Ruanda, das Land der tausend Hügel, erhält eine private Tierklinik

Land der tausend Hügel: Kühe stellen eine wichtige Lebensgrundlage für die Menschen in Ruanda dar. Tierseuchen wie Tuberkulose oder Brucellose sind noch weit verbreitet. Foto: Christine Iben/Vetmeduni Vienna

Land der tausend Hügel: Kühe stellen eine wichtige Lebensgrundlage für die Menschen in Ruanda dar. Tierseuchen wie Tuberkulose oder Brucellose sind noch weit verbreitet. Foto: Christine Iben/Vetmeduni Vienna 1

Studentin Anika Lohnherr unterstützt bei der Wundversorgung eines Schafes. Foto: Christina Öllerer

Studentin Anika Lohnherr unterstützt bei der Wundversorgung eines Schafes. Foto: Christina Öllerer 2

TierärztInnen und Studierende aus Ruanda werden am New Vision Veterinary Hospital von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna (u.a. von Christine Iben und Doris Verhovsek, beide Bildmitte) intensiv in Diagnostik, Tierernährung und Hygiene geschult. Foto: Christine Iben/Vetmeduni Vienna

TierärztInnen und Studierende aus Ruanda werden am New Vision Veterinary Hospital von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna (u.a. von Christine Iben und Doris Verhovsek, beide Bildmitte) intensiv in Diagnostik, Tierernährung und Hygiene geschult. Foto:  3

Aus VETMED 01/2018 – WissenschafterInnen und Studierende der Vetmeduni Vienna unterstützen beim Aufbau der ersten privaten Tierklinik in Ruanda.

45 Minuten Dauerlauf bis zum Arbeitsplatz durch die hügelige Landschaft am Fuße der Virunga-Vulkane, das klingt anstrengend, aber auch beeindruckend. Für vier Studierende der Vetmeduni Vienna war es vor allem eine Abwechslung zum Studienalltag und Teil einer spannenden Erfahrung. Die vier, Christina Öllerer, Anika Lohnherr, Cornelia Wadlig und Mathias Hofmann, absolvierten im Sommer 2017 ein Praktikum am New Vision Veterinary Hospital (NVVH) in Ruanda. Sie unterstützten dort das Klinikteam und den Großtierarzt und konnten sich bei einem Kastrationsprojekt mit Tollwutimpfung auf vielfältige Weise einbringen. Das Tierspital selbst ist ein Novum für Ruanda. Es ist die erste privat geführte veterinärmedizinische Klinik des Landes mit einer für die Studierenden überraschend gut ausgestatteten Ordination.

Alumnus initiiert Tierklinik

Ins Leben rief das Tierspital ein Alumnus der Vetmeduni Vienna, der niederösterreichische Tierarzt Otto Fischer. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Region. Sein Einsatz gilt vor allem Waisenkindern, denen er ein sicheres Zuhause bietet und mit Bildungsangeboten trotz schwieriger Umstände eine Lebensperspektive ermöglicht. Gemeinsam mit seinen UnterstützerInnen hat er mit seiner Initiative Future for Kids bereits eine Schule, eine Bibliothek, ein Zentrum für die Berufsausbildung und ein Waisenhaus errichtet. Bei seiner Arbeit wurde er immer wieder mit der unzureichenden medizinischen Versorgung von Tieren und problematischen Haltungsbedingungen konfrontiert. „Die Gesundheit von Tier und Mensch hängen untrennbar zusammen. Hilfe für die Tiere bedeutet auch Hilfe für die Menschen. Also war es naheliegend, eine Einrichtung zu schaffen, die die tierärztliche Versorgung auf ein neues Niveau hebt“, erklärt Fischer seine Motivation. Seit der Klinikeröffnung im Juli 2016 wurde das New Vision Veterinary Hospital in Musanze, dessen Name die Gründungsidee erkennen lässt, zum Hoffnungsträger für Mensch und Tier.

Internationale Kooperation

Eine Tierklinik in Ruanda zu betreiben, bedeutet zuallererst Aufbau von Know-how. Denn die modernste technische Ausstattung ist vergebens, wenn die Kompetenz fehlt, sie zu bedienen. Den vor Ort ausgebildeten TierärztInnen, die ihr Wissen fast ausschließlich aus Büchern beziehen, mangelt es an praktisch-klinischen Fähigkeiten, um Diagnosen zu erstellen und die Patienten zielführend zu behandeln. Die Vetmeduni Vienna hat daher mit der Universität von Ruanda und dem New Vision Veterinary Hospital auf Initiative von Otto Fischer eine Kooperation abgeschlossen. Das gemeinsame Ziel ist, das fehlende veterinärmedizinische Know-how nach Ruanda zu bringen. Über Fischers Initiative Friends of Rwanda Veterinary Project sollen TierärtzInnen aus Österreich und dem Ausland der Klinik Zeit und Know-how zur Verfügung stellen. Diese wurde durch eine Schweizer Stiftung finanziert, die auch den laufenden Betrieb unterstützt.

Gelebter Wissenstransfer

Die Zusammenarbeit zwischen der Vetmeduni Vienna und den ruandischen Partnern ist mittlerweile voll angelaufen. Im Sommer 2017 machten sich nicht nur die vier Studentinnen, sondern auch vier MitarbeiterInnen auf den Weg nach Ruanda. Mit dabei war Christine Iben vom Institut für Tierernährung, die vor einigen Jahren schon Erfahrungen mit Ruanda machte: „Im Vorfeld der Klinikerrichtung gab es bereits 2015 ein Pilotprojekt, bei dem drei TierärztInnen aus Ruanda ein sechsmonatiges Intensiv-Training an unserer Uni erhielten. Sie wurden vor allem in den Bereichen der mikrobiologischen und parasitologischen Diagnostik geschult und konnten so ihr neu erworbenes Wissen von Beginn an in den Spitalsbetrieb in Musanze einbringen.“ Beim „Gegenbesuch“ in Ruanda nahmen neben Iben die Schweinemedizinerin Doris Verhovsek, Geflügelmediziner Basel Khayal sowie der Mikrobiologe Igor Loncaric teil. Mit im Gepäck hatten sie ein intensives und abwechslungsreiches Trainingsprogramm, das die ruandischen KollegInnen fit für den Klinikalltag und für die tierärztliche Tätigkeit in den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben machen wird.

Einprägsame Patientenfälle

Gemeinsam mit den VeterinärmedizinerInnen vor Ort besuchten die WissenschafterInnen und Studierenden Schweine-, Geflügel-, Schaf- oder Rinderbetriebe. Infektionskrankheiten wie Brucellose oder Tuberkulose, die österreichische Studierende oft nur aus dem Lehrbuch kennen, sind in Ruanda noch weit verbreitet. „Wir hatten die seltene Gelegenheit, die klinischen Symptome von Brucellose bei einem Rind zu sehen. So ein echter Fall ist eine wertvolle Erfahrung, das war sehr einprägsam“, erinnert sich Studentin Christina Öllerer. Seuchenprävention ist in Ruanda noch ein Fremdwort. Es fehlt an einem breiten Bewusstsein. Die ExpertInnen der Vetmeduni Vienna widmeten daher viel Zeit und Aufmerksamkeit der Schulung von Hygienemaßnahmen.

Mehr Labordiagnostik, weniger Antibiotika

Zusätzlich führten die WissenschafterInnen praktische Workshops, etwa zum Thema Antibiotika-Resistenzen, durch. Die geschulten TierärztInnen sind in der Lage, die Ergebnisse zu interpretieren, und haben eine Entscheidungsgrundlage, bevor Antibiotika sorglos eingesetzt werden. Je umsichtiger sie Antibiotika verwenden, desto besser sind Mensch und Tier vor gefährlichen, resistenten Keimen geschützt.

Praktikum als Erfahrungsschatz

Die vier StudentInnen aus Österreich haben während ihres Praktikums nicht nur gelernt, wie man ohne Hightech-Ausstattung Diagnostik ausführt, sondern auch, welche Prozesse es für einen organisierten Klinikbetrieb braucht. „Das abwechslungsreiche Praktikum im New Vision Veterinary Hospital und das Leben und Arbeiten in einem völlig fremden Land, das noch nahezu frei von Tourismus ist, das alles hat es ermöglicht, dass wir nun unglaublich reich an Erfahrungen aus einem der ärmsten Länder Afrikas nach Wien zurückkehrten“, resümiert Anika Lohnherr, die jetzt ihr Studium an der Vetmeduni Vienna fortsetzt. Sie und ihre PraktikumskollegInnen blicken wehmütig zurück auf ihre Zeit in Ruanda und werden nicht müde, ihre KollegInnen zu einem Auslandsaufenthalt zu motivieren.

Internationaler Austausche wird unterstützt


Das Büro für Internationale Beziehungen (BIB) 4 ist die erste Anlaufstelle für MitarbeiterInnen und Studierende, die einen Auslandsaufenthalt planen. Unterstützung finden Studierende, wenn sie ihr Praktikum, einen Teil ihres Studiums oder ihre wissenschaftliche Arbeit im Ausland absolvieren möchten. Das BIB unterstützt ebenso MitarbeiterInnen, die internationale Forschungs- und Lehraufenthalte oder Konferenzteilnahmen planen.

Informationen zum Förderangebot der Vetmeduni Vienna:
www.vetmeduni.ac.at/international 5

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