Drei Städte, zwei Jahre, ein Stipendium

Monika Egerbacher leitet den Europäischen Master der vergleichenden Morphologie von Vertebraten (EUCOMOR) an der Vetmeduni Vienna

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Aus VETMED 03/2015 - Eignet sich die Schweine-Aorta als Modell für die Entwicklung von künstlichen Blutgefäßen beim Menschen? Kann am Schaf das Entstehen von Speiseröhrenkrebs nachvollzogen werden? MorphologInnen können solche Fragen kompetent beantworten. Im Sommer schloss die erste Absolventin an der Vetmeduni Vienna den europäischen Master der vergleichenden Morphologie von Vertebraten (EUCOMOR) ab.

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Die Nachfrage nach ExpertInnen der vergleichenden Morphologie kam von der Pharmaindustrie und von akademischen Forschungseinrichtungen, erinnert sich die Veterinärhistologin Monika Egerbacher, Leiterin des Instituts für Anatomie, Histologie und Embryologie. „Um das am besten geeignete Modelltier für eine Forschungsfrage auszuwählen, muss ich den morphologischen Aufbau kennen, muss wissen wie die Organe funktionieren und ob es im Vergleich zum Menschen Unterschiede gibt. Das Pferd hat etwa keine Gallenblase und bei der Ratte schließt sich die Wachstumsfuge im Knochen nicht“, nennt die Lehrgangsleiterin an der Vetmeduni Vienna nur zwei Beispiele. Neben der vergleichenden Morphologie liegt ein zweiter Schwerpunkt des Masters auf Zellkulturen und der Entwicklung von Ersatzmethoden für die tierexperimentelle Forschung.

Gemeinsam ans Ziel

Um den Bedarf an geschulten MorphologInnen sowie ZellbiologInnen zu decken, taten sich fünf Universitäten, darunter die Vetmeduni Vienna, zusammen, um einen internationalen Masterlehrgang ins Leben zur rufen: EUCOMOR. Das steht für European Master of Comparative Vertebrate Morphology. Jede Universität, sei es Antwerpen, Gießen, Poznan, Neapel oder Wien bringt ihre spezielle Expertise ein. Die Vetmeduni Vienna bietet gemeinsam mit Antwerpen den Schwerpunkt Imaging, also bildgebende Verfahren, an. Durch die Vorgabe, Teile des Masterstudiums zumindest in zwei, besser aber in drei der teilnehmenden Länder zu absolvieren, ist für die Studierenden die möglichst beste Wissensausbeute gewährleistet.

Wenn eine eine Reise tut

„Das Studium ist in vielerlei Hinsicht speziell“, resümiert die Studentin Krishna Priya Radhakrishnan, die im Sommer 2015 ihre Masterarbeit an der Vetmeduni Vienna präsentierte. „Ich habe in den zwei Jahren in Antwerpen, Neapel und Wien studiert. Der Wechsel war herausfordernd, weil neben den kulturellen Unterschieden auch unterschiedliche Abläufe in den Laboren dazukamen. Gleichzeitig war die Studienzeit extrem bereichernd, sowohl fachlich als auch persönlich“, berichtet die Absolventin, die sich auf Zellkulturen spezialisierte und für ihre Abschlussarbeit Biomarker für Knochenkrebs bei Katzen und Hunden suchte.

EU prüft und finanziert

Da das erste Semester über e-Learning angeboten wird, sind die Inhalte für alle Studierenden gleich. Ab dem zweiten Semester geht es in Kleingruppen an den fünf Standorten weiter. Im dritten Semester folgt die Vertiefung, entweder im Modul „Imaging“ oder „Cell“. Auf die praktische Anwendung des Gelernten wird viel Wert gelegt. „Vor meinem Master habe ich im indischen Kerala einen Bachelor in Zellkultur gemacht. Aber die praktischen Fertigkeiten und das tiefere Verständnis für die Zusammenhänge habe ich erst im EUCOMOR-Studium erlangt“, erzählt Radhakrishnan. Weitere Besonderheiten des Masters: Zugelassene Studierende können sich für ein Erasmus Mundus Stipendium bewerben, das die Studiengebühren und die Basislebenskosten abdeckt. Die Förderung durch die EU-Kommission habe nicht nur Vorteile für die Studierenden, auch der Studiengang selbst profitiere davon, berichtet die Mitinitatorin Egerbacher: „Erst nach einer umfassenden Qualitätsprüfung durch die Kommission konnten wir starten. Sie nahm Aufnahmeverfahren, Inhalte und berufliche Verwertbarkeit genau unter die Lupe.“ 

Fragen beantwortet 

AbsolventInnen dieses weltweit einzigartigen Masterlehrgangs können die zu Beginn aufgeworfenen Fragen fachkundig bearbeiten. Für die LeserInnen kommt hier die Auflösung: Das Schaf hat wie alle Wiederkäuer einen Vormagen. Ein Reflux der Magensäure in die Speiseröhre ist daher nicht möglich und Speiseröhrenkrebs kann es schwer bekommen. Was die Schweine-Aorta betrifft, so musste erst umfassend erforscht werden, wie das Blutgefäß in verschiedenen Abschnitten gebaut ist und wie es sich mit dem Älterwerden entwickelt, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit dem Menschen festzumachen.

Service: Jetzt für das Studienjahr 2016/2017 bewerben!

Bewerbungen für den europäischen Master der vergleichenden Morphologie von Vertebraten (EUCOMOR) mit Start Oktober 2016 sind bis 30. Juni 2016 möglich. Für das Erasmus Mundus Stipendium läuft die Frist bereits am 31. Dezember 2015 aus.

Weitere Infos auf der Website von EUCOMOR 2

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