Nachruf auf Ehrendoktor der Vetmeduni Vienna Marian C. Horzinek

Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Marian C. Horzinek war eng mit der Vetmeduni Vienna verbunden. 2011 wurde er mit dem Ehrendoktorat unserer Universität ausgezeichnet. (Foto: Vetmeduni Vienna)

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Ende letzter Woche ereilte die Nachricht vom Tod von Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Marian C. Horzinek die Veterinärmedizinische Universität Wien. Der international anerkannte Veterinärmediziner und Forscher verstarb im 80. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit. Er war ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, Mitglied im ersten Universitätsrat und seit 2011 Ehrendoktor der Vetmeduni Vienna. Mit Horzinek verliert die Tiermedizin eine große Persönlichkeit.

Marian Horzinek wurde 1936 in Katowice, Polen, geboren und verließ seine Heimat schon während seiner Schulzeit Richtung Deutschland. Nach der Schulausbildung in Karlsruhe, studierte Horzinek zuerst an der Justus-Liebig Universität in Gießen und ab 1958 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, wo er 1962 promoviert wurde.

In Hannover begann auch seine Forschungstätigkeit als Virologe. Horzinek war in Folge maßgeblich am Aufbau des Lehrstuhls für Veterinärmedizinische Virologie an der Tierärztlichen Hochschule beteiligt. Nach einem Forschungsaufenthalt in Caracas, Venezuela, arbeitete er bis 1970 wieder in Deutschland, und zwar als Leiter der Abteilung für exotische Virusinfektionen der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen. Im selben Jahr habilitierte er im Fach Virologie und wurde 1971 auf den Lehrstuhl für Virologie und Viruskrankheiten der Tierärztlichen Fakultät der Universität Utrecht, Niederlande, berufen. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 blieb Horzinek der Leiter des dortigen Fachbereichs Virologie. Ende Juli verstarb der vielfach ausgezeichnete und erfolgreiche Veterinärmediziner und Forscher nun im 80. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit in seiner Wahlheimat, den Niederlanden.

Anerkannter Spezialist für virale Katzenkrankheiten

Das wissenschaftliche Interesse Horzineks galt unter anderem der viralen Evolution, der Ausbreitung und dem Krankheitsverlauf von Virusinfektionen bei diversen Tierarten, sowie der vergleichenden Virologie. Beispiele für seine Forschungsthemen sind die Bestimmung und Klassifizierung von Pesti-, Arteri- und Toroviren sowie Sturkturanalysen des klassischen Schweinepestvirus. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war seine Arbeit auf dem Gebiet der Coronaviren mit Fokus auf Infektionen bei der Katze. Seine Erkenntnisse über Coronaviren und das Immundefizienzvirus festigten Horzineks Ruf als Spezialist für feline Viruserkrankungen. Seine Reputation nutzte er auch für die internationale Positionierung veterinärmedizinischer Forschung in der Biomedizin.

Eine „universelle“ Person der Wissenschaft

 Der zweifache Vater galt als ein Forscher mit Mut zur Veränderung und Flexibilität. Neben der Arbeit im Labor suchte Horzinek stets den Kontakt zur tierärztlichen Praxis. Er war stets offen für neue Technologien und Informationskanäle. Dies verdeutlicht das von ihm gegründete Online-Journal „Veterinary Sciences Tomorrow“, das eine zukunftsorientierte, wissenschaftliche Plattform darstellt. Ähnliches Engagement und Zukunftsdenken zeigte Horzinek bei der Förderung und Ausbildung von Nachwuchswissenschaftern.

In einer Laudatio der Universität Gent wurde er einmal treffend als „universal person“, also eine weltgewandte und -offene Persönlichkeit, beschrieben. Horzinek sprach mit Holländisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch fünf Sprachen fließend. Mit Afrikaans, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Polnisch und Latein konnte er sechs weitere lesen. Dadurch vermochte er sein Wissen und seine Erfahrung weltweit erfolgreich zu vermitteln. Horzinek stellte seine fachliche Kompetenz zahlreichen internationalen Beratungsgremien zur Verfügung, unter anderem als Chairman der Vaccination Guidelines Group (VGG) of the World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) und des European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD). Seine Kontakte und seine soziale Kompetenz nutzte er, um erfolgreiche Netzwerke zwischen Universitäten, Unternehmen und Organisationen zu knüpfen. Als ambitionierter Redner war er außerdem eine Bereicherung für viele wissenschaftliche Veranstaltungen und Gastkurse an internationalen Universitäten.

Weltweites Engagement

Neben seinem Engagement in Utrecht – er war dort Vorsitzender des Department of Infectious Diseases and Immunology, sowie Direktor der Graduate School of Animal Health war er auch Gastprofessor in Hannover, ehrenamtlicher Professor  an der Cornell University in New York und „clinical professor“ der University of California in Davis, Kalifornien.

Der Veterinärmedizinischen Universität Wien stand Horzinek als Mitglied des ersten Universitätsrates nach dem Universitätsgesetz 2002 und von 2002 bis 2012 als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats zur Seite. In dieser Funktion setzte er sich unter anderem für die wissenschaftliche Schwerpunktbildung der Vetmeduni, die Stärkung des Forschungsprofils der Kliniken und den Ausbau des Lehr- und Forschungsgutes Kermesberg ein. 2011 würdigte die Vetmeduni Vienna sein Engagement mit dem selten verliehenen Ehrendoktorat. Neben Wien war Horzinek noch Ehrendoktor der Universitäten Gent, Uppsala, Guelph und Hannover. 2001 wurde ihm der Niederländische Löwenorden verliehen, 2012 das Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft der Republik Österreich.

Großer Verlust für die Tiermedizin

Mit dem Tod von Marian Horzinek verlieren die Tiermedizin und die Virologie einen international fachlich und persönlich hoch angesehenen Kollegen. Er wird uns als vielseitiger Wissenschafter, geistreicher Gesprächspartner, ambitionierter Vortragender und großes Vorbild für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Erinnerung bleiben.

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