Die VetMediathek: Multimediales Archiv mit Zukunftsvision

Einblick in die Bilderwelt der Vetmeduni: Die VetMediathek ist das Multimediaarchiv der Vetmeduni Vienna: Verfügbarkeit, Bildqualität, Daten und Rechtssicherheit sind die Credos dieser Datenbank, die aktuell 95.000 Assets umfasst. Foto © Michael Bernkopf

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Aus VETMED 01/2019 - Im Jahr 2003 entstand die Idee, 10.000 Dias aus einer Klinik des Tierspitals zu digitalisieren, zu beschlagworten und sie damit rund um die Uhr verfügbar zu machen. Aus dieser Vision entwickelte sich eine campusweite MULTIMEDIADATENBANK, die inzwischen mehr als 95.000 Bilder, Videos, Audio- und PDF-Dateien sicher archiviert und den MitarbeiterInnen der Vetmeduni Vienna zur Verfügung stellt. Im Interview mit VETMED berichtet Michael Bernkopf, Projektleiter der VetMediathek, über die Möglichkeiten und Chancen, die diese Mediensammlung bietet.

VETMED: In der VetMediathek werden neben Fotos und Videos auch Audio- und PDF-Dateien archiviert, wie kam es zu dieser Multimediadatenbank?

 

Michael Bernkopf: Als Pilotprojekt der heutigen VetMediathek kann der Aufbau des Archivs der Universitätsklinik für Wiederkäuer zwischen 2003 und 2007 gesehen werden. Dort bestand ein Archiv aus der klinischen Praxis, das 10.000 Diapositive umfasst, welches der damalige Leiter der Klinik, Walter Baumgartner, digitalisiert und über den Computer verfügbar haben wollte. Diese Idee war im Bereich der veterinärmedizinischen Bilddokumentation visionär und so kam das Projekt ins Rollen.

Wie war die Vorgehensweise dabei?

Bernkopf: Die Dias wurden selektiert, nach einem definierten Workflow digitalisiert danach eine geeignete Software gesucht und auf dieser Basis ein clientbasiertes System zur Archivierung der wissenschaftlichen Medien geschaffen. Schritt für Schritt wurden Datenfelder und Beschlagwortungsmasken definiert, ein Thesaurus generiert und schließlich die einzelnen Dateien, Assets genannt, archiviert.

Ab wann waren die ersten Dateien verfügbar?

Bernkopf: Der Projektstart für die VetMediathek in ihrer jetzigen Form, also der campusweiten Version, erfolgte im Jahr 2011. Nach weiteren zwei Jahren Entwicklungsarbeit, in der alle Strukturen, ein ausgeklügeltes Berechtigungssystem und die zugehörigen Webseiten implementiert wurden, ging sie 2013 online.

Welche Struktur steckt hinter der Multimediadatenbank?

Bernkopf: Das Herz der VetMediathek ist die zentrale Datenbank, auf die über PC-Clients und drei Webseiten, Staff, Students und Public, rund um die Uhr zugegriffen werden kann. Dadurch haben wir getrennte Zugänge für MitarbeiterInnen, Studierende und externe UserInnen. Gemeinsam mit der autonomen Archiv-Verwaltung durch jede teilnehmende Organisationseinheit bietet die Datenbank ein hohes Maß an Sicherheit bei gleichzeitiger Flexibilität. Eine zentrale Rolle kommt den jeweiligen Admins zu: Sie verwalten die Assets der Abteilungen, importieren die Files, führen die Beschlagwortung durch und gewährleisten die Verfügbarkeit.

Welche spannenden Features gibt es?

Bernkopf: Unser primäres Anliegen ist das sichere, dauerhafte Archivieren aller Assets für Forschung, Lehre und andere Anwendungen wie Dokumentation, Öffentlichkeitsarbeit, Webseiten, Broschüren oder das VETMED Magazin. Der schon erwähnten Autonomie – Stichwort: Schutz eigener Forschungsdaten der einzelnen Einrichtungen – kommt dabei eine große Bedeutung zu. Die VetMediathek unterstützt aber auch die Zusammenarbeit, denn alle UserInnen können auf drei Sharing- Archive, die allen zur Verfügung stehen, zugreifen und individuelle Alben anlegen, die geteilt und gemeinsam genutzt werden können. Als sehr hilfreich werden zahlreiche Exportformate empfunden: verschiedene Bildgrößen und Auflösungen, die Markierung mittels Universitätslogo, eines schützenden Wasserzeichens oder mittels eines informativen Textblocks. Die Suche erfolgt wahlweise schnell und einfach nach Stichworten oder sehr detailliert nach Kriterien wie Medientyp, Hoch- oder Querformat, Farbmodell, Dateiendung etc. Suchabfragen und deren Ergebnisse sind außerdem als Projekte speicherbar und können als virtuelle, dynamisch befüllte Ordner angelegt werden.

Wenn ich Daten und Fotos nutzen möchte, wie komme ich daran?

Bernkopf: Alle MitarbeiterInnen haben über das Web Zugriff auf die genannten Sharing-Archive sowie auf das ihrer eigenen Klinik oder ihres Instituts. Abhängig von den jeweiligen Rechten können sie ausgewählte Assets entweder direkt herunterladen oder über das Shop-System via Einkaufswagenfunktion unter Angabe des Verwendungszwecks bestellen. Den Studierenden stehen ein Bild- und Videoarchiv sowie ein Archiv für PDF-Dateien mit Fallberichten zur Verfügung. Im Bildarchiv ist derzeit – auch aus Datenschutzgründen – nur die Ansicht möglich.

Was ist das Besondere an der VetMediathek?

Bernkopf: Die VetMediathek ist durch ihre Inhalte auch eine Dokumentation der neueren Geschichte der Universität. Sie enthält neben forschungsrelevanten Assets viele Zeugnisse des universitären Lebens und damit aller Menschen, die mit ihr verbunden sind. Ich persönlich schätze diesen Aspekt und erfreue mich gerne an den etwas älteren Bildern, die in der VetMediathek einen sicheren Aufbewahrungsort gefunden haben. Wir wollen systematisch archivieren, um alle Inhalte auffindbar zu machen und Synergien in der Forschung und Lehre zu nutzen. Ganz wichtig ist uns dabei die Wahrung der AutorInnenrechte. So ist bei jedem Bild der Autor oder die Autorin vermerkt und bei der Nutzung ist die Quellenangabe verpflichtend.

Welche Vision gibt es für die Datenbank?

Bernkopf: Zusätzlich zum Archivierungsgedanken wollen wir ein Bewusstsein für Medien und deren Wert für uns und unsere Gesellschaft schaffen. Qualitativ hochwertige Assets untermauern die wissenschaftliche Arbeit und unterstützen unsere Publikationen. Daher versuchen wir, durch Initiativen in den Bereichen Fotografie und Video, in der Bearbeitung (audio-)visueller Inhalte sowie beim Urheberrecht auch Wissen in der Medienproduktion zu vermitteln. Die Medienwerkstatt – ein Raum für Foto-, Film- und Audioproduktionen – ist ebenso ein Beispiel dafür wie die Workshops, die die Abteilung E-Learning und Neue Medien anbietet.

Spielt auch die veterinärmedizinische Geschichte eine Rolle bei der Archivierung?

Bernkopf: Die Vetmeduni Vienna ist die zweitälteste veterinärmedizinische Universität Europas. Dieser Historie verpflichtet würden wir auch gerne veterinärmedizinisch interessanten Bildern aus Privatbesitz eine Heimat bieten. Zeitzeugnisse, die sonst möglicherweise verloren gingen, fänden so einen Speicherort, wo sie im Sinne der Dokumentation erhalten und abrufbar blieben. Auf diese Weise könnte so etwas wie ein Archiv der Veterinärmedizin entstehen.

Vor welchen Herausforderungen steht die VetMediathek?

 

Bernkopf: Das Urheberrecht und speziell die Neuerungen durch die Datenschutz- Grundverordnung (DSGVO) stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Ich denke, es ist ein Symptom unserer Zeit, dass Regelungen, die sich primär gegen den Missbrauch von Daten im großen Stil durch internationale Medienkonzerne richten, auch den Bildungsbereich treffen. Aber auch diese Aufgabe werden wir meistern.

VetMediathek – Timeline & Hardfacts

VETMEDIATHEK Multimediadatenbank der Vetmeduni Vienna 2


TECHNIK
Digital Asset Management System (DAM),
Hardware: Windows® Server (3),
Software: Fotoware® (customized)

UMFANG
mehr als 95.000 Bilder, Videos, Audio- und PDF-Dateien

Timeline
2003 Start des Pilotprojekts „Aufbau eines digitalen Bildarchivs an der Klinik für Wiederkäuer“
2011 Projektstart der campusweiten Multimediadatenbank „VetMediathek“
2013 Die VetMediathek geht mit insgesamt acht Archiven online (Universitätsklinik für Wiederkäuer, Öffentlichkeitsarbeit, Anästhesie, Parasitologie, Historisches Archiv, Pathologie, Histologie, Bernkopf)
2018 Start der VetMediathek 2.0 mit Umzug auf die neuen Server (Fotoweb 8.0)
2019 Die VetMediathek verfügt über 22 Archive und insgesamt 95.000 Assets

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Kategorie: Magazin, Service, Forschung