Nachrichtenarchiv 2013

 

Reinlichkeit im Spatzennest

Eines der fünf Eier in diesem Gelege ist anders gemustert. Dies findet man häufig in Gelegen von Feldspatzen. (Foto: Herbert Hoi)
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Seit den Kuckuckseiern wissen wir, dass in Vogelnestern nicht immer die Eier liegen, die auch wirklich zum brütenden Vogel gehören. Herbert Hoi und Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung untersuchten 60 Feldspatzennester und fanden heraus, dass die Vögel fremde Eier durchaus erkennen und diese auch aus dem Nest entfernen. Warum sie das tun, und ob angeborenes Putzverhalten dabei eine Rolle spielt veröffentlichten die Forscher vor Kurzem im Journal Plos One.

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(Web-Redaktion am 10.12.2013)

 

Kuchenbacken für einen guten Zweck - Department erfolgreich beim BackVETbewerb 2013

Unser Bäckerteam mit Rektorin Hammerschmid
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Am 3.12.2013 fand an der Vetmeduni Vienna der BackVETbewerb 2013 statt, bei dem Mitarbeiter ihre Bäckerkünste für einen guten Zweck beweisen konnten.  Der Erlös aus dem Verkauf der köstlichen Kreationen kommt den Maasai-Hilfsprojekten von Tierärzte ohne Grenzen 4 in Ostafrika zugute.  Das Department für Integrative Biologie und Evolution konnte dabei gleich zweimal punkten:  Es gewann den 1. Preis in der Kategorie "Organisationseinheit mit den meisten TeilnehmerInnen"; und die grandiosen Kuchenvariationen 5 von Verhaltensforscherin Michaela Thoß (hier 6 mit Rektorin Sonia Hammerschmid und anderen Gewinnern) wurden mit dem 2. Preis gekrönt! 

(Web-Redaktion am 5.12.2013)

 

Mäusemänner betören mit ihrem Duft – Starke Markierer zeugen mehr Nachkommen

Viel markierende Mäuseriche haben mehr Erfolg bei den Mäusedamen und produzieren daher mehr Nachkommen
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Den Geruch von Urin nehmen Menschen als eher unangenehm wahr, aber weibliche Mäuse finden ihn so anziehend wie Aftershave. Kerstin Thonhauser und Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung  untersuchten rund 100 Hausmäuse und fanden heraus, dass Männchen, die besonders viele „Duft“-Markierungen hinterlassen, mehr Nachkommen produzieren. Wahrscheinlich können Mausweibchen aus den Markierungen Schlüsse auf die Qualität der Männchen ziehen. Die Forscher veröffentlichten ihre Daten im Fachjournal Animal Behaviour, wo es einige Diskussion generierte - es war der 4.meist diskutierte Artikel in der Zeitschrift (Altmetrics Top Rated Articles). 

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(Web-Redaktion am 31.10.2013)

 

Unerwünschte Mitbewohner im Magen – Die Geschichte des Helicobacter pylori

Erwerb von Helicobacter pylori durch Baka Pygmäen (Quelle: Vetmeduni Vienna)
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Das Bakterium Helicobacter pylori besiedelt den Magen von Menschen und steht unter Verdacht, dort chronische Magenschleimhautentzündungen oder gar Magengeschwüre zu verursachen. Meist verläuft eine Infektion allerdings ohne Symptome. H.pylori besiedelte bereits vor über 100.000 Jahren den Magen von Menschen. Ein internationales Forscherteam um Yoshan Moodley vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung hat herausgefunden, dass das Volk der Baka Pygmäen in Kamerun viel seltener von einer H.pylori-Infektion betroffen ist als Menschen im globalen Durchschnitt. Der Grund: In kleinen Populationen mit niedriger Bevölkerungsdichte sterben die Bakterienstämme rascher aus. Die Resultate veröffentlichten die Forscher aktuell im Journal PLOS Genetics.

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(Web-Redaktion am 20.9.2013)

 

"Emu" Sonderausgabe zum Australischen Sänger, Modellorganismus in der Evolutionsforschung

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Die Zeitschrift Emu - Austral Ornithology 12 hat im August 2013 eine Sonderausgabe zum Modellorganismus Australischer Sänger (Maluridae: Insights from a Model System 13) herausgegeben.  KLIVV Forscher Herbert Hoi, Matteo Griggio, und Katharina Mahr haben dazu gemeinsam mit Kollegen der Flinders University in Australien den Artikel "When subspecies matter: resident Superb Fairy-wrens (Malurus cyaneus) distinguish the sex and subspecies of intruding birds 14" beigetragen.  Sie haben herausgefunden, dass Prachtstaffelschwänze, bei denen sowohl Männchen als auch Weibchen ganzjährig singen, genetisch unterschiedliche Unterarten am Gesang erkennen.

(Web-Redaktion am 4.9.2013)

 

Damenwahl bei Mäusen – Mäusedamen „lieben" mehr als nur einen Partner

Mäusepaar
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Weibliche Tiere beschränken sich oft nicht auf einen männlichen Sexualpartner. Hierfür gibt es verschiedene wissenschaftliche Hypothesen. Kerstin Thonhauser und KollegInnen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung haben nun das promiskuitive Verhalten wilder Hausmäuse untersucht. Sie fanden heraus, dass sich Weibchen mit mehreren Männchen verpaaren, wenn die zur Wahl stehenden Partner sexuell unerfahren sind, aber auch wenn sich die Männchen qualitativ ähneln. Dieses Verhalten dient dem Schutz der Nachkommen und der Auswahl des idealen Kandidaten für die Vaterschaft. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschafter im Journal Behavioral Ecology and Sociobiology.

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(Web-Redaktion am 30.8.2013)

 

Eine bekannte Melodie: Prachtstaffelschwänze schätzen Risiko von Brutparasitismus nach Gehör ein

Männlicher Prachtstaffel- schwanz (Malurus cyaneus) im "Hochzeits"- Gefieder
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Manchmal haben es werdende Eltern nicht leicht.  Der australische Prachtstaffelschwanz (Malurus cyaneus) muss schon vor dem Schlüpfen der Jungen damit rechnen, dass ihm einer ein fremdes Ei ins Nest legt.  In seinem Brutgebiet gibt es sogar zwei parasitäre Vogelarten, die seinen eigenen Küken das Nest streitig machen können, wobei der Rotschwanzkuckuck (Chalcites basalis) für die Prachtstaffelschwänze am gefährlichsten ist.  Wie also schützen sich Staffelschwänze vor den Brutparasiten?  Gemeinsam mit WissenchafterInnen der Flinders University (Australien) stellte das Team um Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung Versuche an, um die Reaktion der Prachtstaffelschwänze auf verschiedene  Risikostufen des Brutparasitismus zu testen.  Dazu spielten sie den Vögeln während der Paarungszeit die Lieder dreier Kuckucksarten vor, wobei nur die ersten beiden normalerweise im selben Brutgebiet vorkommen.  Sie fanden heraus, dass die Prachtstaffelschwänze mit Alarmrufen auf diese Lieder reagieren.  Dass sie dabei die Lieder der verschiedene Kuckucksarten unterscheiden können lässt sich aus der wesentlich schwächeren Reaktion auf die Lieder der weniger „gefährlichen“ Bronzekuckucks und des kleinen Bronzekuckucks ableiten.  Auf die Lieder des nicht parasitären Stricheldornschnabels reagierten sie hingegen gar nicht.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sind am 22.5.2013 in der Zeitschrift Frontiers in Zoology erschienen.

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(Web-Redaktion am 11.6.2013)

 

Brüderlein und Schwesterlein: Fische schwimmen lieber mit Verwandten

Dreistachlige Stichlinge (Gasterostues aculeatus)
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Viele Tiere können verwandte Artgenossen von fremden unterscheiden. Tierarten, die ihren Nachwuchs aufziehen und betreuen, identifizieren Angehörige einerseits über Vertrautheit, andererseits aber auch über Ähnlichkeit im Aussehen und über den Geruch. Diese verschiedenen Mechanismen sind oft schwer zu entwirren. Joachim Frommen und seine Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna haben nun die Vorlieben des Dreistachligen Stichling bei der Schwarmwahl untersucht. In ihrer Arbeit konnten die Wissenschafter zeigen, dass diese Fische Verwandte als Schwimmpartner bevorzugen, unabhängig davon, ob sich diese zuvor bekannt oder fremd waren.

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(Web-Redaktion am 7.6.2013)

 

Die Siedler im Darm

Dreizehen- möwe (Rissa tridactyla) mit Jungen
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Dass Darmbakterien nicht nur unangenehme Krankheiten verursachen können, sondern auch nützliche Eigenschaften für die Gesundheit von Mensch und Tier haben, ist mittlerweile nicht mehr neu. Im Darm findet sich ein komplexes Ökosystem von Bakterien, das sich innerhalb der ersten Lebensjahre etabliert. Wie sich diese Bakteriengesellschaften bei Wildvögeln entwickeln und welche Bakterien sich bevorzugt im Darm ansiedeln, war Gegenstand der wissenschaftlichen Arbeit von Wouter van Dongen von der Vetmeduni Vienna. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem im Journal BMC Ecology veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 31.05.2013)

 

Trübes Wasser: Algenblüte beeinflusst Fischverhalten

Ein Schwarm von Dreistachligen Stichlingen (Gasterosteus aculeatus)
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Algenblüten, die durch Eutrophierung (erhöhte Mengen an Nährstoffen im Wasser, z.B. durch das Abfließen von Düngemitteln und Abwassern in Gewässer) verursacht werden können, beeinflussen die Ökologie und das Verhalten von Wasserorganismen drastisch. Man hat bereits Auswirkungen auf die Partnerwahl und auf die Wechselwirkung von Räubern und Beutetieren beobachtet. Änderungen im Sozialverhalten sind bis jetzt weniger gut erforscht. Stefan Fischer und Joachim Frommen aus dem Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung haben die Auswirkungen von Algenblüten auf die bekannten Präferenzen von Dreistachligen Stichlingen (Gasterosteus aculeatus) für größere Gruppen untersucht. Sie zeigten, dass Fische, die zwischen zwei Schwärmen verschiedener Größen wählen konnten sich deutlich öfter in der Nähe des größeren Schwarmes aufhielten, wenn das Wasser klar war.  In trübem Wasser hingegen zeigten sie keine signifikanten Präferenzen und neigten dazu, sich weniger zwischen den Schwärmen zu bewegen. Eutrophierung-induzierten Algenblüte hat daher möglicherweise das Potenzial, Entscheidungen zum Sozialverhalten der Stichlinge zu verändern. Die Ergebnisse wurden in der internationalen Zeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 22.05.2013)

 

Seitensprung mit Folgen – Untreue und Vaterschaft beim Rohrspatz

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) (Foto: Matthias Barby/CC-Lizenz 3.0)
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Affären und Seitensprünge sind auch im Tierreich nicht ausgeschlossen. Manche Tierarten, die eigentlich monogam leben, suchen sich ab und zu Paarungspartner außerhalb der festen Bindung. So eine sexuelle Begegnung erhöht potenziell den Fortpflanzungserfolg der Tiere. Wie kann jedoch ein Männchen sicher gehen, ob die gezeugten Nachkommen im Nest auch von ihm selbst abstammen und nicht von einem erfolgreicheren Nebenbuhler? KLIVV Wissenschafter Herbert Hoi und seine Kollegen haben gemeinsam mit Forschern der Slowakischen Akademie der Wissenschaften dazu eine Reihe an Experimenten mit dem Teichrohrsänger, im Volksmund auch Rohrspatz genannt, durchgeführt. Sie fanden heraus, dass die Männchen ihre Mitbewerber mit aggressivem Verhalten verjagen und versuchen „ihre“ Partnerinnen zu überwachen. Sind die Nachkommen aber erst einmal da, sind die Väter mit vollem Einsatz für die Jungen da, ganz egal wer der Erzeuger war.

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(Web-Redaktion am 16.05.2013)

 

Open-Access-Forschungspreis für KLIVV Team

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Der renommierte Open-Access-Verlag BioMed Central verlieh Katharina Mahr, Matteo Griggio, Michaela Granatiero und Herbert Hoi für ihren Artikel mit dem Titel „Female attractiveness affects paternal investment: experimental evidence for male differential allocation in blue tits” den zweiten Preis in der Kategorie Animal Science, Veterinary Research and Zoology der BioMed Central Annual Research Awards.

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(Web-Redaktion am 10.04.2013)

 

Meeresspiegelanstieg: Gefahr für terrestrische Artenvielfalt auf Inseln

Grafische Darstellung der Risikoindizes für die Biodiversität im untersuchten geografischen Raum bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter: blau=niedrig (Index 0 bis 1), rot=hoch (Index größer/gleich 3; Grafik: Vetmeduni Vienna/Wetzel).
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Modellrechnungen sagen einen Anstieg des Meeresspiegels von ungefähr einem Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts und von bis zu fünfeinhalb Metern bis zum Jahr 2500 voraus. Florian Wetzel und seine Kollegen von der Vetmeduni Vienna haben gemeinsam mit Walter Jetz von der US-amerikanischen Yale University nun Modellrechnungen für den südostasiatischen und pazifischen Raum veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Landwirbeltierarten durch die Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels betroffen sind. Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Zeitschrift „Global Change Biology“ vorab online veröffentlicht. 

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(Web-Redaktion am 09.04.2013)

 

Warum afrikanische Buntbarsche fremde Jungen adoptieren

Eine Kolonie Buntbarsche (Neolampro- logus caudopunc- tatus) im Tanganyikasee in sieben Metern Tiefe (Foto: Stefanie Schwamberger)
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Dass Tiere die Jungen fremder Eltern als die eigenen akzeptieren, kommt gar nicht so selten vor. Das ist dennoch erstaunlich, denn Adoption widerspricht einer der Grundthesen der Darwin’schen Evolutionstheorie: Eltern sollten nämlich so viel eigenen Nachwuchs zeugen, wie nur möglich. Franziska Schädelin und ihre Kollegen an der Vetmeduni Vienna schlagen jetzt in einer neuen Studie bei afrikanischen Buntbarschen eine Lösung dieses Widerspruchs vor. Eigenen Nachwuchs in fremden Nestern zu haben, erhöht bei allen Jungtiere die Wahrscheinlichkeit, zu überleben. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Behavioural Ecology“ erschienen.

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(Web-Redaktion am 19.03.2013)

 

Abgeschaut: Zebrafische können ihre Nahrungssuchstrategie durch soziales Lernen verbessern

Zebrafische (Foto: Vetmeduni Vienna/ KLIVV)
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Der Zebrafisch (Danio rerio) wird zunehmend als wichtige Modellart für Studien über die genetischen und neuronalen Mechanismen verwendet, die Verhalten und Kognition kontrollieren. Sarah Zala und Ilmari Määtänen des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der  Veterinärmedizinischen Universität Wien haben getestet, ob soziale Interaktionen mit geschulten Gleichartigen ("konditionierte Demonstranten") die Fähigkeit von "naiven" (nicht konditionierten) Zebrafischen verbessern kann, eine assoziative Nahrungssuchaufgabe zu erlernen . Ihre Versuche zeigten, dass  unkonditionierte Zebrafische tatsächlich in der Lage sind, ihr Suchverhalten durch das Lernen von ihren trainierten Kollegen zu verbessern. Dies bedeutet, dass Zebrafisch soziales Lernen für Nahrungssuchverhalten beeinflusst werden.  Die Studie ist in der Jänner 2013 Ausgabe der Zeitschrift „Naturwissenschaften“ erschienen.

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(Web-Redaktion am 28.01.2013)