Perioperative Intensivmedizin

Nach dem Eingriff sorgt im Aufwachraum ein Team für ein ruhiges Aufwachen und die Ausschaltung des Schmerzes und führt die Kontrolle wichtiger Vitalfunktionen wie Atmung und Kreislauf durch. Darum kümmern sich die Tierärztinnen und Tierärzte der Klinik für Anästhesiologie in der Perioperative Intensive Care Unit, kurz PICU genannt. Die Intensivstation bietet optimale Bedingungen zur Überwachung und Betreuung von schwerkranken Patienten rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr. Die PICU existiert in der jetzigen Form seit Mitte 2008. Es stehen derzeit Intensivplätze für vier Patienten zur Verfügung, davon sind zwei Plätze reserviert für Katzen, Kaninchen, Frettchen oder kleine Hunde und zwei Plätze für mittelgroße bis große Hunde.
Im Laufe des letzten Jahres konnte neben den perioperativen Patienten auch einigen Patienten mit nicht-chirurgischen Problemen geholfen werden: Tetanus, Schneckenkornvergiftungen oder die Vergiftung von Katzen, die versehentlich mit Flohmittel für Hunde behandelt worden sind, konnten erfolgreich intensivmedizinisch betreut werden.

Patienten mit Atemwegsproblemen, zum Beispiel kurznasige Rassen wie Mops oder Bulldogge, können nach einer Atemwegsoperation über Stunden und Tage mit Sauerstoff versorgt, intubiert und wenn nötig beatmet werden.
Intravenöse Infusionen können das Flüssigkeitsgleichgewicht wiederherstellen und Elektrolytabweichungen korrigieren.
Neben vielen anderen Monitoringgeräten können zum Beispiel mit einem stationären oder telemetrischen Elektrokardiogramm Arrhythmien erkannt und daraufhin therapiert werden. Viele diagnostische Verfahren können direkt in der PICU ohne Zeitverlust durchgeführt werden. Und sobald es der gesundheitliche Zustand des Kleintierpatienten erlaubt, wird dieser auf die Normalstation verlegt und von dort wieder nach Hause entlassen.

Die TierärztInnen der PICU, die allesamt in Anästhesie und Intensivmedizin ausgebildet sind und kontinuierliche Fortbildungen durchlaufen, werden unterstützt von Tierpflegern und bis zu 40 ausgebildeten StudentInnen, die unter Anleitung die Versorgung der Patienten rund um die Uhr übernehmen. Die StudentInnen sind Mitglieder des "Team PICU", welches als Wahlfach an der VetmedUni angeboten wird. Viele Mitglieder bleiben dem Team treu, auch wenn sie keine Wahlfachstunden mehr brauchen, weil sie durch diese Art der Patientenversorgung unter direkter Anleitung eines Intensivmediziners sehr viel für ihren zukünftigen Beruf lernen können.

Die Besitzer von schwerkranken Kleintierpatienten werden mehrmals täglich telefonisch über den Zustand ihrer Lieblinge informiert. Auch ein täglicher Besuch ist auf der PICU gestattet, solange es den tierischen Patienten nicht zu sehr aufregt. Die Besuchszeiten können mit dem jeweiligen diensthabenden Tierarzt relativ flexibel vereinbart werden. Die Kosten für eine solche Intensivversorgung hängt von mehreren Faktoren ab: einerseits von der Größe des Tieres und damit der Menge an Verbrauchsmaterialien, Medikamenten, Infusionslösungen und zusätzlich benötigten Leistungen wie Röntgen-, Ultraschall- oder Laboruntersuchungen. Andererseits spielt der medizinische und tierärztliche Aufwand eine Rolle: grundsätzlich kann man sagen, je aufwändiger die Versorgung, desto höher die Kosten. Über die Kosten werden Patientenbesitzer stetig auf dem Laufenden gehalten und erst nach Absprache die notwendigen Leistungen und Versorgungen durchgeführt.

Über die letzten Jahre wurden immer mehr Patienten in der PICU aufgenommen und die Kapazitäten zum Teil ausgeschöpft. Aus diesem Grund ist im Rahmen der Gestaltung des neuen Kleintierzentrums eine große Intensivstation geplant, die die Versorgung von bis zu zehn schwerkranken Kleintierpatienten übernehmen kann.

  

Abteilung für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin