Nachrichtenarchiv 2015

 

Genetische Anpassungen bei bedrohten australischen Süßwasserfischen beschrieben

Eine Fisch aus der bedrohten Dorschbarsch-Art (Gadopsis marmoratus), welcher in einem Hochlandfluss gefangen und wieder freigelassen wurde. (Foto von Codman, lizensiert unter CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)
Foto von Gadopsis marmoratus 1

Steve Smith vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung war Teil eines internationalen Forschungsteams welches die erste Charakterisierung der MHC-Gene bei Fischen der Familie Percichthyidae geliefert hat.  Viele Arten dieser Fischfamilie sind von Bevölkerungsabnahmen betroffen und werden deshalb Management-Maßnahmen  und Wiederherstellungsmaßnahmen einschließlich Translokationen und Erhaltungszucht unterzogen.  MHC-Gene sind von zentraler Bedeutung für die adaptive Immunantwort in Wirbeltieren und auch bei der Partnerwahl und zur Inzuchtvermeidung von Wichtigkeit. Die Percichthyidae oder Dorschbarsche bilden eine alte und vielfältige Familie, die die gemäßigte Süßwasserfischfauna Australiens dominiert und Arten mit Freizeit-und Naturschutzwert beinhaltet (z.B. Dorsche, Zwergbarsche). Die vier untersuchten Arten waren der River Blackfish (Gadopsis marmoratus), der Macquarie Barsch (Macquaria australasica) und den südlichen und den Yarra Zwergbarsch (Nannoperca australis bzw. Nannoperca obscura). Die Studie hat gezeigt, dass die Arten, Ökotypen und Populationen mit hoher Wahrscheinlichkeit an ihre eigene Parasitenfauna angepasst sind.  Dieser Anpassungsprozess hat möglicherweise zur genetischen Unterschiedlichkeit bei verschiedenen Percichthyidae Arten beigetragen.  Wenn adaptive Marker wie das MHC in zukünftigen Studien berücksichtigt werden, sind bessere Erfolgschancen für Fisch-Schutz-maßnahmen zu erwarten, da Forschende damit Informationen über die für die Fitness der Fische wichtige genetische Vielfalt erhalten können.

Der Artikel “Characterization of MHC class IIB for four endangered Australian freshwater fishes obtained from ecologically divergent populations 2” von Seraina Bracamonte, Steve Smith, Michael Hammer, Scott Pavey, Paul Sunnucks und Luciano Beheregaray wurde im Juni 2015 in der Zeitschrift Fish & Shellfisch Immunology 3 veröffentlicht.

(Web-Redaktion am 10. August 2015)

 

Tag der offenen Tür im Jubiläumsjahr der Vetmeduni Vienna

Das Department für Integrative Biologie und Evolution war in der Aula mit vielen interessanten Stationen vertreten. (Foto Vetmeduni Vienna/ Dept.5)
Foto von Dept. 5 Ecke am Vetmeduni Tag der offenen Tür 2015 4

Die Vetmeduni Vienna feiert 2015 ihren 250. Geburtstag. Der Tag der offenen Tür im Jubiläumsjahr war deshalb ein besonderer Höhepunkt. Am 30.5. öffnete die Universität ihre Forschungseinrichtungen, Institute und Universitätskliniken für BesucherInnen. Der Campus in Wien Floridsdorf wurde zum Treffpunkt für Tierfreunde, Forschungsbegeisterte, Studieninteressierte und Kinder. 5.330 BesucherInnen tummelten sich an diesem Tag auf dem Universitätsgelände.  Auch das Department für Integrative Biologie und Evolution war mit seinen beiden Instituten, dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie und dem Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung mit vielen interessanten Einblicken in die Wildtierforschung vertreten. 

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(Web-Redaktion am 1.6.2015)

 

Evolution mit Köpfchen - Großes Gehirn hat evolutionären Nutzen

Ein größeres Gehirn bringt weiblichen Guppies Vorteile. (Foto: Paul Bentzen)
Foto von zwei Guppies 5

Tiere mit großen Gehirnen sollen intelligenter und erfolgreicher als jene mit kleineren Gehirnen sein. Alexander Kotrschal und KollegInnen der Vetmeduni Vienna und der Universität Stockholm haben nun erstmals experimentell bewiesen, dass ein großes Gehirn einen evolutionären Nutzen bringt. Weibliche Fische mit größeren Gehirnen überleben Gefahrensituationen deutlich häufiger, als Weibchen mit kleineren Gehirnen. Bei Männchen scheint ein großes Gehirn keine Vorteile zu bringen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Journal Ecology Letters  6veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 22.5.2015)

 

Der Wissenschaftsfonds FWF genehmigt ein neues Forschungsprojekt über Ultraschall-Gesänge bei Hausmäusen

Der Gesang der männlichen Mäuse zieht Weibchen an, ähnlich wie der prächtige Schwanz eines Pfauen.
Zeichnung einer Maus mit Pfauschwanz

Während der Partnerwerbung und bei der Paarung stoßen männliche Hausmäuse (Mus musculus) Laute im Ultraschallbereich (USVs) aus, welche überraschend komplex sind und Charakteristika von Vogelliedern haben.  Die Entdeckung dass männliche Mäuse "unhörbare Gesänge" produzieren hat großes Interesse hervorgerufen und USVs sind zu einem wichtigen Modell im Bereich Lautgebungsforschung geworden.  Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung hat mit seinen StudentInnen erstmalig Studien zu USVs bei wilden Hausmäusen durchgeführt und herausgefunden, dass Weibchen vom Gesang der Männchen angezogen werden, und dass sie die Rufe von fremden denen verwandter Mäuse bevorzugen.  Spektrum-Analysen haben gezeigt dass die USVs verschiedener Männchen sich individuell unterscheiden.  In diesem neuen Projekt wollen Dustin Penn und Sarah Zala herausfinden, welche Art von Information in den komplexen Vokalisierungen der Männchen enthalten ist, und ob sie das weibliche Verhalten beeinflussen.  Ihre Ergebnisse werden für sexuelle Selektion und Tierkommunikation von Bedeutung sein und könnten helfen herauszufinden ob solche Gesänge als nicht-invasiver Indikator für die Diagnose von Krankheiten, genetischen Sprachstörungen, und dem tierischen Wohlbefinden dienen könnten.

Das dreijährige Projekt wurde kürzlich vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF 8 zur Finanzierung genehmigt (Projekt P 28141).

(Web-Redaktion am 18.5.2015)

 

Neues FWF Projekt zum Paarungs- und Brutverhalten von Fischen genehmigt

Franziska Lemmel-Schädelin ist eine Post-doc Biologie-Forscherin am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung.
Foto von Franziska Schädelin

Wie beeinflussen ökologische und soziale Randbedingungen das Paarungs- und Brutverhalten von Fischen?  Schon Charles Darwin realisierte, dass gemeinnütziges Verhalten eine besondere Herausforderung für die Evolutionstheorie darstellt. Insbesondere geschlechtsreife Tiere, die  Junge aufziehen, mit denen sie gar nicht verwandt sind und dabei viel Energie und Zeit in die Brutpflege investieren ohne ihre eigenen Gene weiterzugeben, lassen auch heute noch viele Biologen rätseln. Dr. Franziska Lemmel-Schädelin vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung wird gemeinsam mit KollegInnen das Bruthelferverhalten von afrikanischen Buntbarschen erforschen. Dabei wird sie verschiedene Paarungssysteme untersuchen: So zum Beispiel das Phänomen der Polygynie, bei dem sich ein Männchen mit mehreren Weibchen verpaart. Da es bis heute keine umfassende Erklärung für diese Verhaltensweisen im Tierreich gibt, wird Dr. Lemmel-Schädelin bei einer monogam lebenden Fischart die sozialen und ökologischen Randbedingungen so modifizieren, dass die Fische Bruthelferverhalten und polygynes Paarungsverhalten entwickeln. Die gleichen Experimente werden dann an einer nah-verwandten Buntbarschart durchgeführt, die sich sowohl durch Bruthelfer- als auch durch polygynes Paarungsverhalten auszeichnet. Ziel dieser Studie ist es, jene Schlüsselfaktoren zu identifizieren, die die unterschiedlichen Paarungs- und Brutpflegesyteme bedingen. Das vor Kurzem genehmigte Projekt (P27461) wird vom Wissenschaftsfonds FWF 8http://www.fwf.ac.at/de/ 8 finanziert und hat eine Laufzeit von 01.02.2015-31.01.2018.

(Web-Redaktion am 18.03.2015)

 

Krank sein macht Mäusemänner nicht weniger sexy

Für die Partnerwahl spielt nicht nur die Attraktivität eine Rolle. (Foto: Susanne Hammerschmid)
Foto einer braunen Maus

Attraktivität hat nicht nur mit Äußerlichkeiten zu tut. Das gilt für Menschen, aber auch für Tiere. Der Geruch spielt für viele Lebewesen die entscheidende Rolle. Gesunde Mäusemänner sind für Weibchen zwar attraktiver, kranke Männchen werden aber genauso oft als Sexualpartner gewählt. Die Partnerwahl läuft also nicht nur über Attraktivität. Das zeigen Sarah Zala und KollegInnen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna in einer Studie in der Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology 9.

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(Web-Redaktion am 13.3.2015)

 

Sei mein Schwarm – Buntbarschschwestern schwimmen gemeinsam, um ans Ziel zu kommen

Buntbarsche im zentralafrikanischen Tanganjikasee (Foto: Stefanie Schwamberger)
Foto von Buntbarschen 11

Im Schwarm zu schwimmen bietet vielen Fischen Schutz. Wer aber mit wem schwärmt, ist von Art zu Art unterschiedlich. Ein Forschungsteam vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung hat Buntbarsche im zentralafrikanischen Tanganjikasee untersucht. Auf ihren Tauchgängen beobachteten die Forschenden, dass Weibchen sich im Laufe ihres Lebens weiter vom Geburtsort entfernen als Männchen. Um Risiken zu minimieren und die Verbreitung der eigenen Erbinformation zu sichern, schwimmen die Weibchen dabei häufig mit ihren Schwestern im Schwarm. Männchen bevorzugen es außerdem, mit nicht verwandten Artgenossen einen Schwarm zu bilden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Oecologia 12 veröffentlicht.

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(Web-Redaktion am 28.1.2015)

 

2014 Artikel über Partnerwahl bei Mäusen 'Top Social Article'

Der in der Zeitschrift BMC Evolutionary Biology im Jänner 2014 veröffentlichte Artikel von Shirley Raveh und KollegInnen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung zum Zusammenhang zwischen dem Paarungsverhalten von Mäusen und der Gesundheit der Jungen, "Female partner preferences enhance offspring ability to survive an infection", wurde von der  als einer der am häufigsten gelesenen Artikel gekürt.

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(Web-Redaktion am 27.1.2015)