Genetisches Zeugnis des Aussterbens

Blauracke auf Insektenjagd (Foto David Grabovac – via Wikimedia Commons)
Blauracke mit Insekt im Schnabel 1

Aufgrund des großflächigen Lebensraumverlusts haben die Zahlen von Blauracken (Coracias garrulus) im Laufe des 20. Jahrhunderts in Teilen ihres europäischen Verbreitungsgebiets rapide abgenommen. In Österreich gab es ab 2017 nur noch eine vollständig isolierte Reliktpopulation von zwei Zuchtpaaren und einigen wenigen Nichtbrütern in der Steiermark, verglichen mit etwa 270 Paaren in den 1950er Jahren. Im Jahr 2018 wurden überhaupt keine Brüter aufgezeichnet. Seit 2002 sind alle Nestlinge und erwachsenen Vögel in Österreich beringt. In der vorliegenden Studie wurden genetische Daten basierend auf Blutproben von Nestlingen der letzten Jahre gesammelt und mit Museumsproben aus der Vergangenheit und mit Vögeln aus dem gesamten europäischen Verbreitungsgebiet verglichen, um einen ersten vorläufigen phylogeografischen Datensatz für die Art zu erhalten. Die Tests zeigten eine Abnahme der genetischen Vielfalt im Laufe der Zeit in Österreich. Diese Ergebnisse bestätigen den Verdacht auf genetische Drifteffekte aufgrund des schnellen Populationsabbaus und der geringen Populationsgröße dieser Reliktpopulation. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die österreichischen Blauracken Teil einer ehemals kontinuierlichen europäischen Population sind.  Diese Erkenntnis ebnet den Weg, die derzeitige Reliktpopulation mit Vögeln aus Osteuropa anzureichern („genetische Rettung“).

Dear Artikel Witnessing extinction: Population genetics of the last European Rollers (Coracias garrulus) in Austria and a first phylogeographic analysis of the species across its distribution range 2 von Carina Nebel, Kerstin Kadletz, Anita Gamauf, Elisabeth Haring, Peter Sackl, Michael Tiefenbach,  Hans Winkler und Frank E. Zachos ist im Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research erschienen.

(Web-Redaktion, 8.7.2019)

 

Erfolge bei der Wiederansiedlung des Habichtskauz

Stephan Pernkopf, Petra Winter, Richard Zink und Alfred Riedl mit einem Habichtskauz. Foto © NLK Reinberger
Stephan Pernkopf, Petra Winter, Richard Zink und Alfred Riedl mit einem Habichtskauz 3

Ein Jahrzehnt ist seit der Freilassung der ersten 22 Jungeulen im Jahr 2009 vergangen. Aktuell leben in Niederösterreich wieder 30 gesicherte Habichtskauz-Paare, nachdem die Vogelart spätestens seit den 1950er-Jahren in Österreich als ausgestorben galt. Das langjährige gemeinsame Engagement von Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd zeigt Wirkung. Bei einer Festveranstaltung in der niederösterreichischen Außenstelle Seebarn der Österreichischen Vogelwarte/Vetmeduni Vienna wurde am 17. Juni 2019 Bilanz über die bisher erfolgreiche verlaufende Wiederansiedlung gezogen.

Projektleiter Richard Zink zeigt sich optimistisch, dass die Habichtskäuze eine veritable Chance haben, sich wieder langfristig in Österreich anzusiedeln. Dafür sind auch Maßnahmen durch Forst- und Landwirtschaft hilfreich. Der Habichtskauz fühlt sich in strukturreichen Laub-Mischwäldern mit einheimischen Baumarten ausgesprochen wohl.

Basis für die Nachzucht der Jungeulen ist ein internationales Zuchtnetzwerk. In Österreich besteht eine langjährige Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn und 12 weiteren Zoos und Zuchtstationen. Diese unterstützen das Projekt und stellen ihre Jungtiere für die Freilassung zur Verfügung.

Mehr Info 4

(Web-Redaktion, 18.6.2019)

 

Erstmals sexuell übertragene Infektion in Wildvogelpopulation experimentell bestätigt

Dreizehenmöwen-Pärchen bei der Paarung (Foto ©Joel White)
Dreizehenmöwen bei der Paarung

Sexuell übertragene Infektionen wurden bislang vor allem bei Haustieren und wenigen käfiggehaltenen Wildtierarten bestätigt. Eine experimentelle Bestätigung in der freien Wildbahn gab es dagegen noch nicht. Forschenden der Vetmeduni Vienna und aus Frankreich gelang dies nun erstmals in einer Dreizehenmöwen-Population, indem sie bei Männchen den Samenfluss mit einem einfachen Ringaufsatz an der Kloake blockierten. Ohne diesen „Keuschheitsgürtel“ infizierten sich Weibchen mit einem neu entdeckten bakteriellen Erreger, mussten in Folge viel mehr in die Fortpflanzung investieren und hatten einen geringeren Reproduktionserfolg als „geschützte“ Tiere.

Der Artikel „Experimental evidence of a sexually transmitted infection in a wild vertebrate, the black-legged kittiwake (Rissa tridactyla)”  5von Wouter F. D. Van Dongen, Joël White, Hanja B. Brandl, Sarah Leclaire, Scott A. Hatch, Étienne Danchin und Richard H. Wagner wurde in The Biological Journal of the Linnean Society veröffentlicht.  

(Web-Redaktion, 28.3.2019)

 

Pheromone und sozialer Status: Machos riechen besser

Die Duftmarken dominanter Mäuseriche wirken anziehender auf weibliche Hausmäuse, als die von untergeordneten Männchen. (Foto: © B. Wernisch/ Vetmeduni Vienna)
Zwei Mäuse in einem Tunnel im Labor 6
Der Mäuselaboraufbau mit den Mäusen und einem Chromatogramm (chemische Analyse flüchtiger Pheromone) (Foto: © B. Wernisch/ Vetmeduni Vienna)
Ein teil des mauslabors mit Versuchsanlage und Chromatogramm 7

Männliche Hausmäuse sind territorial und kennzeichnen ihre Gebiete mit Duftmarken im ausgeschiedenen Urin. Bei dominanten Männchen führt dieses Territorialverhalten zu einer „netten“ Begleiterscheinung – sie weisen einen wesentlich höheren Fortpflanzungserfolg auf. Eine soeben in der wissenschaftlichen Zeitschrift Scientific Reports erschienene Studie der Forschungsgruppe um Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichene Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna zeigt nun auf warum: Weibliche Mäuse werden von der Duftnote dominanter Männchen, die gegenüber untergeordneten eine viel höhere Anzahl Pheromone produzieren, weitaus stärker angezogen.  

Die vorliegende Studie ist die erste, die für Säugetiere nachweist, dass dominante, territoriale Männchen die Pheromonproduktion erhöhen. 

Der Artikel „Regulation of volatile and nonvolatile pheromone attractants depends upon male social status 8“ von M. Thoß, K. C. Luzynski, V. M. Enk, E. Razzazi-Fazeli, J. Kwak, I. Ortner und D. J. Penn wurde in Scientific Reports veröffentlicht.

 

Mehr Info 9

 

(Web-Redaktion, 11.3.2019)

 

Sensationeller Fang beim Vogel-Monitoring am Wilhelminenberg: Wiener Buntspecht knackt beinahe Altersrekord

12 Jahre altes Buntspecht-Weibchen (© Johannes Hloch)

Ende Jänner 2019 ist der österreichischen Beringungszentrale am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) mit einem beringten Buntspecht ein ganz besonderer Vogel ins Netz gegangen: ein Buntspecht-Weibchen mit dem beachtlichen Alter von mindestens 12 Jahren!

Aus den Daten des langjährigen Monitoringprogrammes geht hervor, dass der Vogel bereits im Jahr 2008 am KLIVV beringt wurde. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Vogelart 7 bis 8 Jahre beträgt und dass der derzeitige Altersrekord bei wildlebenden Buntspechten bei 12 Jahren und 8 Monaten liegt!

Wie es der Zufall so wollte, war genau an diesem Tag ein professioneller Fotograf vor Ort, der die schöne Specht-Dame auch gleich noch gebührend porträtieren konnte. Das Buntspecht-Weibchen war übrigens noch sehr fit, es bleibt also zu hoffen, dass es den Wiener Wilhelminenberg noch länger unsicher macht und vielleicht sogar den aktuellen Altersrekord bricht.

(Web-Redaktion, 6.2.2019)