Das veterinärpathologische Museum in Wien


Von Ass. Prof. Dr. Gerhard Loupal

 
In der alten Universität schüchtern im hintersten Winkel des Instituts versteckt, am neuen Standort jedoch in einem repräsentativen Saal ausgestellt: Die Exponate des Veterinärpathologischen Museums. Im Keller des Gebäudes CB, der zentralen Verwaltung, findet sich eine der größten Sammlungen veterinärpathologischer Präparate der Welt.

Über 4500 Präparate sind in übersichtlichen Schaukästen ausgestellt. Viele Schaustücke stammen aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts und haben somit nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch historischen Wert.

Die besondere Bedeutung der Sammlung ist darin zu sehen, dass u.a. Organveränderungen von Krankheiten konserviert sind, die in Mitteleuropa seit langem getilgt oder jedenfalls sehr selten geworden sind (z.B. Rotz , Rinderpest, Maul- und Klauenseuche, Tuberkulose).Von einem Tierarzt muß gefordert werden, daß er solche Krankheiten auch dann erkennen kann, wenn er sie während seiner Ausbildung nicht in Natura zu Gesicht bekommen hat. Denn im Zeitalter der Globalisierung auch des Tierhandels muß in unseren Breiten mit dem Wiederauftreten von getilgten Tierseuchen gerechnet werden.

Daher erfüllt das Museum wichtige Zwecke im Rahmen der tierärztlichen Ausbildung, da diese veränderten Organe wenigstens im Präparat gezeigt werden können. Mit Ausnahme der Knochenpräparate und der Konkrementsammlung befinden sich die Organe in dicht verschlossenen Gläsern mit einer Konservierungslösung. Die Organe lassen sich daher von allen Seiten betrachten. Die Farbe ist durch die Fixation zwar verständlicherweise beeinträchtigt, dennoch kann man sich eine gute Vorstellung davon machen, wie die Veränderungen in Natura aussehen.

Grundsätzlich ist das Museum nach Organsystemen geordnet. Es gibt aber auch eigene Kästen für wichtige Krankheiten, in denen alle von der jeweiligen Krankheit betroffene Organe gezeigt werden. Weiters gibt es Kästen mit Mißbildungen, in denen ein breites Spektrum der Grausamkeiten der Natur, zur Schau gestellt wird. Diese Kästen können auch als Mahnung vor den ernsten Konsequenzen bei sorglosem Umgang mit teratogenen Noxen, wie z.B. Radioaktivität, dienen.

Ein weiterer Kasten ist mit einer einmaligen Konkrementsammlung gefüllt. Konkremente sind intravitale Steinbildungen, wie z.B. die in der Humanmedizin häufigen Gallensteine. Im Tierreich gibt es eine Fülle von Möglichkeiten für solche Steinbildungen. Sie können sich in praktisch allen Hohlorganen, wie Darm, Harntrakt, Drüsen-ausführungsgängen etc., finden. Hunderte von Steinen unterschiedlichster Größe und Herkunft werden gezeigt, vom fußballgroßen, mehrere Kilogramm schweren Darmstein aus dem Dickdarm eines Pferdes bis zum Grieß aus der Harnblase einer Katze. Bei den meisten Steinbildungen ist es kaum vorstellbar, daß sie als pathologisches Produkt aus einem Tier stammen und nicht irgendwo in der Natur aufgelesen wurden. Groß ist weiters die Anzahl der Präparate mit diversen Geschwülsten, die vor allem bei jenen Tieren gehäuft vorkommen, die hohes Alter erreichen dürfen, wie unsere Heimtiere.

Auch in der postgradualen Fortbildung kann auf das Museum zurückgegriffen werden. Schließlich bietet sich ein weites Betätigungsfeld im Bereich der wissenschaftlichen Bearbeitung des Museums, wobei bemerkenswert ist, daß die Feuchtpräparate sogar noch für histologische Untersuchungen verwendbar sind.

Auch wenn das Museum, wie bei einem pathologischen Museum nicht anders zu erwarten, manche „Grauslichkeit“ birgt, bietet es doch interessante Einblicke in die Mannigfaltigkeit der Erkrankungen. Das Wissen um die Vielfalt der möglichen Organschäden läßt das Wunder des Lebens noch ehrfürchtiger bestaunen.

Der Besuch des Museums ist nur nach Voranmeldung möglich!

Kontakt:

Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin
1210 Wien, Veterinärplatz 1

T +43 1 25077-2401
F +43 1 25077-2490

 
  

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Institut für Pathologie

1210 Wien, Veterinärplatz 1

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F +43 1 25077-2490

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