In memoriam Kurt Onderscheka

Kurt Onderscheka an seinem Schreibtisch im Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie. Foto © FIWI

Kurt Onderscheka an seinem Schreibtisch im Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie. Foto © FIWI 1

Wir trauern um den Gründer des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie, unseren Emeritus ordentlicher Universitätsprofessor Dr. med. vet. Kurt Onderscheka, der am 10. März 2019 verstorben ist.

Seine Schaffenskraft, sein Organisationstalent, sein zäher Wille und unglaubliches Engagement für die heimischen Wildtiere und die Veterinärmedizinische Universität Wien bleiben unvergessen. Sein Name ist untrennbar mit dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie und dessen Erfolgsgeschichte verbunden.

Kurt Onderscheka wurde am 20. November 1926 in Eleonorenhain im Böhmerwald (heutige Tschechische Republik) geboren. Nach dem Schulbesuch in Prag und Wien wurde ihm Österreich nach Kriegsende zur neuen Heimat. Von 1945 bis 1950 studierte er an der Tierärztlichen Hochschule in Wien Veterinärmedizin und promovierte 1951. Schon 1950 übernahm er eine tierärztliche Praxis im Pinzgau (Salzburg), die er zu einer der größten Großtierpraxen Österreichs ausbaute. Die Praxis verließ er nach zehn Jahren, um sich ganz seinem besonderen Interesse für Tierernährung zu widmen, zunächst mit einer Tätigkeit in der Industrie, ab 1964 wieder an seiner Alma Mater als Assistent am Institut für Medizinische Chemie. 1970 folgte die Habilitation für Tierernährung und Futtermittelkunde. Sein schon länger bestehendes Interesse für Fragen der Ernährung und Erkrankungen von Wildtieren entwickelte sich nun zum neuen wissenschaftlichen Schwerpunkt. 1976 wurde er zum Ordinarius für das neu gegründete Fach Wildtierkunde an der Veterinärmedizinischen Universität Wien ernannt.

Das Universitätsorganisationsgesetz 1975 schuf erstmals die Möglichkeit, private Financiers direkt in die universitäre Forschung einzubinden. Kurt Onderscheka ergriff diese Gelegenheit beim Schopf. Es gelang ihm, Sponsoren aus der Industrie und die österreichischen Landesjagdverbände für die Förderung wildtierkundlicher Forschung zu gewinnen. Am 22. Dezember 1977 wurde das erste Forschungsinstitut Österreichs gegründet, das gemeinsam von einer Universität und privaten Geldgebern, organisiert in einer Fördergesellschaft, betrieben wurde. Zum Leiter des neuen Forschungsinstituts für Wildtierkunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde Kurt Onderscheka bestellt. Jetzt galt es, diesem Institut auch eine entsprechende räumliche Ausstattung zu verschaffen. Mit seiner schier unermüdlichen Energie gelang es Kurt Onderscheka, die Unterstützung der Stadt Wien zu gewinnen, die bis heute das großzügige Institutsgebäude am Wilhelminenberg mit dem sich anschließenden 45 Hektar großen Forschungsgehege der wildökologischen Forschung zur Verfügung stellt. Für die Adaptierung des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes des Schlosses Wilhelminenberg zu einer modernen Forschungseinrichtung wurden erhebliche finanzielle Mittel von Bund, Stadt Wien, den österreichischen Jagdverbänden und privaten Sponsoren aufgebracht. Das Institut florierte, erweiterte seine Forschungsagenden auf ökologische Zusammenhänge und genießt heute als „Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie“, kurz „FIWI“, internationale Anerkennung.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt Kurt Onderscheka zahlreiche Auszeichnungen, so auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse und das große silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Auch nach seiner Emeritierung 1995 blieb Kurt Onderscheka dem FIWI stets verbunden. Sein Lebenswerk ist das Fundament des heute existierenden Forschungszentrums für organismische Biologie am Wilhelminenberg, bestehend aus dem FIWI, dem benachbarten Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung und der Österreichischen Vogelwarte, zusammengefasst im Department für Integrative Biologie und Evolution der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Wir werden den Gründervater des FIWI nicht vergessen und ihm ein ehrenvolles Andenken bewahren.

Wien im März 2019

o.Univ.Prof. Dr. rer. nat. Walter Arnold

Leiter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie

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