Häufig gestellte Fragen rund um die Giardien

Wann und wo stecken Tiere sich an?

Da die Giardienzysten sehr widerstandsfähig sind, erfolgt eine Infektion durch die orale Aufnahme von in der Umgebung befindlichen Zysten. Diese Stadien fühlen sich besonders in eher feuchtem Klima wohl. Wasser (z.B. aus Pfützen, selten auch in einem ungereinigten Trinknapf) ist eine häufige Infektionsquelle. Giardieninfektionen bleiben bei manchen Tieren eine Zeit lang unbemerkt und vermehren sich bei Stress, Futterumstellung oder anderen Darmerkrankungen. Daraus folgt, dass der Zeitpunkt und Ort der Infektion kaum festzustellen ist. Junghunde erkranken öfter als ältere Tiere, und dies wird durch Faktoren wie Besitzerwechsel, Futterwechsel usw. gefördert.

Wann ist ein Giardientest sinnvoll?

Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab. Angenommen es handelt sich um ein einzeln gehaltenes Tier, dann ist eine Untersuchung nur empfehlenswert, wenn Durchfall auftritt. In diesem Fall sollte man auch zuerst eine Kotflotation durchzuführen, um das Ausmaß der Erkrankung besser einzuschätzen und auch um eventuell andere Parasiten (wie z.B. Kokzidien) nachweisen zu können. Nur wenn die Flotation bei bestehendem Durchfall negativ ist, empfiehlt sich ein Schnelltest. Ein weiterer diagnostischer Test nach Behandlung ist nicht unbedingt nötig, die Besserung der Symptomatik (festerer Kot) ist in diesem Fall ein Hinweis auf den Behandlungserfolg. Eine Ausnahme kann ein Haushalt mit mehreren Katzen sein (s.u.).
Etwas anders sind die gängigen Empfehlungen für Multitierhaushalte, insbesondere Tierzuchten. Gerade wenn sich viele Jungtiere in einem Haushalt befinden, könnte es sinnvoll sein, alle Tiere zu testen, wenn eine Durchfallproblematik besteht. Dennoch sollten die Tiere auch hier zunächst mit der Flotation untersucht werden. In Multikatzenhaushalten ist es eventuell auch sinnvoll, nach Behandlung den Therapieerfolg mit einem erneuten Test zu überprüfen. Dieselben Empfehlungen wie für den Multitierhaushalt gelten für Haushalte, in denen besonders gefährdete Menschen (sehr jung, sehr alt, immunsupprimiert u.ä.) leben. Hier besteht evtl. ein Übertragungsrisiko auf Menschen, das die Behandlung von Ausscheidern auch ohne Symptome rechtfertigen kann.

Wann und wie lange soll behandelt werden?

Entsprechend den Empfehlungen zur Diagnostik wird bei einzeln gehaltenen Tieren eine Behandlung nur empfohlen, wenn ein mit Giardien im Zusammenhang stehender Durchfall auftritt. Bei Multitierhaushalten und in Haushalten mit besonders gefährdeten Menschen sollte jedoch auch eine Behandlung aller Ausscheider überlegt werden.
Die Dauer der Behandlung wird vom Tierarzt/der Tierärztin festgelegt und beträgt in der Regel fünf Tage. Bei wiederkehrender Symptomatik kann das Behandlungsschema abgeändert und die Behandlung verlängert bzw. in Intervallen durchgeführt werden.

Was muss ich bei der Behandlung beachten?

Entscheidend für eine nachhaltig erfolgreiche Behandlung ist es, die Reinfektionen zu unterbinden, indem die Zysten aus der Umgebung entfernt bzw. ihre Ausbreitung in der Umgebung verhindert wird. Hierzu werden folgende Maßnahmen empfohlen:
- Kot sofort nach dem Absetzen in der Restmülltonne beseitigen (nicht in der Toilette herunterspülen, da die Giardien sonst Brauchwasser verunreinigen; sie sind in Kläranalgen schwer zu inaktivieren)
- Decken auf denen sich die Tiere aufhalten sowie den Boden möglich mit einer Temperatur von mindestens 60°C reinigen
- Tiere schamponieren; um Zysten aus dem Fell zu entfernen
- Trink- und Fressnäpfe heiß auswaschen.
Manchmal werden Dampfdruckreiniger zur Umgebungsreinigung empfohlen, davon raten wir eher ab, da die Temperatur von 60°C meistens nicht erreicht wird und die Flächen nur feuchter und damit für Giardien angenehmer werden.

Wie töte ich die Zysten am effektivsten ab?

Giardien reagieren sehr empfindlich auf Trockenheit und Hitze über 60 °C. Chlorbleichlauge soll eine gewisse Wirkung haben. Geprüfte hoch parasitenwirksame Desinfektionsmittel können im Allgemeinen nicht in der Wohnung angewendet werden. Für Zwinger und Tierheime empfiehlt sich aber eine Desinfektion mit geprüften Wirkstoffen (DVG 1)

Soll ich einen mit Giardien befallenen Hund kohlenhydratarm ernähren?

Es gibt keine wissenschaftlichen Studien die belegen, dass eine solche Diät die Giardieninfektion beeinflusst (weder positiv noch negativ). Von einer kohlehydratreichen Diät ist jedoch abzuraten, da nicht geklärt ist, ob die Giardien nicht sogar davon profitieren können.

Besteht ein Ansteckungsrisiko für Menschen?

Bisher gibt es für Mitteleuropa kaum Berichte, die eine Übertragung von dem Tier auf den Menschen sicher nachweisen konnten. Weitaus die meisten der mit Giardien infizierten Humanpatienten infizieren sich eher mit „Menschengiardien“, die sie z.B. über kontaminiertes Wasser oder nicht ausreichend gewaschenen Salat aufnehmen.

Gibt es Resistenzen gegen die Antigiardienmittel?

Die meisten Fälle einer wieder auftretenden Giardiose nach Therapie sind wahrscheinlich Neuinfektionen (Aufnahme von Giardienzysten aus der Umgebung). Dennoch treten vermutlich auch Resistenzen auf. Wie bereits erwähnt ist eine nachhaltige Besserung des Durchfalls ein guter Indikator für eine erfolgreiche Behandlung. Um den Erfolg einer Giardienbehandlung genauer zu untersuchen, sollten man einen Schnelltest bis höchstens 5 Tage nach Ende der Behandlung durchführen. Alle Proben die danach positiv sind könnten auch dies auch aufgrund von Reinfektionen sein.

  

Praktikum am Institut für Parasitologie

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