Vom Schönheitsempfinden der Tiere

Das schöne Federkleid männlicher Pfauen beeindruckt sowohl Pfauenweibchen als auch Menschen. (Foto Venkat Mangudi, Wikimedia Commons)
Portrait eines männlichen Pfauen 1

Nicht nur Menschen, auch Tiere haben ein ästhetisches Empfinden. In einem aktuellen WWTF-Projekt untersucht Leonida Fusani vom  Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna und dem Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien, welche Rolle Schönheitsempfinden bei Menschen und Tieren in der Evolution spielt.  So bereiten zum Beispiel Paradiesvögel für ihre Partnerwerbung eine ihrem ästhetischen Empfinden nach dekorierte Bühne vor, auf der sie ihren potentiellen Partnerinnen dann einen eindrucksvollen Tanz vorführen.  Pfauen schütteln ihr schillerndes Federrad um damit Weibchen anzulocken. Ein gewisser Sinn für Ästhetik scheint also nicht nur den Menschen vorbehalten.

Der Ornithologe Dr. Leonida Fusani und Mitforschende im WWTF-Projekt "Comparative aesthetics" erforschen unter anderem die Frage, welche evolutionäre Funktion und gemeinsame Wurzeln die Suche nach Schönheit bei Menschen und anderen Arten, wie Vögeln einnimmt. 

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(Web-Redaktion, 12.12.2019)

 

 

Zum Nachsehen: ORF Newton - Die Schattenseite des Lichts

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Vor allem in Großstädten machen zahllose helle Lichtquellen der natürlichen Finsternis Konkurrenz und sorgen dafür, dass in den meisten Gebieten Österreichs nur etwa 450 von 6000 Sternen am Himmel sichtbar sind. "Lichtverschmutzung" nennen Experten diese neue Form der Umweltverschmutzung. Und sie führt nicht nur zu Beobachtungsproblemen. "Newton" hat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, unter ihnen Herbert Hoi und Katharina Mahr vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, getroffen, die deutlich machen, welche Folgen unser ungebremster Lichtkonsum auf Mensch und Tier hat.

Bis Samstag, 5.10.2019 kann man die Sendung noch in der ORF TVThek  3nachsehen.

 

Science Day 2019 - Posterpreis in der Kategorie „Universitätsumfeld“

PreisträgerInnen des Poster Awards in den Kategorien "Universitätsumfeld" und "Wissenschaftsjournalismus". Foto © T. Suchanek/Vetmeduni Vienna
PreisträgerInnen des Poster Awards in den Kategorien "Universitätsumfeld" und "Wissenschaftsjournalismus". 4

Am 27. November 2019 wurde im Rahmen des Science Day an der Vetmeduni Vienna bei einer Keynote von Nuno Maulide, Auszeichnungen für herausragende wissenschaftliche Arbeit, dem Kick-Off der Initiative entrepreneurial vetmed und Networking die Wissenschaft gefeiert.  45 Poster wurden dieses Jahr von Forschenden der Vetmeduni Vienna eingereicht und von unterschiedlichen ExpertInnen-Jurys beurteilt. Der Wissenschaftliche Beirat der Veterinärmedizinischen Universität, bestehend aus internationalen WissenschafterInnen und ExpertInnen veterinärspezifischer Disziplinen, bildete die Jury der Kategorie „Universitätsumfeld“.

Platz 3 in dieser Kategorie ging an Maria Adelaide Marconi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung für ihr Poster zur Vokalisation männlicher Hausmäuse („Vocal personality in male house mice“)

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(Web-Redaktion, 2.12.2019)

 

 

Handicap-Prinzip: Von der falschen Hypothese zum wissenschaftlichen Standard

Foto © Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung/ Vetmeduni Vienna
Grafik eines Pfauenrades mit Federdetail 6

In einer kürzlich erschienenen Arbeit räumt Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni Vienna mit einem verbreiteten wissenschaftlichen Irrtum auf. Das Handicap-Prinzip ist die am häufigsten zitierte Erklärung für das teils aufwändige Erzeugen von Signalen in der Tierwelt wie z.B. das Federkleid von Pfauen. Laut Penn ist diese Idee jedoch völlig falsch und kann verworfen werden.

Der Artikel „The Handicap Principle: how an erroneous hypothesis became a scientific princ 7iple“ von Dustin J. Penn und Szabolcs Számadó wurde in Biological Reviews veröffentlicht.

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(Web-Redaktion, 25.11.2019)

 

 
 

Vetmeduni Vienna, Land Kärnten und Nationalpark Hohe Tauern blicken auf die erfolgreichen, 1. Mallnitzer Tage zurück

Walter Arnold (Vetmeduni Vienna), Günther Novak (Bürgermeister Mallnitz), Barbara Ladstätter (Abt. Bildung, Land Kärnten), Klaus Eisank (Nationalpark Hohe Tauern) und Landesrätin Sara Schaar (v.l.n.r.) bei den 1. Mallnitzer Tagen. Foto © Peter Schober
Gruppenfoto Walter Arnold (Vetmeduni Vienna), Günther Novak (Bürgermeister Mallnitz), Barbara Ladstätter (Abt. Bildung, Land Kärnten), Klaus Eisank (Nationalpark Hohe Tauern) und Landesrätin Sara Schaar (v.l.n.r.) bei den 1. Mallnitzer Tagen 9

Bereits im Februar 2019 haben das Land Kärnten und die Veterinärmedizinische Universität Wien in einem Letter of Intent ein nachhaltiges Konzept zur Weiterentwicklung und zum Ausbau der universitären Infrastruktur in Kärnten vorgestellt. Nun trug die Kooperation bereits erste Früchte – in Form der 1. Mallnitzer Tage, welche von 17. – 18. Oktober 2019 im Besucherzentrum Mallnitz stattfanden. Der Nationalpark Hohe Tauern bietet für die Vetmeduni Vienna ideale Voraussetzungen für die Forschung und Lehre im Bereich Wildtierkunde. Aus diesem Grund lag auch der Fokus der 1. Mallnitzer Tage auf den Themen Wildtierökologie und –management.

Namhafte Experten der Vetmeduni Vienna vermittelten den Anwesenden im Rahmen zahlreicher Workshops umfangreiches Fachwissen von A wie Altersbestimmung beim Rotwild bis Z wie Zukunft des Gamswildes in den Ostalpen.  Walter Arnold, Leonida Fusani, Christoph Beiglböck und Friederike Range vom Department für Interdisziplinäre Lebenswissenschaften berichteten über ihre Forschungsmethoden und -ergebnisse.

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(Web-Redaktion am 21.10.2019)

 
 

Citizen Science Award 2019 - Schwalbenprojekt ausgezeichnet

Dr. Richard Zink und Projektmitarbeiterin Janette Siebert, MSc mit den Gewinnern (Foto OeAD GmbH/APA-Fotoservice/Schedl)
Gruppenfoto der Projektleiter und Gewinner 11

Auch dieses Jahr hatten Interessierte im Rahmen des Citizen Science Awards 2019 12 die Möglichkeit, bei Forschungsprojekten in ganz Österreich mitzuforschen. Die engagiertesten Citizen Scientists wurden auch in diesem Jahr vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBWF) und dem Österreichischen Austauschdienst (OeAD) im Rahmen einer feierlichen Festveranstaltung am 19. November 2019 mit dem Citizen Science Award ausgezeichnet.

Das Projekt der Österreichischen Vogelwarte "Flugkünstler gesucht - Schwalbe gesehen 13?" war eines der sieben prämierten Projekte. Ziel des Projektes war es, das Vorkommen von Mehl- und Rauchschwalben im Bezirk Tulln zu erforschen. Citizen Scientists - sowohl teilnehmende Schulklassen als auch Einzelpersonen - konnten dabei mit Kamera oder Smartphone Schwalben und ihre Nester fotografieren und ihre Beobachtungen auf der Webplattform Wilde Nachbarn 14 eintragen.

Am Citizen Science Award-Tag hatten interessierte Schulklassen die Möglichkeit im Rahmen eines Workshops mehr über die Vogelwelt in Stadt und Land zu erfahren sowie einen Blick hinter die Kulissen der verschiedenen Nisthilfen und Vogelnester zu werfen. Die feierliche Festveranstaltung fand anschließend im Festsaal der Universität Wien statt. Attraktive Sachpreise für zwei Einzelpersonen und ein Preisgeld für die gewinnende Schulklasse des BG/BRG Tulln (NÖ) wurden dabei vergeben. Gewonnen haben dabei die Personen bzw. Schulklasse mit der höchsten Punkteanzahl für gemeldete Schwalbennester.

(Web-Redaktion, 20.11.2019)  

 

Konferenz-Preis für Jim McGetrick vom Domestication Lab

Foto (c) Katharina Wenig
Jim McGetrick bei einem Konferenz-Vortrag 15

Bei der 6. European Student Conference on Behaviour and Cognition 16, die vom 4. bis 7. September 2019 in Padua abgehalten wurde, gewann Jim McGetrick vom Domestication Lab des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung den 2. Preis für den besten Vortrag.  Sein Vortrag trug den Titel "Dogs’ responses in inequity paradigms may be driven by perceptions of reward attainability".  Wir gratulieren unserem Kollegen!

(Web-Redaktion, 3.10.2019)

 

 

Open House Wien 2019

Bei strahlendem Sonnenschein hatte am 14. und 15. Sept. 2019 das Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung im Zuge von Open Wien 2019  17zum ersten Mal seine Türen geöffnet.  Zwischen 10.00 und 17.00 Uhr konnten sich bei Führungen an beiden Tagen mehr als 600 interessierte BesucherInnen über die spannende Architektur von Anton Schweighofer 18 informieren. Die Fachführungen von Arch. DI Jürgen Radatz 19 fanden besonderen Anklang. Er stellte ausführlich Schweighofer's Paradigmenwechsel von alt zu neu vor, verwies auf die besondere Bauweise und begeisterte die Besucher mit seinen Erläuterungen von Architektur zu sich verändernden Forschungsinteressen!

Das KLIVV bedankt sich für die zahlreichen Besuche!

 

Partnerwahl und Paarung: Sexuelle Erfahrung nützt Hausmäusen nicht

Die ForscherInnen fanden keine Hinweise darauf, dass sexuelle Erfahrung den männlichen Paarungs- oder Fortpflanzungserfolg bei Hausmäusen erhöht. (Foto K. Thonhauser)
Mauspaar im Labor

Entgegen bisheriger Annahmen ist sexuelle Erfahrung kein Vorteil für die Partnerwahl und den Paarungserfolg. Diese überraschende Erkenntnis ist das zentrale Ergebnis einer an Hausmäusen durchgeführten Studie der Vetmeduni Vienna. Dies lässt darauf schließen, dass bei Säugetieren selbst hochkomplexe Verhaltensweisen stärker genetisch bedingt sind, als bislang angenommen.

Im Rahmen einer Studie am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung untersuchte das Forschungsteam das Sexualverhalten von Hausmäusen, wobei ein Weibchen jeweils zwischen zwei verschiedenen Männchen wählen konnte. Von diesen waren entweder beide sexuell erfahren, beide sexuell unerfahren oder jeweils ein Männchen sexuell erfahren und unerfahren. Dieses Testdesign ermöglichte es herauszufinden, welche Paarungspräferenz Weibchen haben – auch vor dem Hintergrund, dass sexuell unerfahrene Männchen häufig Nachwuchs töten. Sexuell erfahrene Männchen paarten sich genauso häufig und zeugten nicht mehr Nachkommen als ihre jungfräulichen Konkurrenten. Aufgrund der nun vorliegenden – und bisherigen Annahmen widersprechenden – Erkenntnisse sollten laut den StudienautorInnen zukünftige Forschungen an Wirbeltieren darauf achten, dass die sozialen Präferenzen von Weibchen kein verlässlicher Indikator für die Partnerwahl sind.

Der Artikel „Sexual experience has no effect on male mating or reproductive success in house mice 20“ von Kerstin E. Thonhauser, Alexandra Raffetzeder und Dustin J. Penn wurde in Scientific Reports veröffentlicht.


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(Web-Redaktion, 9.9.2019)

 

Riskantes Schlafen mit verstecktem Kopf spart Energie bei nachtaktiven Zugvögeln

Gartengrasmücke (Foto Biillyboy, Wikimedia Commons)
Gartengrasmücke

Schlafen mit dem Kopf nach hinten ins Gefieder gesteckt ist eine verbreitete Verhaltensweise, die die meisten Vogelarten zeigen. Wissenschafter vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna und der Universität Wien fanden nun heraus, dass das Verstecken des Kopfes während der Nachtruhe den Wärmeverlust bei Zugvögeln reduziert und deren Energiereserven dadurch geschont werden. Allerdings bedingt das Schlafen auf Sparflamme auch Risiken für die Vögel: Durch die gedrosselte Stoffwechselrate und Reaktionsgeschwindigkeit laufen sie Gefahr, leichte Beute zu sein.

Nächtlich ziehende Singvögel, die das Mittelmeer überqueren, um den europäischen Kontinent zu erreichen, legen oft einen Zwischenstopp auf Inseln nahe der Küste ein, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Durch detaillierte Beobachtungen von Gartengrasmücken, die gerade auf einer dieser Rast-Inseln angekommen waren, fand ein Team um Leonida Fusani heraus, dass die Schlafhaltung der Grasmücken von ihrer physiologischen Kondition abhängt.

Diese Erkenntnisse erlauben eine neue Sicht auf die Funktion der Schlafposition von Vögeln, sowie auf die ökologischen und physiologischen Herausforderungen denen Zugvögel ausgesetzt sind.

Der Artikel „Sleeping unsafely tucked in to conserve energy in a nocturnal migratory songbird 22“ von Andrea Ferretti, Niels C. Rattenborg, Thomas Ruf, Scott R. McWilliams, Massimiliano Cardinale und Leonida Fusani wird heute in Current Biology veröffentlicht.

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(Web-Redaktion, 19.8.2019)

 

Komplexes Balzverhalten

Zedernseidenschwänze (Bombycilla cedrorum) schieben als Teil eines Balzrituals eine Beere hin und her (Foto Minette Layne, Seattle, Washington - CC BY-SA 2.0)
Zedernseidenschwänze (Bombycilla cedrorum) schieben eine Beere hin und her 24

Die Entwicklung und Funktion von multimodalen Balz-Darstellungen sind Verhaltensweisen, die die Anziehung und Paarung ermöglichen sollen.  Sie sind im gesamten Tierreich weit verbreitet. Die meisten Balzsignale sind multimodal, das heißt sie bestehen aus verschiedenen Signalen und unterschiedlichen sensorischen Modalitäten. Obwohl die Balz häufig einen starken Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg hat, wurde der Frage, warum und wie Männchen multimodale Balz verwenden, um ihren Fortpflanzungserfolg zu verbessern, noch nicht viel Aufmerksamkeit gewidmet. Über die Rolle der verschiedenen Komponenten der männlichen Werbung und ihre relative Bedeutung für Weibchen ist nur sehr wenig bekannt.

Das Ziel einer Studie am Kondrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, geleitet von Leonida Fusani, war es, zu untersuchen, was derzeit über die funktionale Bedeutung von Werbedisplays bekannt ist, insbesondere über die Rolle der Multimodalität in diesem Kontext. Der Schwerpunkt liegt auf jenen Fällen, in denen ein vollständiges Bild des Kommunikationssystems nur unter Berücksichtigung der Komplexität und des Zusammenwirkens verschiedener Modalitäten beurteilt werden kann.  Empirische Studien sind erforderlich, um spezifisch zu testen, wie die Variation der verschiedenen Modalitäten und die Interaktion zwischen ihnen die Reaktion und Auswahl von Weibchen beeinflussen. Darüber hinaus wissen wir sehr wenig über die neuronalen Mechanismen, die bei der multisensorischen Verarbeitung der Balz eine Rolle spielen.

Der Artikel Evolution and function of multimodal courtship displays  25von Clémentine Mitoyen, Cliodhna Quigley und Leonida Fusani wurde in der internationalen Zeitschrift Ethology veröffentlicht.

(Web-Redaktion, 6.8.2019)

 

Genetisches Zeugnis des Aussterbens

Blauracke auf Insektenjagd (Foto David Grabovac – via Wikimedia Commons)
Blauracke mit Insekt im Schnabel 26

Aufgrund des großflächigen Lebensraumverlusts haben die Zahlen von Blauracken (Coracias garrulus) im Laufe des 20. Jahrhunderts in Teilen ihres europäischen Verbreitungsgebiets rapide abgenommen. In Österreich gab es ab 2017 nur noch eine vollständig isolierte Reliktpopulation von zwei Zuchtpaaren und einigen wenigen Nichtbrütern in der Steiermark, verglichen mit etwa 270 Paaren in den 1950er Jahren. Im Jahr 2018 wurden überhaupt keine Brüter aufgezeichnet. Seit 2002 sind alle Nestlinge und erwachsenen Vögel in Österreich beringt. In der vorliegenden Studie wurden genetische Daten basierend auf Blutproben von Nestlingen der letzten Jahre gesammelt und mit Museumsproben aus der Vergangenheit und mit Vögeln aus dem gesamten europäischen Verbreitungsgebiet verglichen, um einen ersten vorläufigen phylogeografischen Datensatz für die Art zu erhalten. Die Tests zeigten eine Abnahme der genetischen Vielfalt im Laufe der Zeit in Österreich. Diese Ergebnisse bestätigen den Verdacht auf genetische Drifteffekte aufgrund des schnellen Populationsabbaus und der geringen Populationsgröße dieser Reliktpopulation. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die österreichischen Blauracken Teil einer ehemals kontinuierlichen europäischen Population sind.  Diese Erkenntnis ebnet den Weg, die derzeitige Reliktpopulation mit Vögeln aus Osteuropa anzureichern („genetische Rettung“).

Dear Artikel Witnessing extinction: Population genetics of the last European Rollers (Coracias garrulus) in Austria and a first phylogeographic analysis of the species across its distribution range 27 von Carina Nebel, Kerstin Kadletz, Anita Gamauf, Elisabeth Haring, Peter Sackl, Michael Tiefenbach,  Hans Winkler und Frank E. Zachos ist im Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research erschienen.

(Web-Redaktion, 8.7.2019)

 

Erfolge bei der Wiederansiedlung des Habichtskauz

Stephan Pernkopf, Petra Winter, Richard Zink und Alfred Riedl mit einem Habichtskauz. Foto © NLK Reinberger
Stephan Pernkopf, Petra Winter, Richard Zink und Alfred Riedl mit einem Habichtskauz 28

Ein Jahrzehnt ist seit der Freilassung der ersten 22 Jungeulen im Jahr 2009 vergangen. Aktuell leben in Niederösterreich wieder 30 gesicherte Habichtskauz-Paare, nachdem die Vogelart spätestens seit den 1950er-Jahren in Österreich als ausgestorben galt. Das langjährige gemeinsame Engagement von Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd zeigt Wirkung. Bei einer Festveranstaltung in der niederösterreichischen Außenstelle Seebarn der Österreichischen Vogelwarte/Vetmeduni Vienna wurde am 17. Juni 2019 Bilanz über die bisher erfolgreiche verlaufende Wiederansiedlung gezogen.

Projektleiter Richard Zink zeigt sich optimistisch, dass die Habichtskäuze eine veritable Chance haben, sich wieder langfristig in Österreich anzusiedeln. Dafür sind auch Maßnahmen durch Forst- und Landwirtschaft hilfreich. Der Habichtskauz fühlt sich in strukturreichen Laub-Mischwäldern mit einheimischen Baumarten ausgesprochen wohl.

Basis für die Nachzucht der Jungeulen ist ein internationales Zuchtnetzwerk. In Österreich besteht eine langjährige Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn und 12 weiteren Zoos und Zuchtstationen. Diese unterstützen das Projekt und stellen ihre Jungtiere für die Freilassung zur Verfügung.

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(Web-Redaktion, 18.6.2019)

 

Erstmals sexuell übertragene Infektion in Wildvogelpopulation experimentell bestätigt

Dreizehenmöwen-Pärchen bei der Paarung (Foto ©Joel White)
Dreizehenmöwen bei der Paarung

Sexuell übertragene Infektionen wurden bislang vor allem bei Haustieren und wenigen käfiggehaltenen Wildtierarten bestätigt. Eine experimentelle Bestätigung in der freien Wildbahn gab es dagegen noch nicht. Forschenden der Vetmeduni Vienna und aus Frankreich gelang dies nun erstmals in einer Dreizehenmöwen-Population, indem sie bei Männchen den Samenfluss mit einem einfachen Ringaufsatz an der Kloake blockierten. Ohne diesen „Keuschheitsgürtel“ infizierten sich Weibchen mit einem neu entdeckten bakteriellen Erreger, mussten in Folge viel mehr in die Fortpflanzung investieren und hatten einen geringeren Reproduktionserfolg als „geschützte“ Tiere.

Der Artikel „Experimental evidence of a sexually transmitted infection in a wild vertebrate, the black-legged kittiwake (Rissa tridactyla)”  30von Wouter F. D. Van Dongen, Joël White, Hanja B. Brandl, Sarah Leclaire, Scott A. Hatch, Étienne Danchin und Richard H. Wagner wurde in The Biological Journal of the Linnean Society veröffentlicht.  

(Web-Redaktion, 28.3.2019)

 

Pheromone und sozialer Status: Machos riechen besser

Die Duftmarken dominanter Mäuseriche wirken anziehender auf weibliche Hausmäuse, als die von untergeordneten Männchen. (Foto: © B. Wernisch/ Vetmeduni Vienna)
Zwei Mäuse in einem Tunnel im Labor 31
Der Mäuselaboraufbau mit den Mäusen und einem Chromatogramm (chemische Analyse flüchtiger Pheromone) (Foto: © B. Wernisch/ Vetmeduni Vienna)
Ein teil des mauslabors mit Versuchsanlage und Chromatogramm 32

Männliche Hausmäuse sind territorial und kennzeichnen ihre Gebiete mit Duftmarken im ausgeschiedenen Urin. Bei dominanten Männchen führt dieses Territorialverhalten zu einer „netten“ Begleiterscheinung – sie weisen einen wesentlich höheren Fortpflanzungserfolg auf. Eine soeben in der wissenschaftlichen Zeitschrift Scientific Reports erschienene Studie der Forschungsgruppe um Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichene Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna zeigt nun auf warum: Weibliche Mäuse werden von der Duftnote dominanter Männchen, die gegenüber untergeordneten eine viel höhere Anzahl Pheromone produzieren, weitaus stärker angezogen.  

Die vorliegende Studie ist die erste, die für Säugetiere nachweist, dass dominante, territoriale Männchen die Pheromonproduktion erhöhen. 

Der Artikel „Regulation of volatile and nonvolatile pheromone attractants depends upon male social status 33“ von M. Thoß, K. C. Luzynski, V. M. Enk, E. Razzazi-Fazeli, J. Kwak, I. Ortner und D. J. Penn wurde in Scientific Reports veröffentlicht.

 

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(Web-Redaktion, 11.3.2019)

 

Sensationeller Fang beim Vogel-Monitoring am Wilhelminenberg: Wiener Buntspecht knackt beinahe Altersrekord

12 Jahre altes Buntspecht-Weibchen (© Johannes Hloch)

Ende Jänner 2019 ist der österreichischen Beringungszentrale am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) mit einem beringten Buntspecht ein ganz besonderer Vogel ins Netz gegangen: ein Buntspecht-Weibchen mit dem beachtlichen Alter von mindestens 12 Jahren!

Aus den Daten des langjährigen Monitoringprogrammes geht hervor, dass der Vogel bereits im Jahr 2008 am KLIVV beringt wurde. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Vogelart 7 bis 8 Jahre beträgt und dass der derzeitige Altersrekord bei wildlebenden Buntspechten bei 12 Jahren und 8 Monaten liegt!

Wie es der Zufall so wollte, war genau an diesem Tag ein professioneller Fotograf vor Ort, der die schöne Specht-Dame auch gleich noch gebührend porträtieren konnte. Das Buntspecht-Weibchen war übrigens noch sehr fit, es bleibt also zu hoffen, dass es den Wiener Wilhelminenberg noch länger unsicher macht und vielleicht sogar den aktuellen Altersrekord bricht.

(Web-Redaktion, 6.2.2019)