Malaria und andere Hämosporidiosen bei Wildvögeln: Häufige bislang unterschätzte Ursachen von Vogelsterben?

Aviäre Hämosporidien sind Blutparasiten von Vögeln, die durch unterschiedliche Arthropodenvektoren übertragen werden. Man unterscheidet 3 Gattungen, Plasmodium, Haemoproteus und Leucocytozoon mit jeweils zahlreichen Arten. Sie kommen - mit Ausnahme circumpolarer Regionen - weltweit vor und infizieren einen hohen Prozentsatz aller Wildvögel.  Lange Zeit ging man davon aus, dass Koevolution von Wirten und Parasiten in einer perfekten Adaptation resultiert, wodurch die betroffenen Vögel nicht krank werden. Werden hingegen Vögel aus kalten Klimazonen in wärmere Gefilde verbracht, dann resultiert die Infektion häufig in schweren Erkrankungen und auch Todesfällen. Nun mehren sich Indizien dafür, dass auch Wildvogelarten aus den natürlichen Verbreitungsräumen der Hämosporidien wesentlich häufiger schwer erkranken und auch sterben können als bislang angenommen.

Wir vermuten, dass aviäre Hämosporidiosen (Inklusive Vogelmalaria) stark unterschätzte Ursachen von schweren Erkrankungen und Todesfällen bei Wildvögeln sind. Es besteht ein Mangel umfassender Studien zu Todesursachen bei Wildvögeln und es fehlen geeignete Methoden, die Parasiten im Gewebe toter Vögel  unterschiedlichen Genera, Subgenera oder Arten zuzuordnen. Wir nehmen auch an, dass ein größeres Spektrum an Hämosporidienarten als bisher bekannt eine hohe Virulenz sowohl für Wildvögel als auch für Käfig- und Volierenvögel hat. Die diesbezüglichen Daten sind deshalb lückenhaft, weil die Gewebsstadien der Hämosporidien morphologisch ähnlich sind und derzeit keine Methoden zur Bestimmung der Parasitenarten in Gewebeproben, insbesondere auch bei Fällen von Mischinfektionen, verfügbar sind.

Wir planen, diese Ideen durch „Visualisierung“ definierter Hämosporidiengenera und -arten in Gewebeproben zu testen. Dies wird mit Hilfe einer in situ Hybridisierung unter Verwendung von Gensonden gegen ribosomale RNA angestrebt. Die Sequenzen des rRNA Gens sind allerdings bei Hämosporidien weitgehend unbekannt und müssen erst durch geeignete Amplifikations- und Sequenzierungsverfahren an eindeutig spezifizierten Referenzproben ermittelt werden.   

Mitarbeiter:
Univ.-Prof. Dr. Herbert Weissenböck, Dipl.ECPHM, Projektleitung 1
Dr. Josef Harl, Postdoc 2
MMag. Tanja Himmel, PhD Studentin 3

Kooperationspartner:
Dr. Gediminas Valkiunas, Nature Research Centre, Vilnius, Litauen 4
A.o. Prof. Dr. Alexandra Scope, Interne Medizin Kleintiere, Vetmed.Uni.Wien 5
Univ.-Prof. Dr. Leonida Fusani, KLIVV, Vetmed.Uni.Wien

Projektzeitraum: 03/2017 - 03/2020

Finanzierung:
FWF - Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung 6


Publikationen:

Molecular probes for the identification of avian Haemoproteus and Leucocytozoon parasites in tissue sections by chromogenic in situ hybridization
Tanja Himmel, Josef Harl, Anna Kübber‑Heiss, Cornelia Konicek, Nuhacet Fernández, Carles Juan‑Sallés,
Mikas Ilgūnas, Gediminas Valkiūnas, Herbert Weissenböck
Parasites & Vectors201912:282
Link: https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-019-3536-2 7

 

  

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