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Melanie Dammhahn ist neue Leiterin des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie

Seit 1. Dezember 2021 hat das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni eine neue Leitung. Melanie Dammhahn lenkt ab sofort die Geschicke des FIWI am Wiener Wilhelminenberg. Die Forschung zur Ökologie des individuellen Verhaltens von Säugetieren liegt der gebürtigen Deutschen und erfahrenen Biologin besonders am Herzen.

Melanie Dammhahn absolvierte das Diplomstudium der Biologie an der Eberhard-Karl Universität in Tübingen, Deutschland und der University of Sussex, U.K. Darauf folgte das Doktoratsstudium an der Georg-August Universität und am Deutschen Primatenzentrum, Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen. 2020 habilitierte Dammhahn im Fach Tierökologie (Habilitationsschrift: „From individual variation to community structure: patterns, determinants and consequences of within- and between-species variation in behaviour, life-history and ecology”) an der Universität Potsdam, wo sie nach wie vor als Privatdozentin am Institut für Biochemie und Naturwissenschaften tätig ist.

Neben der Tier- und Verhaltensökologie gilt Dammhahns Forschungsinteresse der evolutionären Ökologie sowie der Lebensgeschichtstheorie und Gemeinschaftsökologie, insbesondere bei Säugetieren. Dammhahns Forschungsprojekte sind interdisziplinär und umfassen die Bereiche Verhaltensbiologie, Kognition, Evolution sowie Ökologie. Langfristige Feldstudien führten die Biologin unter anderem nach Madagaskar und Kanada. Melanie Dammhahn bringt umfangreiche Erfahrungen und Qualifikation in der Lehre für Tier- und Verhaltensökologie, Naturschutzbiologie und ökologische Statistik mit. Von 2017 bis 2018 hatte sie eine Vertretungsprofessur für Tierökologie an der Universität Greifswald inne.

Melanie Dammhahn ist Mitglied der International Society for Behavioral Ecology (ISBE), der Society for Tropical Ecology (gtö), der Deutschen Zoologische Gesellschaft (DZG) sowie der Ethologischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Primatologie (GfP).

Vorschau: Portrait über Melanie Dammhahn im VETMED Magazin 01/2022

Das Individuum im Fokus: wo Evolution, Ökologie und Verhaltensbiologie sich treffen

Melanie Dammhahn forscht zur Ökologie des individuellen Verhaltens von Säugetieren. Wie mutig oder verzagt sich ein Tier verhält, entscheidet, wie es seinen Lebensraum nutzt und damit letztlich, wie es mit dem schnellen Wandel des Lebensraums Schritt halten kann. Wer die Stadtmaus und die Landmaus aus Aesops Fabel vergleicht, kann sehen: Stadtmäuse sind street-smart.

Neue Entwicklungen im Bereich der Genomtechnologien für das Naturschutzmanagement

Eine neue Studie bietet Entscheidungsträger:innen und Naturschutz-Praktiker:innen einen praktischen Leitfaden zu den aufkommenden neuen Technologien zum Schutz der biologischen Vielfalt und den verbleibenden Forschungslücken. Laut einem neuen Artikel, das in Conversation Genetics veröffentlicht wurde, sind mehr Investitionen und Unterstützung für die Erforschung neuer genomischer Instrumente zum Artenschutz erforderlich, um einen weiteren Verlust der biologischen Vielfalt zu verhindern.

Dr. Pamela Burger vom FIWI/Vetmeduni Vienna betont, dass die Genomanalyse bereits Naturschutzmanager:innen geholfen habe „die Vielfalt und Konnektivität gefährdeter Populationen zu verstehen. Aber die neuen Genomtechnologien können helfen, die geeignetsten Individuen für Translokations- oder Wiederansiedlungsprogramme auszuwählen.“ Genomregionen, die für Krankheitsresistenz oder adaptive Fitness verantwortlich sind, können identifiziert werden, und langfristig könnten Forschende sogar in der Lage sein, die Widerstandsfähigkeit einer Population zu erhöhen. Für Praktiker:innen gibt es noch eine Lücke im Verständnis, wie dies für neue Herausforderungen genutzt werden kann. Andrej Arih, Abteilungsleiter für Naturschutz im Nationalpark Triglav (Slowenien), freut sich, dass das genetische Monitoring das Verständnis von Populationsstruktur und -dynamik verbessert hat. Das Parkmanagement hofft, dass die Genomik noch einen Schritt weiter gehen wird und ihnen helfen kann, vorherzusagen, wie sich Ökosysteme an zukünftige Klimaänderungen anpassen können.

Der Artikel ist das Ergebnis eines Workshops zu neuartigen genomischen Instrumenten für den Naturschutz, der im März 2020 im Rahmen der Projektförderung G-BIKE (Genomic Biodiversity Knowledge for Resilient Ecosystems) durch das COST-Aktionsprogramm der Europäischen Union organisiert wurde. Es folgte auf die Erklärung von Kunming während des hochrangigen Segments der UN-Biodiversitätskonferenz 2020, die am 12. und 13. Oktober 2021 stattfand, und in welcher ein Biodiversitätsschutzrahmen entworfen wurde.

Das internationale Autor:innenteam mehrerer wissenschaftlicher und internationaler Institutionen hebt einige der Forschungslücken und Bereiche hervor, in denen Praktiker:innen Unterstützung bei der Nutzung einiger der Genomik-Tools benötigen, die seit vielen Jahren verfügbar sind, aber aufgrund mangelnder Kapazitäten, Strukturen oder Ressourcen oft zu wenig genutzt werden. 

Der Artikel  "New developments in the field of genomic technologies and their relevance to conservation management" von Gernot Segelbacher, Mirte Bosse, Pamela Burger, Peter Galbusera, José A. Godoy, Philippe Helsen, Christina Hvilsom, Laura Iacolina, Adla Kahric, Chiara Manfrin, Marina Nonic, Delphine Thizy, Ivaylo Tsvetkov, Nevena Veličković, Carles Vilà, Samantha M. Wisely und Elena Buzan ist in der Zeitschrift Conservation Genetics erschienen.

2021-11-11

Bären im Winterschlaf: Fett, aber gesund

Für den Winterschlaf bauen Braunbären große Fettreserven auf, die sie als Energiereserve nutzen. Das hat für die Blutgefäße jedoch keine negativen Folgen, wie eine soeben in „Scientific Reports“ veröffentlichte internationale Studie unter der Leitung der Vetmeduni anhand von skandinavischen Braunbären (lat.: Ursus arctos) zeigt. Denn obwohl sich ihr Fettstoffwechsel während des Winterschlafs radikal verändert, sind die Braunbären durch Gegenmechanismen in der Lage, ihr Blutplasma und ihre Muskeln trotz erhöhter Lipidspiegel wirksam zu schützen.

Um die Mechanismen zu untersuchen, durch die Winterschläfer atherogene Hyperlipidämie – eine Fettstoffwechselstörung – während des Winterschlafs vermeiden, untersuchte das Forschungsteam den Lipoprotein- und Cholesterinstoffwechsel von freilebenden skandinavischen Braunbären. Dazu wurden im Winter und im Sommer die Lipoproteingrößen und -unterklassen, die Triglycerid-bezogenen Plasmaenzymaktivitäten und die Muskellipidzusammensetzung sowie die Plasmaspiegel der antioxidativen Kapazitäten und Entzündungsmarker gemessen. Das Ergebnis: „Obwohl fast alle Lipidspiegel erhöht waren, ermöglichte eine um mehr als ein Drittel höhere Cholesterinester-Transferprotein-Aktivität eine Stabilisierung der Lipidzusammensetzung von Lipoproteinen mit hoher Dichte (HDL). Die Konzentrationen von entzündungsfördernden Stoffwechselprodukten nahmen im Winter ab und korrelierten umgekehrt mit kardioprotektiven HDL2b-Anteilen und HDL-Werten, die während des Winterschlafs anstiegen“, so Studien-Erstautor Sylvain Giroud.

Der Artikel „Hibernating brown bears are protected against atherogenic dyslipidemia“ von Sylvain Giroud, Isabelle Chery, Mathilde Arrivé, Michel Prost, Julie Zumsteg, Dimitri Heintz, Alina L. Evans, Guillemette Gauquelin‑Koch, Jon M. Arnemo, Jon E. Swenson, Etienne Lefai, Fabrice Bertile, Chantal Simon und Stéphane Blanc wurde in Scientific Reports veröffentlicht.

Vetmeduni Presseaussendung

2021-10-11