Namaste - Von Wasserbüffeln und Mozartkugeln

Wasserbüffel genießen in Nepal hohes Ansehen – sie sind nicht nur wichtige Nutztiere, sondern werden auch religiös verehrt. (Foto Teresa Valencak/Vetmeduni Vienna)

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Aus VETMED 02/2015 - Zeitlich ist uns Nepal 4 Stunden 45 Minuten voraus. In veterinärmedizinischen Fragestellungen gibt es aber noch einigen Aufholbedarf. Eine Delegation der Vetmeduni Vienna traf sich zum Erfahrungsaustausch mit WissenschafterInnen im nepalesischen Rampur. Eine Reportage.

Allen, die regelmäßig Yoga praktizieren, ist der Gruß Namaste längst geläufig. Für eine neunköpfige Delegation der Vetmeduni Vienna war er im Februar 2015 jedoch viel mehr: nämlich eine Einladung, das mitunter bequeme Arbeitsleben in Westeuropa für eine Weile aufzugeben und sich auf die Gegebenheiten einer südnepalesischen Universität einzulassen. Im Rahmen einer vom  Eurasia Pacific Uninet (EPU) geförderten Reise nach Rampur in der Region Chitwan erhielten wir beim Workshop Veterinary Objectives from Alpines to Himalayas Einblicke in Land und Leute. Außerdem konnten wir mit KollegInnen vor Ort Parallelen und Unterschiede zwischen Nepal und Österreich im Bereich der Veterinärmedizin diskutieren.

Hunde und Makaken am Flughafen

Knapp zwei Jahre lang liefen die Vorbereitungen für diesen Workshop, dessen erfolgreiche Umsetzung letztendlich auf das Engagement einer nepalesischen PhD-Studentin an unserer Universität, Aruna Shrestha, zurückgeht.

Mit Schokolade, Mozartkugeln, Volksmusik-CDs und anderen österreichischen Souvenirs als Gastgeschenken ausgestattet, starteten wir Mitte Februar 2015 unsere einwöchige Reise nach Nepal. Wir waren zunächst von der ungewöhnlichen Zeitverschiebung von 4 Stunden und 45 Minuten überrascht. Am Flughafen von Kathmandu erwarteten uns zahlreiche dort wohnhafte Hunde, die sich über Zuwendungen kulinarischer Natur ebenso freuten wie die dort ansässige Makakenpopulation.

Wasserbüffel am Campus

Sehr beeindruckend erlebten wir die Nepalesinnen und Nepalesen, die nicht nur ausgesprochen höflich und zugänglich sind, sondern auch ausgezeichnet Englisch sprechen. Bereits nach kurzer Zeit hatten wir uns an den eigenwilligen und chaotischen Linksverkehr ebenso gewöhnt wie daran, dass Strom, Internetzugang und heißes Wasser kostbare Ressourcen sind, die es nicht 24 Stunden hindurch ununterbrochen gibt. Kaum verwunderlich ist daher, dass auch die Tierklinik an der Faculty of Animal Science, Veterinary Science and Fisheries der Agriculture and Forestry University von außen etwas ramponiert wirkt. Die erste staatliche Universität in Nepal wurde 2010 gegründet und befindet sich in Rampur, Chitwan im Süden Nepals, also keine 30 Kilometer von der indischen Grenze entfernt. An der Faculty of Animal Science, Veterinary Science and Fisheries forschen 32 WissenschafterInnen und betreuen rund 100 Bachelor-, Master- und PhD-Studierende pro Jahr. Die Wasserbüffel am campuseigenen Hochschulgut erhalten zwar ein eher karges Brot, dafür aber gute Betreuung und viel Ansehen.

Fleischhygiene schwer umsetzbar

Bemerkenswert für uns war die große Spannbreite der Forschungsinteressen der nepalesischen WissenschafterInnen. Sie reicht von der bestandsrelevanten Eindämmung diverser Pathogene wie Campylobacter oder Salmonellen bis hin zu Habitatsansprüchen verschiedener Huftierarten, vor allem in der Himalaya-Region.  Zahlreiche Forschungsvorhaben beschäftigen sich  zudem mit der Zucht produktiver Rassen von Ziegen, Wasserbüffeln und Geflügel, jenen Nutztieren, die von den NepalesInnen am liebsten für Fleisch und Milch genutzt werden. Die Heilige Kuh ist also im Land des Himalayas ein Wasserbüffel und wird ebenso den hinduistischen Göttern geopfert wie Ziegen und viele Geflügelarten. „The blood is for the gods, the meat is for us“, beschrieb uns einer der Gastgeber eindrücklich seinen hinduistischen Glauben. Diese kulturell bedingten Gewohnheiten  sind es aber auch, die den lokalen TierärztInnen zu schaffen machen, denn adäquate Fleischhygiene und -qualität sind so nicht oder nur schwer zu erreichen.

Weitere Kooperationen geplant

Im Rahmen des zweitägigen Workshops wurden viele Fragen und Probleme besprochen, die in zukünftigen Kooperationsprojekten bearbeitet werden können. Erleichtert wird die Zusammenarbeit in Zukunft auch durch ein neues Memorandum of Understanding, das bei unserem Besuch zwischen dem Eurasia-Pacific Uninet und der Agriculture and Forestry University unterzeichnet wurde. Ein wichtiger Schritt, damit Nepal und Österreich die wichtigsten veterinärmedizinisch relevanten Themen der Gegenwart auf Augenhöhe zumindest diskutieren können - auch wenn wir sie vermutlich aufgrund großer wirtschaftlicher Probleme auf nepalesischer Seite schon nicht lösen können. Der neu aufkeimende Tourismus besonders in der Himalaya-Region könnte für das wirtschaftlich schwache Land eine große Chance darstellen. Wünschenswert wäre, dass durch gemeinsame Forschungsprojekte und bilaterale Aktivitäten im Bereich der Veterinärmedizin sowie durch den Erfahrungsaustausch mit den nepalesischen WissenschafterInnen auch die lokale Bevölkerung sowie die Tierpopulationen profitieren.

Dhanyabad bleibt am Ende noch zu sagen, das bedeutet „danke“. Danke für die Gastfreundschaft, die interessanten Gespräche und die neuen Impulse.

Update: Glücklicherweise blieb die Universität Rampur von den verheerenden Erdbeben im April und Mai 2015 weitgehend verschont.

Von Teresa G. Valencak, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie und Katharina Brugger, Institut für Öffentliches Veterinärwesen

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Kategorie: Forschung, Kooperationen, Magazin

 

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