Warum nüchtern?

Am Vorabend einer geplanten Anästhesie dürfen Sie Ihrem Tier ab 22 Uhr nichts mehr zu fressen geben. Wasser muss jedoch dem Tier bis in der Früh jederzeit zur Verfügung stehen.

Der Grund für dieses "Zwangsfasten" liegt in der Unterdrückung der Schutzreflexe während der Anästhesie. Im wachen Tier (und auch Menschen) wird das Schlucken ausgelöst um Eindringen von Fremdmaterial in die Lungen zu verhindern. Dies ist beim anästhesierten Tier nicht mehr der Fall und es besteht die Gefahr von "Einatmen" von Speichel, aber auch Mageninhalt (im Falle von Erbrechen) in die Lungen. Ein gefüllter Magen (Futter innerhalb der letzten 6-8 Stunden vor dem Eingriff) erhöht die Gefahr von Überlaufen des Mageninhaltes in die Speiseröhre und ein Aufsteigen zum Eingang der Luftröhre.

Mageninhalt in der Speiseröhre selbst führt zu Verätzungen dieser, und ist für das Tier beim Aufwachen aus der Anästhesie mit schwerem Sodbrennen zu vergleichen. Die Folgen einer Aspiration von Mageninhalt (Eindringen in die Luftröhre) sind Komplikationen während der Anästhesie bis hin zu einer schweren, postoperativen Lungenentzündung. Die Behandlung dieser Komplikationen ist langwierig und kostenintensiv und endet trotz Intensivtherapie möglicherweise mit bleibenden Schäden der Lungen oder im Extremfall mit dem Tod Ihres Tieres.

Wenn Sie Medikamente während der Fastenperiode verabreichen müssen, besprechen Sie das bitte mit dem zuständigen Tierarzt der Abteilung für Anästhesiologie und perioperativen Intensivmedizin. Oft kann man sich mit der Tablette eingerollt in EINEM Wurstblatt abhelfen.

Sollte Ihr Tier dennoch etwas gefressen haben, melden Sie das bitte dem zuständigen Tierarzt wenn Sie das Tier zum Eingriff bringen. Je nach Menge und Umstand kann der Eingriff entweder auf einen späteren Termin am selben Tag oder einen anderen Tag verschoben werden.

Trotz Fasten können die oben beschriebenen Komplikationen auftreten; sie sind in der Regel jedoch wesentlich weniger schwerwiegend und leichter therapierbar.

  

Abteilung für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin