterflug und zügelte den Appetit, Die Ergebnisse, die im Fachjournal PNAS veröffentlicht wurden, bestätigen nicht nur die hormonelle Steuerung des Zugverhaltens von Vögeln. Sie könnten auch zum besseren Verständnis von Essstörungen beim Menschen beitragen.

Der Artikel „Ghrelin affects stopover decisions and food intake in a long-distance migrant [Link 2]” von Wolfgang Goymann, Sara Lupi, Hiroyuki Kaiya, Massimiliano Cardinale und Leonida Fusani wurde im Journal PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 7.2.2017)

 

Eiweiße im Urin männlicher Mäuse sagen nichts über Verwandtschaft aus

Urinproteine männlicher Mäuse sagen nichts über die Verwandtschaft aus, sondern sind wahrscheinlich eine Reaktion auf soziale Veränderungen. (Foto: Kerstin Thonhauser/ Vetmeduni Vienna)
Foto von einem Mauspaar im Labor [Link 4]

Männliche Hausmäuse produzieren eine große Zahl an speziellen Eiweißen, den sogenannten „Major Urinary Proteins“ (MUPs), an die Duftstoffe gebunden sind. Bislang galten diese Proteine als individuelle Duftsignatur, mit der fremde oder verwandte Tiere erkannt werden können. Forschenden um Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna gelang es nun diese Annahme zu widerlegen. Sie zeigten erstmals an männlichen Hausmäusen, dass sich die entsprechenden Gene der Mäuse kaum unterscheiden und sich auch die Anzahl der Proteine im Urin nur in bestimmten Situationen verändert. Die Tiere scheinen mit den „Major Urinary Proteins“ (MUPs) auf soziale Umstellungen zu reagieren. Sie nutzen sie nicht – wie bisher angenommen - um über sie Verwandte zu erschnuppern.

Der Artikel "Diversity of major urinary proteins (MUPs) in wild house mice [Link 5]" von Michaela Thoß, Viktoria Enk, Hans Yu, Ingrid Miller, Kenneth C. Luzynski, Boglarka Balint, Steve Smith, Ebrahim Razzazi-Fazeli und Dustin J. Penn wurde in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Der Artikel "Regulation of highly homologous major urinary proteins in house mice quantified with label-free methods [Link 6]" von Viktoria Enk, Christian Baumann, Michaela Thoß, Kenneth C. Luzynski, Ebrahim Razzazi-Fazeli und Dustin J. Penn wurde in der Fachzeitschrift Molecular Biosystems veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 7.12.2016)

 

Frischhaltekur der Zellen als Lebensversicherung des Siebenschläfers

Bei jungen Siebenschläfern bauen sich die Telomere noch, wie bislang erwartet, ab. Bei älteren Siebenschläfern verlängern sie sich jedoch wieder. Das könnte das lange Leben der Nager erklären. (Foto: J. Cornils/Vetmeduni Vienna)
Foto von Siebenschläfern in Nestbox [Link 8]

Die frei als Schutzkappen bezeichneten Telomere sind spezielle DNS-Sequenzen an den Enden eines Chromosoms. Gemeinsam mit Eiweißen schützen sie das Erbgut vor dem Abbau. Sind sie selbst aufgebraucht, wie nach vielen Zellteilungen, kann sich die Zelle nicht mehr teilen und stirbt in letzter Konsequenz ab. Telomere verkürzen sich allerdings nicht nur mit jeder Zellteilung in den normalen Körperzellen. Auch der sogenannte oxidative Stress, also das vermehrte Auftreten von schädlichen, freien Radikalen in einer Zelle, z. B.: durch Erkrankung und Umwelteinflüsse, spielt eine entscheidende Rolle bei ihrem Abbau. Bislang wurde die Verkürzung von Telomeren, den Schutzkappen des Erbgutes in den Zellen von Tieren, Pflanzen oder Pilzen, als eindeutiges biologisches Merkmal für Alterung und Lebenserwartung betrachtet. Die Telomerforschung beim Siebenschläfer (Glis glis) stellt diese Annahme nun auf den Kopf. Im Gegensatz zu Menschen und anderen Tieren nimmt die Telomer-Länge in Zellen älterer Siebenschläfer deutlich zu, wie Franz Hoelzl und andere Forschende vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie und dem Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna nun erstmals herausfanden.

Der Artikel „Telomeres are elongated in older individuals in a hibernating rodent, the edible dormouse (Glis glis) [Link 9]" von Franz Hoelzl, Steve Smith, Jessica S. Cornils, Denise Aydinonat, Claudia Bieber und Thomas Ruf wurde in Scientific Reports (Nature Publishing Group) veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 24.11.2016)

 

Fliegenlarven putzen das Nest des Bienenfressers

Bienenfresserpärchen und ihre Jungvögel wohnen nicht alleine in ihrem Nest. Vor allem Insektenlarven quartieren sich als Mitbewohner ein. (Foto: Herbert Hoi/Vetmeduni Vienna)
Foto eines frisch geschluepften Bienenfressers [Link 11]

Ein Vogelnest beherbergt neben einem Vogelpärchen und seinem Nachwuchs auch andere Bewohner wie Insektenlarven. Diese nutzen die guten klimatischen Bedingungen und das reichliche Nahrungsangebot im Nest. Bis jetzt blieb unerforscht, ob auch die Vögel einen Vorteil aus dieser Wohngemeinschaft haben. Ein Forschungsteam um Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna konnte nun zeigen, dass Fliegenlarven im Nistplatz des Europäischen Bienenfressers als Putztrupp fungieren und Fäkalien und Futterreste verwerten. Diese „Abfallbeseitigung“ begünstigt die Entwicklung der Jungvögel und unterstützt das Nest-Ökosystem.

Der Artikel „Housekeeping by lodgers: the importance of bird nest fauna on offspring condition [Link 12]“ von Jan Kristofık, Alzbeta Darolova, Christine Hoi und Herbert Hoi wurde im Journal of Ornithology veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 22.11.2016)

 

Sensibles Ökosystem der großen afrikanischen Seen durch Ölförderung gefährdet

Fischer am Burundi-Ufer des Tanganjikasees (Foto Francesca Ansaloni via Wikimedia Commons)
Foto von Fischern am Tanganjikasee [Link 14]
Buntbarsche im Tanganjikasee (Foto Stefanie Schwammberger)
Foto von Buntbarschen

Trotz aller Warnungen über ihren Einfluss auf den globalen Klimawandel steigt die weltweite Nachfrage nach fossilen Energieträgern weiter an.  Nun gibt es auch um die großen afrikanischen Seen Pläne zur Ölförderung.  Zu ihnen gehören zum Beispiel der Tanganjikasee, der zweitgrößte See Afrikas,  und der Malawisee.  Anliegerstaaten dieser relativ abgelegenen und eher schwer erreichbaren Seen, sind Ruanda, Burundi, Uganda und Teile der Demokratischen Republik Kongos, Malawi, Mozambique und Tansania. Die Region zählt zu den am dichtesten besiedelten der Welt, über 107 Millionen Menschen leben dort.  Die Regierungen versprechen sich von der Öl-Exploration notwendige und riesige Einkommensquellen.

Für die fragilen Ökosysteme dieser einzigartigen Seen, die Heimat für tausende endemische Tierarten sind, und an deren Ufern eine großteils arme Bevölkerung lebt, wäre eine solche Erschließung allerdings eine große Gefahr. Ölverschmutzungen würden nicht nur die Natur, sondern auch die Lebensgrundlage dieser Menschen zerstören.  Bereits jetzt sind die See-Lebensräume durch menschliche Aktivitäten (wie Überfischung, Abholzung, Klimawandel) stark unter Druck.  Eine Gruppe von WissenschafterInnen, u.a. vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, warnt davor dass Ölverschmutzung die Umwelt für Tier und Mensch in der Region endgültig zerstören könnte und argumentiert dafür, andere Pläne für eine Regionalentwicklungs im Sinne der UN-Sustainable Development Goals zu fördern.

Der Brief "Oil extraction imperils Africa's Great Lakes [Link 15]" ist am 4.11.2016 im Science Magazine erschienen.

(Web-Redaktion am 10.11.2016)

 

Wie man bei Uferschwalben die Telomere misst

Studien der Telomerverkürzung in Uferschwalben haben das Potenzial, die Kosten und Nutzen verschiedener individueller Strategien zur Bewältigung wichtiger evolutionärer und ökologischer Prozesse aufzudecken. (Foto von Andreas Trepte, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons)
Foto einer Uferschwalbe [Link 16]

Telomere sind schützende Endkappen an Chromosomen.  Sie sind von Bedeutung für die Stabilität von Chromosomen, schützen Zellen gegen den Abbau von reaktiven Sauerstoffarten.  Doch bei jeder Zellteilung werden sie verkürzt.  Die Rate des Telomerverlustes wird zunehmend als Marker für biologische Alterung und Überlebenswahrscheinlichkeit verwendet.  In Studien an vielen Organismen wurde der Telomerverlust mit erhöhtem Metabolismus, biologischem Stress und Krankheit verbunden.

ForscherInnen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung und dem Institut für Umweltwissenschaften der Universität Nyíregyháza in Ungarn haben eine mitteldurchlaufende und zuverlässige Methode zur Messung der relativen Telomerlänge in Uferschwalben (Riparia riparia) validiert. Beim Test einer Population unterschiedlich alter Individuel aus Ostungarn fanden sie eine signifikante negative Beziehung zwischen relativer Telomerlänge und Alter und beobachteten einen deutlichen Abfall der Telomerlänge in älteren Altersklassen (> 4 Jahre), aber keine Beziehung zu Geschlecht oder Körpermasse. Die beschriebene Testmethode wird es erlauben, Langzeitstudien zur Telomere-Dynamik von Uferschwalben in wilden Populationen mit verschiedenen life-history und gesundheitlichen Eigenschaften durchzuführen.

Der Artikel "A Simple and Reliable Medium-Throughput Method to Measure Relative Telomere Length in Sand Martins  [Link 17]Riparia riparia [Link ]" von Steve Smith, Richard Wagner, Tibor Szép, Franz Hoelzl & Mónika Molnár ist in der Zeitschrift BioOne erschienen.

(Web-Redaktion am 7.11.2016)

 

Workshop "The Symbolic Animal - Evolution and Neuroethology of Aesthetics"

Höhlenmalerei eines Steppenbisons in der Höhle von Altamira (Replik, Museo Nacional y Centro de Investigación de Altamira, Santilla del Mar, Cantabria, Spanien) (Foto Ramessos via Wikimedia Commons)
Foto der Höhlenmalerei in Altamira [Link 18]

Vom 15.-19. Oktober 2016 fand in Erice, Sizilien, ein Workshop zum interessanten Thema "Das symbolische Tier - Evolution und Neuroethologie der Ästhetik" statt. 

Der Hauptzweck des Workshops war es die biologischen Mechanismen zu untersuchen, die der Symbolbildung und der Wahrnehmung und Wertschätzung der Schönheit zugrunde liegen, von den attraktiven Merkmalen sexuell selektierter Charakterzüge bis zu den menschlichen figurativen Künsten.

Organisiert wurde es von Leonida Fusani vom Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna und Vittorio Gallese von der Universität Parma & University of London.  

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Seminar am Wilheminenberg

Jeden Mittwoch im Semester findet das "Seminar am Wilhelminenberg" in unserem Haus statt, ein wissenschaftliches Kolloquium bei dem führende WissenschafterInnen aus aller Welt neueste Forschungsergebnisse präsentieren.

Seminarprogramm
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