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VetmedTalk „Grüne Lungen“. Menschen und Tiere im Lebensraum Wald

VetmedTalk: Heute verstehen. Morgen verändern.

12. Dezember 2022 | 17:00–18:00 Uhr | Online auf vetmeduni.ac.at/vetmedtalk-wald

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht: Unzählige Details versperren den Blick aufs große Ganze. Mit diesem VetmedTalk will die Veterinärmedizinische Universität Wien gemeinsam mit den Expertinnen des Nationalpark Donauauen und der Österreichischen Bundesforste einen großen Überblick bieten über die Besonderheiten des Lebensraums Wald. Für eine gesunde Zukunft für Tier und Mensch brauchen wir jedenfalls einen gesunden Wald.

Österreich ist ein waldreiches Land: 3,5 Milliarden Bäume bedeckten fast 50 Prozent der Staatsfläche und bilden einen vielfältigen Lebensraum für unterschiedlichste Tiere. Hirsche und Hasen, Füchse und Igel, aber auch viele Vögel, Insekten, Amphibien und Reptilien machen die Wälder zu einem einmaligen Biotop. Der VetmedTalk „Grüne Lungen“ präsentiert dazu spannende Forschungsprojekte aus der Veterinärmedizin und untersucht, wie die Gesundheit der Tiere und die Gesundheit der Menschen über den Lebensraum Wald zusammenhängen.

Wälder sind für uns Menschen unverzichtbar. Sie produzieren Sauerstoff für unsere Luft, Holz für unsere Möbel, speichern unser Trinkwasser, verhindern Überschwemmungen und schützen vor Muren und Lawinen. Wir nutzen die „grünen Lungen“ in unserer Freizeit als Erholungsraum, als riesiger Kohlenstoffspeicher sind sie zudem ein wichtiges Instrument im Klimaschutz. Gleichzeitig ist der Wald ein Lebensraum für unzählige Tierarten, Flora und Fauna im Wald sind für eine gesunde Umwelt unverzichtbar. Dennoch nehmen wir Menschen durch Klimawandel und intensive Waldnutzung massiven Einfluss auf das Leben dieser Tierwelt.

Wie kann ein gedeihliches Zusammenleben von Mensch und Tier im Wald gelingen? Und was kann die Veterinärmedizin zu Klimaschutz und Biodiversität beitragen?

Die Vetmeduni legt 2022 einen Kommunikationsschwerpunkt auf „Leben an Land“, dem UNO-Nachhaltigkeitsziel Nr. 15, pro Quartal steht ein spezieller Lebensraum im Fokus. Den Anfang machte Luft, dann folgten Süßwasser und Wiese, den Abschluss bildet nun der Wald. Im letzten VetmedTalk des heurigen Jahres geht es um den Status quo unserer Waldbewohner und wie wir deren Lebensraum schützen können. Dazu stellen sich Wissenschaftskommunikator Bernhard Weingartner und seine Gäste den Fragen des Online-Publikums.

Expert:innen

  • Claudia Bieber, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Vetmeduni
  • Edith Klauser, Nationalpark Donauauen
  • Alexandra Wieshaider, Österreichische Bundesforste
  • Richard Zink, Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni

Moderation

  • Bernhard Weingartner, Wissenschaftskommunikator und Initiator des Science Slam Österreich

Stream

Live online streamen unter www.vetmeduni.ac.at/vetmedtalk-wald

 

2022-11-17

Das Sexleben von Laubenvögeln

Für schwächere Männchen kann es sich auszahlen, sich zusammenzuschließen

Männliche Gefleckte Laubenvögel (Ptilonorhynchus maculatus) bauen und verteidigen eine Struktur aus Stöcken und Stroh – die Laube. Diese Nester schmücken sie mit bunten Gegenständen, um während der Brutzeit Partnerinnen anzulocken. Bestimmte ortsfremde, untergeordnete Männchen werden von ansässigen Männchen in ihren Lauben über mehrere Brutzeiten toleriert. Frühere Untersuchungen zeigten, dass diese „Männchen-Banden“ untergeordneten Männchen indirekte Vorteile bringen. Bisher war jedoch unklar, ob rangniedrigere Männchen auch direkte Vorteile haben. Eine aktuelle Studie des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni zeigt nun erstmals, dass in seltenen Fällen die rangniedrigeren Vögel direkt durch Kopulationen profitieren.

Die Studie dokumentiert vier Fälle von heimlichen Paarungen bzw. Paarungsversuchen von untergeordneten Männchen. Die Fälle wurden in den Lauben von Gefleckten Laubenvögeln während der Brutsaison 2018 beobachtet. Mehrere gebietsfremde Männchen störten die laufenden Kopulationen zwischen dem Laubenbesitzer und einem empfänglichen Weibchen, und diesen Ereignissen folgten heftige aggressive Interaktionen. „Diese Beobachtungen werfen ein neues Licht auf die gleichgeschlechtliche soziale Dynamik bei Laubenvögeln und stützen die Hypothese, dass untergeordnete Männchen geschlechtsreife Individuen sind, die gelegentlich Zugang zu Weibchen erhalten, während sie etablierte Lauben besuchen“, so Studien-Erstautor Giovanni Spezie vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni.

Erstmalige Beobachtung extrem seltener Ereignisse

Die Seltenheit der nun beobachteten Ereignisse ist bemerkenswert. Bei Gefleckten Laubenvögeln werden umfangreiche Beobachtungen bereits seit mehreren Jahrzehnten durchgeführt – doch bisher konnte keines der nun beobachteten Kopulationsereignisse dokumentiert werden. Dazu Studien-Letztautor Leonida Fusani vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni: „Dass wir mindestens vier unabhängige Beobachtungen bei verschiedenen Individuen aufzeichnen konnten, weist stark darauf hin, dass hinterhältige Kopulationen kein isoliertes und abnormales Verhalten sind. Vielmehr handelt es sich um ein Verhaltensmuster oder eine alternative Fortpflanzungsstrategie von untergeordneten Männchen.“

Beta profitiert von Alpha – Koalitionen von Männchen zum eigenen Vorteil nützen

Männchen-Koalitionen wurden bisher insbesondere bei Vögeln wie Manakins, Moorhühnern, Pfauen, Wildtruthähnen und Laubenvögeln beobachtet. Ein gemeinsames Merkmal der meisten Balzkoalitionen ist, dass auf ein dominantes „Alpha“-Männchen alle oder die meisten Kopulationen entfallen, während untergeordnete „Beta“-Männchen auf die Fortpflanzung verzichten und keinen – oder nur sehr begrenzten – Zugang zu Partnerinnen erhalten. Das Opfern des Fortpflanzungspotentials für einen Männerbund mag paradox erscheinen, hat aber direkte und indirekte Vorteile für die untergeordneten Männchen. Indirekt profitieren die Tiere beispielsweise davon, dass sie die Stellung des Alpha-Männchens nach dessen Tod übernehmen oder von diesem für den Paarungserfolg wichtige Verhaltensformen lernen. Direkte Vorteile ziehen sie aus heimlichen Paarungen mit Weibchen.

Der Artikel „Sneaky copulations by subordinate males suggest direct fitness benefits from male-male associations in spotted bowerbirds (Ptilonorhynchus maculatus)“ von Giovanni Spezie und Leonida Fusani wurde in „Ethology“ veröffentlicht.
 

Wissenschaftlicher Artikel

 

2022-11-30

Gehirngröße bei Vögeln messen: Welche Parameter eignen sich am besten?

Bedeuten größere Köpfe auch größere Gehirne? Die Untersuchung der Gehirngröße (als Indikator für kognitive Fähigkeiten) gestaltet sich bei Wildtieren generell als schwierig, und Wissenschaftler:innen haben versucht, Wege zu finden, um die Gehirngröße zu messen, ohne den Tieren dabei zu schaden. In der Vergangenheit wurde die Kopfgröße als Indikator verwendet, um auf die Gehirngröße zu schließen. Dies scheint für einige Arten zu funktionieren – aber nicht für alle. Anhand einer Studie an Wachteln von Forschenden des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Vetmeduni und der Poznań Universität für Lebenswissenschaften, Polen, fand man heraus, dass die Kopfhöhe und nicht das Gesamtkopfvolumen ein besserer Indikator für die Gehirngröße sein könnte. Dabei muss jede Vogelart allerdings gesondert bewertet werden.

Die Fähigkeit des Gehirns, kognitive Prozesse zu verarbeiten, hängt zumindest teilweise von der Masse des beteiligten Nervengewebes ab – je mehr Gewebe, desto mehr Informationen können verarbeitet werden. Tatsächlich finden Studien oft eine positive Beziehung zwischen Gehirngröße und kognitiver Leistung. Die meisten dieser Studien basieren jedoch auf Vergleichen zwischen verschiedenen Arten. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftler:innen versucht nun zu verstehen, wie subtilere Unterschiede zwischen Individuen derselben Art mit ihren kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen, was oft eine große Herausforderung bei der Untersuchung von Tieren in der Natur darstellt. Dazu benötigen die Forschenden Techniken, die den natürlichen Lebenszyklus von Wildvögeln nicht unterbrechen.

Eine erste Studie über Rauchschwalben schlug vor, externe Kopfmessungen als genaue Annäherung an die Gehirnmasse zu verwenden, da solche Messungen zwar die Handhabung der Vögel erfordern, aber nicht das Opfer individueller Tiere.

Ein Forschungsteam des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Vetmeduni hat diese Methode zusammen mit Forscher:innen der Universität Poznań, Polen, erstmals bei der gemeinen Wachtel, angewendet. Sie maßen sowohl die äußeren Kopfmaße der Vögel als auch das Gewicht ihres Gehirns und prüften, inwiefern diese beiden Messungen miteinander in Beziehung stehen.

Kopfhöhe ist ausschlaggebend

Obwohl die Wissenschaftler:innen feststellten, dass diese Messungen korrelierten, waren die Korrelationswerte nicht sehr stark. Das bedeutet, dass externe Kopfmessungen nicht wirklich zuverlässig verwendet werden können, um die Gehirnmasse eines Individuums vorherzusagen. Stattdessen war der beste Prädiktor für die Gehirnmasse nicht das Kopfvolumen an sich, wie zuvor bei Rauchschwalben gezeigt wurde, sondern allein die Höhe des Kopfes.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Modell, das den höchsten Varianzanteil der Hirnmasse erklärt, nur eine Kopfmessung enthielt, die Kopfhöhe“, sagt Valeria Marasco (KLIVV), eine der beiden Erstautorinnen der Studie. „Trotzdem erklärte dieses Maß bei unserer Studienart, der Gemeinen Wachtel, nur einen kleinen Teil der Varianz der Gehirnmasse verschiedener Vögel. Studien an anderen Arten haben einen viel signifikanteren Effekt der einen oder anderen Variablen festgestellt.“

Es ist daher wahrscheinlich, dass auch andere Faktoren die Variation erklären. „Beispielsweise könnte die durchschnittliche Schnabellänge bei verschiedenen Arten die Kopfmaße beeinflussen“, sagt Joanna Białas (Universität Poznań), Mitautorin der Studie. Interessanterweise stand die Gehirngröße überhaupt nicht im Zusammenhang mit der Körpermasse oder der Länge des Vogels insgesamt. Die Gehirngröße hat sich aus anderen Aspekten der Morphologie eines Tieres entwickelt.

Die Forscher:innen empfehlen, die ursprüngliche Methode der externen Kopfmessungen bei jeder Vogelart zu validieren, bevor Annahmen darüber getroffen werden, wie diese Messungen mit der Gehirngröße und der kognitiven Leistung zusammenhängen könnten. Weitere Studien über verschiedene Vogelarten sind ebenfalls erforderlich, um mögliche Beziehungen zwischen der relativen Gehirngröße, Körperparametern und dem Geschlecht aufzuklären.

 

Der Artikel “Are external head measurements a reliable predictor of brain size in the Common Quail (Coturnix coturnix)?” von Joanna T. Białas, Valeria Marasco, Leonida Fusani, Gianni Pola und Marcin Tobółka wurde in der Zeitschrift Canadian Journal of Zoology veröffentlicht.

Wissenschaftliche Arbeit

In Sicherheit bei Mama

Der Stress einer Mutter während der Schwangerschaft kann bei vielen Arten die physiologischen und verhaltensbezogenen individuellen Merkmale ihrer Nachkommen beeinflussen. Die Umgebung und die Pflege des Nachwuchses nach der Geburt können diese Eigenschaften jedoch modulieren. Es gibt viele Studien über die Auswirkungen der mütterlichen Fürsorge bei Säugetierarten, aber überraschend wenig Forschung über die gleiche Wirkung bei Vogelarten.

Ein internationales Team von Wissenschaftler:innen untersuchte, inwieweit pränataler mütterlicher Stress bei japanischen Wachteln (Coturnix japonica) und die damit verbundene emotionale Reaktion durch die Anwesenheit einer Adoptivmutter während der Entwicklung der Küken moduliert werden kann. Für diese experimentelle Studie beobachteten sie Küken, deren Mütter während des Legens und der Eiproduktion ein sozial instabiles Umfeld erlebt hatten, da bekannt ist, dass soziale Instabilität während der Eiablage und des Brütens die emotionale Reaktivität des Nachwuchses der Mütter erhöht.

Um den Effekt der Anwesendheit der Mutter zu beurteilen, zogen die Forscher die Küken entweder mit oder ohne Adoptivmutter auf. Sie fanden heraus, dass Küken, die bei einer Mutter aufgewachsen waren, weniger ängstlich waren, zum Beispiel in der Nähe von neuen Gegenständen oder wenn sie von ihren Artgenossen getrennt wurden.

Diese Ergebnisse unterstreichen deutlich die grundlegende Bedeutung der Anwesenheit einer Mutter bei der Modulation von Stressereignissen vor und nach der Geburt, selbst bei vorsozialen Arten wie Wachteln (bei welchen die Jungen vom Moment der Geburt oder des Schlüpfens an relativ reif und mobil sind). Es könnte ein Schlüsselmechanismus sein, der die phänotypische Plastizität (d. h. alle Arten umweltbedingter Veränderungen) in Wildpopulationen antreibt.

Der Artikel „The presence of a mother counteracts prenatal stress in a precocial bird“ von C. Houdelier, M. Charrier, O. Le Bot, N. Aigueperse, V. Marasco und S. Lumineau wurde in Animal Behaviour veröffentlicht.

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2022-10-27

Feine Nase: Singvögel riechen, wohin sie fliegen

Augen, Nase oder beides? Wie Vögel den Weg zurück zu einer Futterstelle finden, untersuchte ein Forschungsteam des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni in einer aktuellen Studie. Anhand von Kohlmeisen konnten die Forscher:innen nachweisen, dass der Geruchssinn ein wesentliches Instrument ist, um sich in vertrauter Umgebung zurecht zu finden. Die neuen Erkenntnisse unterstreichen, dass auch bei Vögeln der Geruchssinn wichtiger für die Orientierung ist als bisher angenommen.

Die Kohlmeise (Parus major) ist eine weit verbreitete Singvogelart, die im Winter ein gern gesehener Gast an den heimischen Futterstellen ist. Daher steht diese im Mittelpunkt einer soeben veröffentlichten Studie, in der ein Team aus Wissenschafter:innen prüfte, ob Kohlmeisen Gerüche aus der Umwelt nutzen, um an Futterstellen zurückzufinden. Um dieser Frage nachzugehen, wurden einige Vögel gefangen. Bei der Hälfte der Tiere wurde der Geruchssinn kurzfristig mittels Zinksulfat gedämpft. Danach ließen die Forscher:innen einen Teil der Vögel in unmittelbarer Nähe – einen anderer Teil der Tiere in einer Distanz von 1.5 km wieder aus.

Kohlmeisen mit Geruchssinn kommen rascher heim

Sowohl die Kohlmeisen mit reduziertem Geruchssinn, als auch solche mit normalem Geruchssinn fanden zu den Futterstellen zurück. „Dieses Ergebnis hat uns zunächst nicht überrascht, da wir die Tiere bewusst innerhalb ihrer vertrauten Umgebung wieder ausgelassen haben,“ erklärt Studien-Erstautorin Katharina Mahr vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni. „Interessant ist allerdings, dass Vögel mit vermindertem Geruchssinn deutlich mehr Zeit benötigten, um zurückzukehren. Dieser Effekt kommt besonders zur Geltung, als die Vögel in größerer Entfernung ausgesetzt wurden. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass Gerüche in einer vertrauten Umgebung trotz visueller Anhaltspunkte als wichtige Informationsquelle zur Orientierung dienen“.  

Gute Nasen machen Nahrungssuche effizienter

Bestimmte Gerüche in der vertrauten Umgebung könnten laut den Forscher:innen als zuverlässige Informationsquelle dienen, um sich zu orientieren. „Ursprünglich wurden ähnliche Ergebnisse bereits bei Zugvögeln erlangt. Aber insbesondere für Arten wie Kohlmeisen, die im Winter oft in den Brutgebieten bleiben, könnte die Orientierung und Navigation mittels Geruchs helfen, die Nahrungssuche in Zeiten mit wenig Futterangebot, also beispielsweise im Winter, zu optimieren“, so Studien-Letztautor Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni. Laut Hoi unterstreichen die Ergebnisse der Studie nachdrücklich, dass der Geruchssinn für die Orientierung von Vogelarten von größerer Bedeutung sein könnte, als bisher angenommen und zum Verständnis der funktionellen Zusammenhänge des Geruchs im Leben von Vögeln beiträgt.

Die Chemie der Luft

In der Luft befindliche chemische Stoffe sind für viele Lebewesen sensorische Hinweise und ihre Verwendung bei der Navigation könnte einer der wichtigsten evolutionären Mechanismen sein, die die Entwicklung des Geruchssinns bei Tieren erklären. Ob Vögel die in der Luft enthaltenen chemischen Verbindungen zur Orientierung nützen, bleibt trotz solider Beweise für die Bedeutung des Geruchssinns im Vogelleben – etwa bei Nahrungssuche oder Paarung – umstritten. Gerade Singvögel sind trotz ihrer bemerkenswerten Orientierungsfähigkeit bislang wenig erforscht.

Der Artikel „Songbirds use scent cues to relocate to feeding sites after displacement: An experiment in great tits (Parus major)“ von Katharina Mahr, Linda Nowack, Felix Knauer und Herbert Hoi wurde in „Frontiers in Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

 

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2022-09-09

Gemeinsam sind wir stark – Balz-Koalitionen bei Laubenvögeln

Bei vielen Tierarten gibt es eine starke Konkurrenz zwischen Männchen auf der Suche nach einer willigen Partnerin. Aus diesem Grund haben sich aufwändige Balzrituale entwickelt, insbesondere bei vielen Vogelarten, die oft Tänze aufführen, die ihre Stärke und Schönheit zeigen sollen. Im Fall von Laubenvögeln bauen die Männchen sogar eine besondere „Bühne“, um Weibchen zu bezaubern. Aber trotz des starken Selektionsdrucks, der dem Wettbewerb um Partner innewohnt, akzeptieren die Männchen bei einigen Arten gleichgeschlechtliche Besucher in ihren "Lauben".

Laubenvögel führen Balztänze auf kunstvollen Ausstellungsbauten – sogenannten Lauben – auf, die von einem ansässigen Männchen gebaut und verteidigt werden. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass Laubenbesitzer die Anwesenheit sogenannter „untergeordneter“ männlicher Besucher in ihren Ausstellungshallen tolerieren, obwohl deren Rolle bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Es wurde vermutet, dass untergeordnete Männchen die für eine erfolgreiche sexuelle Signalisierung erforderlichen Fähigkeiten durch längere soziale Interaktionen in den Arenen der dominanten Männchen erlernen könnten, aber es bleibt unklar, ob sich deren Balzfähigkeiten mit solcher Erfahrung verbessern. Es könnte auch sein, dass untergeordnete Männchen aktiv dazu beitragen, den Paarungserfolg des ansässigen Männchens zu verbessern. Dies war bis jetzt jedoch nur Spekulation.

Wissenschaftler:innen des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni und der Universität Wien untersuchten in einer Studie Männchen-Assoziationen bei freilebenden Laubenvögeln (Ptilonorhynchus maculatus). Sie versuchten zunächst festzustellen, ob sich das Balzverhalten je nach Status des Laubenbesitzers unterscheidet. Sie untersuchten dann, ob soziale Interaktionen zwischen Laubenbesitzern und untergeordneten Männchen als Balzkoalitionen gelten können. 

Rudimentäre Balzkoalitionen

Ihre Analyse ergab keine Unterschiede zwischen untergeordneten Männchen und Laubenbesitzern in Bezug auf spezifische Parameter der Balz wie Verhaltensflexibilität, aber die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass Männchen-Assoziationen bei Laubenvögeln tatsächlich ein Beispiel für rudimentäre Balzkoalitionen sein könnten. Die untergeordneten Männchen könnten tatsächlich dem Laubenbesitzer helfen, auch wenn sie sich nicht kooperativ zur Schau stellen oder die Arena aktiv vor der Zerstörung durch benachbarte Plünderer verteidigen. Durch ihre bloße zahlenmäßige Stärke, könnten sie andere Männchen von Versuchen abhalten, die Arenen von Konkurrenten zu zerstören. Das Ausmaß der untergeordneten Anwesenheit korrelierte nämlich mit dem Paarungserfolg der männlichen Laubenbesitzer (gemessen an der Anzahl der Kopulationen).

Die Forscher fanden auch heraus, dass männliche Koalitionen in den Folgejahren stabil bleiben. Die Ergebnisse weisen auf die Möglichkeit hin, dass untergeordnete Männchen dieser Art möglicherweise nicht im Rahmen einer Form von "Training" mit Laubenbesitzern in Kontakt treten, sondern andere Vorteile aus dem Aufbau langfristiger Koalitionen mit ihnen ziehen könnten. Eine Hypothese ist, dass die Sättigung geeigneter Balzplätze geschlechtsreife untergeordnete Männchen dazu zwingen könnte, sich hinten „anzustellen“, um später das Eigentum von etablierten Arenen zu erlangen, wenn diese einmal verfügbar werden. Darüber hinaus könnten die männlichen Partnerschaften es untergeordneten Männchen ermöglichen, Dominanzhierarchien mit umgebenden Männchen aufzubauen und soziale Kompetenz zu erlangen.

In der Studie beobachteten die Forscher auch einige Vorkommnisse von untergeordneten Männchen, die kopulierten oder dies versuchten. Daher könnten untergeordnete Männchen auch direkte Fitnessvorteile aus solchen Balzkoalitionen ziehen – nämlich gelegentlichen Zugang zu Weibchen.

Diese Studie liefert neue Informationen über die soziale Dynamik unter männlichen Laubenvögeln und weitere Einblicke in die Entwicklung des Koalitionsverhaltens bei männlichen Darstellungen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um beispielsweise herauszufinden, wie diese Koalitionen gebildet werden und ob untergeordnete Männchen ihr Vorbild selektiv auswählen oder ob Laubenbesitzer einige untergeordnete Männchen tolerieren und andere verjagen.

Der Artikel “Male–male associations in spotted bowerbirds (Ptilonorhynchus maculatus) exhibit attributes of courtship coalitions” von Giovanni Spezie und Leonida Fusani wurde in Behavioral Ecology and Sociobiology veröffentlicht.

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2022-08-29

Süßer Baumsaft, herzhafte Ameisen

Spechte erkennen Süßes, doch einer von ihnen - der auf Ameisen spezialisierte Wendehals - hat die Fähigkeit, Zucker zu schmecken, wieder verloren

Viele Säugetiere mögen Süßes. Vögel haben jedoch ihren Süß-Rezeptor im Laufe der Evolution verloren. Kolibris und Singvögel funktionierten darauf unabhängig voneinander ihren Umami-Geschmacksrezeptor um, um Zucker zu schmecken. Wie aber nehmen andere Vögel Süßes wahr? Nun zeigt ein internationales Forschungsteam, dass auch Spechte Süßes schmecken können. Spannenderweise verloren die auf Ameisen spezialisierten Wendehälse diese Fähigkeit durch eine einfache Veränderung ihres Rezeptors wieder. Der neuartige Mechanismus zur Umkehrung sensorischer Fähigkeiten zeigt, wie Sinnessysteme sich an die Ernährung von Arten anpassen können.

Vögeln, den Nachfahren fleischfressender Dinosaurier, fehlt ein Teil des Süß-Rezeptors, der bei Säugetieren zu finden ist. Dadurch sollten sie Zucker nicht schmecken können. Jüngste Studien haben jedoch gezeigt, dass sowohl Kolibris als auch Singvögel die Fähigkeit, Zucker wahrzunehmen, wiedererlangt haben: Durch Umfunktionieren des Geschmacksrezeptors für Umami können sie nun Kohlenhydrate in Früchten und Nektar erkennen. Wie andere Vogelarten Zucker wahrnehmen und inwieweit die Geschmacksrezeptoren die immense Nahrungsdiversität der Vögel widerspiegeln, ist unklar. Um dieser Frage nachzugehen, konzentrierten sich Julia Cramer und Maude Baldwin von der Forschungsgruppe Evolution Sensorischer Systeme des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz (in Gründung) und Kolleg*innen von der Cornell University, vom Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veteriniärmedizinischen Universität Wien, der Universität Wien, der Meiji University und der Swedish University of Agricultural Science auf Spechte. Obwohl diese Vögel in erster Linie Insektenfresser sind, gibt es unter ihnen auch mehrere Arten, die sich von zuckerreichen Baumsäften, Nektar und Früchten ernähren.

Mit Hilfe von Verhaltenstests mit Wildvögeln zeigte Baldwins Gruppe, dass Spechte Zucker und Aminosäuren gegenüber Wasser eindeutig bevorzugen. Überraschenderweise zeigten Wendehälse – Mitglieder der Spechtgruppe, deren Nahrung fast ausschließlich aus Ameisen besteht – eine Vorliebe für Aminosäuren, aber nicht für Zucker. „Wir haben uns daher gefragt, ob sich die beobachtete Vorliebe für Zucker auch auf Ebene der Rezeptoren der Vögel widerspiegelt“, berichtet Maude Baldwin.

Funktionsanalysen der Geschmacksrezeptoren bestätigten, dass die Rezeptoren von Spechten auf Zucker reagieren, die von Wendehälsen hingegen nicht. Interessanterweise deutete die Rekonstruktion von Rezeptoren ihrer Vorfahren darauf hin, dass der gemeinsame Urahn von Wendehals und Specht bereits einen modifizierten Umami-Rezeptor besaß, der Zucker erkennen konnte. „Dies belegt einen dritten Fall der unabhängigen Evolution des Zucker-Schmeckens durch Modifikation des Umami-Rezeptors bei Vögeln“, erklärt Julia Cramer, Erstautorin der Studie. „Noch spannender war jedoch die Tatsache, dass Wendehälse diese neue Funktion des Rezeptors dann wieder verloren haben.“

Cramers akribische Analyse der Unterschiede zwischen den Rezeptoren von Wendehals und Specht ergab Überraschendes: Die Veränderungen an nur einer einzigen Aminosäureposition im Wendehals-Rezeptor konnte die Zuckerwahrnehmung selektiv ausschalten. Die Vögel behielten dabei jedoch ihre Fähigkeit, Aminosäuren zu schmecken. Dies ist für Vögel, die sich auf proteinreiche Insekten als Nahrung spezialisiert haben, vermutlich wichtig.

Die Ergebnisse zeichnen eine spannende Evolutionsgeschichte nach: Spechte, oder vielleicht bereits einer ihrer Vorfahren der älter ist als die Spechte selbst, entwickelten schon früh die Fähigkeit, Zucker wahrzunehmen. Diese Veränderung wurde daraufhin zum Teil wieder umgekehrt, als der Wendehals-Rezeptor die Reaktion auf Süßes wieder verlor. „Wir waren sehr überrascht, dass diese Umkehrung durch die Veränderung nur einer einzelnen Aminosäure verursacht wird, die als selektiver molekularer Schalter für die Wahrnehmung von Zuckern bei Wendehälsen dient“, erzählt Cramer. „Offensichtlich führt diese kleine Veränderung dazu, dass Wendehälse Zucker in ihrer Nahrung nun nicht mehr erkennen können. Die Fähigkeit des Rezeptors, Informationen über den jeweiligen Aminosäuregehalt zu sammeln, blieb jedoch erhalten. Das macht auch Sinn, wenn der größte Teil der Nahrung aus Ameisen besteht.“

Weitere Untersuchungen können zeigen, wie bestimmte Veränderungen in den Geschmacksrezeptoren und in anderen physiologischen und sensorischen Systemen mit der großen Nahrungsvielfalt bei Vögeln zusammenhängen.

Der Artikel "A single residue confers selective loss of sugar sensing in wrynecks" von Julia F. Cramer, Eliot T. Miller, Meng-Ching Ko, Qiaoyi Liang, Glenn Cockburn, Tomoya Nakagita, Massimiliano Cardinale, Leonida Fusani, Yasuka Toda, Maude W. Baldwin wurden in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht.

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2022-08-18

Sakerfalken-„Kinderzimmer“ auf Strommasten*

Seit mehr als zehn Jahren bieten Strommasten Sakerfalken nicht nur einen Lebensraum, sondern auch einen Ort, an dem ihre Jungen gefahrlos heranwachsen können. 

Die in den 1970er Jahren in Österreich nahezu ausgestorbene Art hat sich, unter anderem seit es das APG-Kooperationsprojekt mit BirdLife Österreich und der Österreichischen Vogelwarte an der Veterinärmedizinischen Universität Wien gibt, wieder deutlich erholt. „Die insgesamt 130 Nistkästen, die an APG Strommasten vor allem im nördlichen Burgenland, Niederösterreich und Wien angebracht wurden, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei den Falken. Wir haben heuer rund 40 Brutpaare in den Nistkästen beobachtet“, sagt Stefan Walehrach, Pressesprecher der APG. 

Jährliche Beringung des Vogelnachwuchses

Traditionell steht in der ersten Jahreshälfte – sobald die Jungvögel ihre dritte Lebenswoche erreicht haben und kurz danach flügge werden – eine standardmäßige Beringung an. „Diese Maßnahme hilft uns dabei, dass wir die Population nicht aus den Augen verlieren und wertvolle Daten über die Flugrouten der Falken gewinnen“, erklärt Richard Zink, Wildtierökologe der Österreichischen Vogelwarte an der Vetmeduni in Wien.

Der Sakerfalke ist eine Vogelart, die selbst keine Nester baut und somit auf hoch gelegene sowie ruhige Plätze angewiesen ist. Zwei Voraussetzungen, die durch Nisthilfen auf Strommasten erfüllt werden. Fehlen in der Landschaft hohe alte Bäume zum Nisten, bieten Strommaste eine gute Alternative. „Die Kooperation zeigt enorme Erfolge, mit denen man eigentlich nie gerechnet hätte. Mittlerweile genießt das Projekt international hohes Ansehen“, freut sich Richard Zink. Auch die EVN Tochter Netz NÖ hat sich dem Projekt angeschlossen. „Es ist natürlich besonders schön, wenn unsere Leitungsprojekte Hand in Hand mit dem Natur- und Artenschutz gehen, wie es beim Sakerfalken der Fall ist“, sagt Michael Kovarik, Pressesprecher der Netz NÖ.

Stromnetze sichern nicht nur die Stromversorgung, sondern liefern Beitrag für Naturschutz

Seit mehr als 25 Jahren setzt die APG, die für die sichere Stromversorgung Österreichs verantwortlich ist sowie eine zentrale Rolle bei der sicheren Transformation des Energiesystems inne hat, mit gezieltem Habitatmanagement in der Umgebung und entlang der Strominfrastruktur ein Zeichen für Biodiversität im Sinne von Naturschutz, Artenvielfalt bzw. Schutz von Fauna und Flora.

Bereiche entlang der APG-Netzinfrastruktur tragen dazu bei, gefährdeten Tierarten einen Lebensraum zu bieten sowie die Artenvielfalt der Flora zu unterstützen. Zentrale Aspekte dabei sind:

  • Die Gestaltung einer naturverträglichen Energiewende
  • Ausgleichsmaßnahmen vor allem für gefährdete Tier- und Pflanzenarten
  • Ökologisches Trassenmanagement im Regelbetrieb und unter spezifischen raumwidmerischen Rahmenbedingungen (u.a. Auenlandschaften, Naturschutzzonen)
  • Förderung naturnaher Nisthilfen

Die Strominfrastruktur der APG versorgt Generationen von Menschen in Österreich mit sicherem Strom. Diese Generationenverantwortung übernehmen wir auch im Bereich des nachhaltigen Naturschutzes.
 

*Presseinformation APG, 11.08.2022

 

Über das Sakerfalken-Projekt der Vetmeduni:
Seit dem Jahr 2010 erhebt die Österreichische Vogelwarte (AOC) gemeinsam mit BirdLife Österreich regelmäßig zur Brutzeit die Bestände der heimischen Sakerfalken. Während das AOC sich auf die künstlich geschaffenen Niststandorte auf den Hochspannungsmasten konzentriert, übernimmt BirdLife insbesondere die Kontrolle jener Standorte, die sich für natürliche Bruten eignen. Auf diese Weise bilden AOC und BirdLife eine starke Partnerschaft für den Saker in Österreich. Gemeinsam gewährleisten sie, dass die Bestände im gesamten Österreichischen Verbreitungsgebiet genau im Auge behalten werden.


Video: Sakerfalken-"Kinderzimmer" auf Strommasten

Die perfekte Welle – wie Waldrappe beim Fliegen Energie sparen

Viele Vögel nützen zur Fortbewegung den Wellenflug. Phasen mit schnellen Flügelschlägen, bei denen die Vögel an Höhe gewinnen, wechseln sich mit Gleitphasen ab. Ein von der Vetmeduni (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna sowie Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensorschung) geleitetes Forschungsteam – in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Waldrappteam in Mutters (Tirol), der ETH Zürich, der Universität Wien und der Vetsuisse in Bern – wies nun anhand von Daten aus GPS-Sendern erstmalig nach, dass Waldrappe mit dieser Flugtechnik ihren Energiebedarf deutlich senken.

Vögel haben während ihres Fluges einen außergewöhnlich hohen Energiebedarf. Ein sichtbares Flug-Merkmal mancher Arten ist der Wechsel zwischen Flattern und Gleiten, wodurch sie Energie sparen sollen. Empirische Belege für einen energetischen Nutzen gab es bisher jedoch nicht. Um das zu ändern, statteten die Forscher:innen vom Menschen aufgezogene Waldrappe (Geronticus eremita) für ihre Wanderungsbewegung mit GPS-Datenloggern aus. Die Wissenschafter:innen überwachten damit die Position der Vögel, die Flügelschläge, die dynamische Gesamtkörperbeschleunigung und die Herzfrequenz als Maßgröße für den Energieverbrauch.

Der Waldrapp ist ein etwa gänsegroßer Ibis und war einst in Europa ein häufig verbreiteter Vogel. Durch intensive Bejagung starb er jedoch in Mitteleuropa im 17. Jahrhundert aus. Im Rahmen des Europäischen LIFE+EU-Projektes, das unter anderem vom WWF unterstützt wird, soll der Waldrapp wieder als echter Zugvogel in Mitteleuropa, Spanien und Italien angesiedelt werden.

Der Artikel „Empirical Evidence for Energy Efficiency Using Intermittent Gliding Flight in Northern Bald Ibises“ von Ortal Mizrahy-Rewald, Elisa Perinot, Johannes Fritz, Alexei L. Vyssotski, Leonida Fusani, Bernhard Voelkl und Thomas Ruf wurde in „Frontiers in Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

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2022-07-07

 

Naturschatz im Weingarten: Steinkauzknachwuchs bei Ulzer

Dank des Projekts der Österreichischen Vogelwarte (Vetmeduni/Uni Wien) in der AOC Außenstelle Seebarn gibt es nun Steinkauz Nachwuchs im Weingarten der Winzer Ulzer. Der Steinkauz ist eine streng geschützte Vogelart, dessen Population schon stark dezimiert war. In Seebarn gibt es mittlerweile in der Region Schmidatal-Pulkautal-Wagram-Kremstal wieder rund 50 Steinkauzpaare, auch dank der Nistkästen die im Weingarten der Familie Ulzer in Zusammenarbeit mit dem Ornithologen Dr. Richard Zink von der österreichischen Vogelwarte aufgestellt wurden.

In einem der Nistkästen fand der Forscher sogar sechs Küken, obwohl Steinkäuze normalerweise zwischen zwei und vier Jungvögel aufziehen. Die Seebarner Winzer Andreas und Michael Ulzer haben sich mit bereits elf Nistkästen im Weingarten an dem Steinkauzprojekt beteiligt, und auch in ihrer Weingartenhütte haben sich bereits Steinkauzpaare eingenistet.  Ihren Stolz auf dieses Projekt bezeugen die Winzer sogar mit einem eigens dafür kreierten Wein: dem Steinkauzwein Athene (Grüner Veltliner), der im Weingarten bei der Hütte wächst.

Richard Zink hofft nun auf die Beteiligung zusätzlicher Weinbauern in der Region für das Schutzprojekt. Immerhin haben auch die Winzer etwas davon: Steinkäuze fressen ein bis zwei Mäuse pro Tag, und auch Weinschädlinge wie Maikäfer und größere Insekten.

Mehr über das Steinkauzprojekt

2022-06-20

Monitoring der Gartenvögel Niederösterreichs in der Garten Tulln

An 12 Terminen werden am Standort Die Garten Tulln Singvögel im Rahmen eines Monitoringprojektes gefangen, beringt und vermessen. Prof. Leonida Fusani (Universität Wien/Vetmeduni Vienna) und seine Mitarbeiterin Petra Pesak, MSc (Universität Wien) konnten dank finanzieller Unterstützung des Landes Niederösterreich und gemeinsam mit den Kooperationspartnern Die Garten Tulln und dem Biodiversitätshub der Donau-Uni Krems die Projektidee „Gartenvögel Niederösterreich“ realisieren. Die Untersuchungen zielen darauf ab, die Auswirkungen von Klimaveränderungen und der veränderten Kulturlandschaften auf die Vogelwelt besser zu verstehen. Durch die Beringung bzw. den Fang und Wiederfang individuell markierter Vögel können die Ornitholog:innen Rückschlüsse auf Artenvielfalt und Bestandsveränderungen ziehen. Darüber hinaus soll die neue Initiative auch das Bewusstsein der Bevölkerung zur ökologischen Bedeutung des Gartens stärken und hautnahe Einblicke in eine wissenschaftliche Methode gewähren.

Besucher:innen der Garten Tulln können daher an folgenden Terminen jeweils zur vollen Stunde bei der Vogelberingung zusehen: 02.06., 14.06., 22.06., 30.06., 13.07., 22.07., 03.08., 11.08. und 24.08.

2022-05-30

Beflügelt am Tag der offenen Tür

Am Samstag, 21.5. fand nach einer Corona-bedingten Pause endlich wieder der Tag der offenen Tür der Veterinärmedizinischen Universität Wien statt. Forscher:innen und Tierärzt:innen präsentierten einer breiten Öffentlichkeit mit vielfältigen Herzeige- und Mitmachstationen die Themen ihrer Arbeit. Auch das Team der Österreichischen Vogelwarte war wieder vertreten und weckte bei den Besucher:innen großes Interesse. Richard Zink, der Leiter der Außenstelle Seebarn der Vogelwarte präsentierte gemeinsam mit Elena Kmetova-Biro verschiedene Nistkästen für verschiedene Eulenarten und erzählte von unseren Bemühungen, unsere gefiederten Mitbewohner zu schützen. Herbert Hoi, Ornithologe am KLIVV präsentierte ebenfalls interessante Informationen zum Brutverhalten und Lebensraum verschiedener heimischer Vögel und anderer Tierarten.

Insgesamt haben 2.700 Menschen den Vetmeduni Campus besucht und sich über die vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten unserer Universität informiert.

Der Tag der offenen Tür war somit wieder ein wichtiger Beitrag zu unserem Auftrag, das durch unsere Forschung gewonnene Wissen auch über die Lehre hinaus in die Gesellschaft zu tragen.

2022-05-23

Wertvolle Lebensräume: Vögel sind echte Bahn-Fans

Auch aufgelassen und ungenützt schlägt die Bahn die Straße ökologisch deutlich. Das zeigt eine soeben in „Agriculture, Ecosystems and Environment“ veröffentlichte polnisch-österreichische Studie unter Leitung von Marcin Tobolka des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni, die aufgelassene Bahnstrecken hinsichtlich ihrer Qualität als Habitat für Vögel untersuchte. Vögel finden hier einen attraktiven Lebensraum vor, der vielfältige Möglichkeiten bietet und eine beachtliche Biodiversität aufweist. Von großer Relevanz ist dieser Lebensraum vor allem dort, wo Vögel aufgrund intensiver Landwirtschaft aus ihren angestammten Habitaten vertrieben werden.

Im Rahmen ihres ganzjährigen Untersuchungszeitraum erfassten die Wissenschafter 9678 Individuen von 99 Vogelarten. An aufgelassenen Eisenbahnstrecken wurden 4614 Vögel aus 80 unterschiedlichen Arten gezählt, entlang von unbefestigten Straßen in Ackerbaugebieten waren es immerhin noch 3124 Individuen von 73 Arten, während auf Feldern nur 1940 Vögel aus 60 Arten gefunden wurden. 

Da solche Strukturen ein hohes Potenzial als alternative Lebensräume besitzen und für den Naturschutz von Vorteil sind, sollten diese im Rahmen von Landschaftsplanungsprogrammen berücksichtigt werden. Ungenutzte Eisenbahnstrecken können als eines von mehreren Instrumenten zur Minderung des Verlusts der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden, was laut den Studienautoren auch eines der Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union ist.

Der Artikel „Unused railway lines as a contributor to bird abundance, species richness and diversity in intensively managed farmland“ von Łukasz Dylewski und Marcin Tobolka wurde in „Agriculture, Ecosystems and Environment“ veröffentlicht.

Die Studie wurde vom National Science Center (Poland) unterstützt; Projekt 2016/21/N/NZ8/01289

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2022-05-03

Was das Wetter bringt, bestimmt das Leben von Wiedehopf-Küken

Über das Verhalten von Vögeln mit ihren Jungen im Nest gibt es bis dato überraschend wenig wissenschaftliche Informationen. Eine aktuelle internationale Studie unter Leitung von Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien belegt nun, dass der Einfluss des Wetters ein bestimmender Faktor ist, der sich auf Aspekte wie Brutleistung, Nahrungsangebot aber auch auf die Nestnutzung auswirkt.

Welchen Einfluss unterschiedliche Wetterbedingungen auf Brutleistung, Nahrungsangebot und Nestraumnutzung haben, untersuchte die Studie anhand von Wiedehopf-Küken (Upupa epops). Dazu Studienautor Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni: „Insbesondere der Ort der Futterübergabe durch die Eltern und die Beutegröße können zu einer unterschiedlichen Nistraumnutzung bei den Nestlingen führen. Die elterliche Fütterstrategie und die Größe der Beute werden wiederum von den Wetterbedingungen beeinflusst, welche den bedeutendsten Faktor für die Nutzung des Nestinnenraumes durch die Küken darstellen.“ Zudem liefert die Studie wichtige neue Erkenntnisse über die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Nachkommen.

Mit großer Beute versorgte Küken blieben jedoch bei jeder Wetterlage häufiger in einem weiter entfernten Nestbereich versteckt. Damit ist die Beute der wichtigste, die Nestraumnutzung direkt beeinflussende Faktor, was auf eine entscheidende Rolle großer Insekten für den Wiedehopf hindeutet. Zudem zeigte sich, dass langfristige Auswirkungen des Wetters die gesamte Nahrungsversorgung der Küken und damit auch ihr Verhalten beeinflussen. Es ist daher zu erwarten das Klimaänderungen Konsequenzen für den Bestand des Wiedehopfs haben werden.

Die Erkenntnisse sind laut dem Forschungsteam auch von großer Relevanz für den Naturschutz und liefern neue Erkenntnisse bezüglich theoretischer Grundlagen der Habitatauswahl.

Der Artikel „Influence of different weather aspects on breeding performance, food supply and nest‑space use in hoopoe offspring“ von Soňa Nuhlíčková, Ján Svetlík, Manfred Eckenfellner, Felix Knauer, Herbert Hoi wurde in „Behavioral Ecology and Sociobiology“ veröffentlicht.

2022-04-20

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Erste Nisthilfen für den Steinkauz in Seebarn

Der Steinkauz war bis in die 1970er Jahre bei uns weit verbreitet. Heute ist diese kleine Eulenart eine der gefährdetsten Vogelarten Österreichs. Sein Bestand wurde bis vor kurzem nur noch auf etwa 100 Paare geschätzt, die überwiegend im Osten Österreichs vorkommen.

Die Zerstörung seiner Lebensräume durch die Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet den Steinkauz. Die Folge: Der Steinkauz findet keine Tagesverstecke und Nistplätze mehr. Da Steinkäuze ursprünglich Bewohner von Baumsteppen mit niedriger und spärlicher Vegetation sind, eignen sich Weingärten sehr gut als Ersatz für das Jagdrevier. Um die rückläufige Population des kleinen Kauzes zu unterstützen, beginnt die Vogelwarte nun Nistkästen in den Weinbergen rund um Seebarn zu installieren. Ziel ist eine deutliche Erhöhung des aktuellen Bestandes, man darf gespannt sein wie gut die Nisthilfen in den kommenden Jahren angenommen werden.

Die Anschaffung entscheidender Lebensraum Elemente kostet natürlich Geld. Jedes neue Steinkauz Revier braucht zwei Nistkästen und mindestens einen Tageseinstand. Sie können unsere Arbeit gerne unterstützen, wir freuen uns über jede noch so kleine Spende.

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2022-04-07

Ghrelin modifiziert das Migrationsverhalten in der Natur

Auf dem Zug halten die meisten Sperlingsvögel auf dem Weg, um sich auszuruhen und aufzutanken. Ein Netzwerk von Hormonen signalisiert dem Gehirn von Wirbeltieren die Verfügbarkeit von metabolischem Brennstoff, einschließlich des kürzlich entdeckten Darmhormons Ghrelin. Hier zeigen wir, dass Ghrelin an der Kontrolle des Migrationsverhaltens während des Frühjahrszugs in einem ziehenden Singvogel beteiligt ist. Wir verabreichten Ghrelin an während ihres Zwischenstopps gefangene Gelbrumpfsänger (Setophaga coronata coronata) und verfolgten ihre Bewegungen nach der Freilassung automatisch per Funk. Ghrelin veranlasste die Vögel schnell, sich von der Freisetzungsstelle zu entfernen, was darauf hindeutet, dass das Ghrelin-System zentral wirkt, um das Verlassen des Zwischenstopps zu vermitteln. Die Wirkungen der Hormonbehandlung ließen innerhalb von Stunden nach der Freilassung nach und hatten keinen Einfluss auf die Gesamtmigrationsrate. Diese Ergebnisse liefern experimentelle Beweise für eine zentrale Rolle von Ghrelin bei der Modulation von Zwischenstoppentscheidungen während des Zugs und bieten Einblicke in die regulatorischen Funktionen metabolischer Hormone im Dialog zwischen Darm und Gehirn bei Vögeln.

Die Studie war eine Zusammenarbeit mit Christopher G. Guglielmo, Scott A. MacDougall-Shackleton und Yolanda E. Morbey von der Advanced Facility for Avian Research, University of Western Ontario, Kanada, und Hiroyuki Kaiya vom National Cerebral and Cardiovascular Center Research Institute, Japan.

Die Finanzierung erfolgte durch das Marie Skłodowska-Curie Individual Global Fellowship 798739 GHRELMIGRA an Sara Lupi.

Der Artikel "Experimental ghrelin administration affects migratory behaviour in a songbird" von Sara Lupi, Yolanda E. Morbey, Scott A. MacDougall-Shackleton, Hiroyuki Kaiya, Leonida Fusani, Christopher G. Guglielmo wurde in der Zeitschrift Hormones and Behavior veröffentlicht.

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2022-03-21

VetmedTalk: Aktuelles Thema: „Heiße Luft - Vögel, Bienen und der Klimawandel“

Die Luft die wir atmen ist auch der Lebensraum von unzähligen Tieren wie Vögeln und Insekten, die sich an laute Flugzeuge, giftige Chemikalien und steigende Temperaturen anpassen müssen. Im VetmedTalk am 14.3.2022 stellten wir dazu spannende Forschungsprojekte aus der Veterinärmedizin vor und erklärten, wie die Gesundheit der Tiere und die Gesundheit der Menschen über den Lebensraum Luft zusammenhängen. Der Talk ist auf Vimeo nachzusehen.

Luftverschmutzung ist eine der größten umweltbezogenen Gesundheitsgefahren für Menschen und Tiere. In Europa sterben jährlich rund 800.000 Menschen an verschmutzter Atemluft. Luft ist aber nicht nur zum Atmen da. Für viele Vögel und Insekten ist sie der zentrale Lebensraum. Durch unterschiedlichste Verunreinigungen, den Klimawandel, Windräder, Flugverkehr etc. nehmen wir Menschen massiven Einfluss auf das Leben dieser reichhaltigen Tierwelt. Doch wie passen sich Vögel und Insekten an die neuen Lebensumstände an? Was sind Beobachtungen aus der Forschung und wie lassen sich Tierwohl und Artenschutz auch in Zukunft garantieren? Die Vetmeduni legt 2022 einen Kommunikationsschwerpunkt auf „Leben an Land“, dem UNO-Nachhaltigkeitsziel Nr. 15, und wird dabei pro Quartal den Fokus auf einen speziellen Lebensraum legen. Den Anfang macht Luft, dann folgen Süßwasser, Wiese und Wald. Im ersten VetmedTalk des heurigen Jahres geht es daher um den Status quo unserer Luftbewohner und wie wir deren Lebensraum schützen können. Dazu stellen sich Wissenschaftskommunikator Bernhard Weingartner und seine Gäste den Fragen des Online-Publikums.

Expert:innen

  • Herbert Hoi – Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni
  • Ivan Maggini – Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni
  • Linde Morawetz – Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen, AGES
  • Kerstin Seitz – Institut für Virologie, Vetmeduni

Moderation

  • Bernhard Weingartner – Wissenschaftskommunikator und Initiator Science Slams Österreich

Talk ansehen (Vimeo)

 

2022-03-15