10 Jahre Graf-Lehndorff-Institut der Vetmeduni Vienna am Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse)

Zentrum der Neustädter Gestüte und Sitz der Gestütsverwaltung ist das Landstallmeisterhaus aus dem 18. Jahrhundert im Stil des „Corps de logis“, einer französischen Palastbauweise. Foto: Christine Aurich/Vetmeduni Vienna

Zentrum der Neustädter Gestüte und Sitz der Gestütsverwaltung ist das Landstallmeisterhaus  1

Aus VETMED 03/2017 – Heuer jährt sich zum zehnten Mal die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen der Vetmeduni Vienna und der Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt, die zur Einrichtung des Graf-Lehndorff-Instituts in Neustadt (Dosse), Deutschland, führte. Im Jahr 2009 konnte das Institut seine jetzigen Räume im neugebauten Zentrum für Pferdereproduktion und Ausbildung beziehen.

Geforscht wird am Graf-Lehndorff-Institut zu Reproduktionsmedizin und Pferdezucht sowie zu Tierschutz, Pferdehaltung und Reitlehre. Nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags im Oktober 2007 stellte das Haupt- und Landge­stüt Untersuchungsräume, Büros und Wohnungen zur Verfügung, während die Vetmeduni Vienna Stellen für zwei StammwissenschafterInnen des Instituts schuf. Eine dritte, tierärztliche Stelle ist dienstleistungsorientiert und wird vom Gestüt finanziert. Dazu kommen PraktikantInnen, DiplomandInnen, DissertantInnen und ProjektmitarbeiterInnen aus Österreich, Deutschland und weiteren Ländern. Geleitet wird das Institut von Christine Aurich aus der Besamungs- und Embryotransferstation der Vetmeduni Vienna.

Forschungspublikationen ausgezeichnet

Fast 50 internationale Forschungspublikationen sind bisher aus dem Institut erschienen, seit 2008 erfolgten sieben Dissertationen und eine Habilitation. „Dazu kommen eine große Zahl an Vortragsabstracts, populärwissenschaftli­chen Veröffentlichungen sowie Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten“, erklärt Institutsleiterin Christine Aurich. „Die Dissertation von Alice Schmidt zu Transportstress bei Pferden wurde mit dem renommierten Tierschutzpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Stephanie Pasing erhielt für ihre PhD-Thesis zur Samenqualität beim Hengst eine Auszeichnung der deutschen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd.“

Tierärztlicher Service für prämierte Zuchtpferde

In der Dienstleistung betreut das Team des Graf-Lehndorff-Instituts die Zentrale Pferdebesamungsstation und den Embryotransfer in Neustadt (Dosse). „Damit kann Züchterinnen und Züchtern ganztägig ein tierärztlicher Service angeboten und insbesondere die Betreuung von Stuten mit Fruchtbarkeitsproblemen intensiviert werden“, so Aurich. Aus dem Embryotransfer in Neustadt stammen inzwischen zahlreiche hochprämierte Zuchtpferde und erfolgreiche Auktionspferde. Seit 2015 sind die Neustädter Gestüte und das Lehndorff-Institut zudem eine staatlich anerkannte Ausbildungseinrich­tung für Besamungsbeauftragte. „Die vierwöchige Ausbildung setzt eine abgeschlossene Pferdewirtschaftslehre oder ein fachrelevantes Studium voraus“, führt die Institutsleiterin aus. „Nach Absolvierung einer EU-weit anerkannten staatlichen Prüfung dürfen die Absolventinnen und Absolventen als Besamungsbeauftragte tätig werden.“

Studierende bekommen Einblicke ins Berufsleben

In der universitären Lehre beteiligt sich das Graf-Lehndorff-Institut an der Ausbildung von Studierenden der Tiermedizin und der Pferdewissenschaften. „Da die Vetmeduni Vienna Studierende nicht nur im Hörsaal ausbildet, sondern möglichst frühzeitig in Kontakt mit der Berufspraxis bringen möchte, werden künftig noch mehr Studierende die Möglichkeit erhalten, am Graf-Lehndorff-Insti­tut erste Einblicke ins Berufsleben zu bekommen“, berichtet Aurich. „Dabei werden sie das Team der Neustädter Pferde­besa­mungs­station unterstützen.“ Zusammen mit dem Haupt- und Landgestüt führt das Insti­tut über die studentische Lehre hinaus regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen rund um das Pferd durch. „Die jährli­che TierärztInnentagung im Frühjahr hat inzwischen ein überregionales Stammpublikum und zusammen mit dem Kuratorium für Hippologische Sachverständige, SVK, werden regelmäßig Fortbil­dungstagungen für Ge­richtsgutachter und Sachverständige angeboten“, resümiert Aurich. „Diese Veranstaltungen dienen dem fachli­chen Gedankenaustausch, bringen aber auch Menschen aus ganz Deutsch­land und den Nachbar­ländern nach Neustadt.“

Internationaler Forschungsstandort

Institutsleiterin Aurich sieht die Zukunft des Instituts in Lehre und Forschung: „In den nächsten Jahren sollen nicht nur die universitäre Lehre und Weiterbildung am Graf-Lehndorff-Institut ausgebaut, sondern Neustadt auch als Forschungsstandort weiterentwickelt werden. Das Spektrum der Wissenschaft wird internationaler und neben Forschenden aus Deutschland und Österreich haben WissenschafterInnen der schwedischen Universität Uppsala aufgrund der guten Arbeitsmöglichkeiten zunehmendes Interesse, Forschungsprojekte am Graf-Lehndorff-Institut durchzuführen.“ Auch im 21. Jahrhundert werden das Graf-Lehndorff-Institut sowie das Haupt- und Landge­stüt Neustadt (Dosse) damit dem Wahlspruch gerecht, den der preußische König Friedrich Wilhelm IV im Jahr 1788 den Neustädter Gestüten mit auf den Weg gab: „Zum Besten des Landes“.

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