Ruhig Blut: Neuer Wirkstoff verspricht verbesserte Narkosen bei Wildtieren

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Medizinische Eingriffe unter Anästhesie sind wie beim Menschen auch bei anderen Säugetieren eine häufige Notwendigkeit. Doch derzeit eingesetzte Wirkstoffkombinationen führen oft zu unerwünschten Nebenwirkungen, insbesondere zu schwerem Bluthochdruck. Ein neuer, Wirkstoff verspricht nun Abhilfe und mehr Sicherheit bei Anästhesien, wie eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna zeigt.

Sehr hoher Blutdruck und erniedrigte Herzfrequenz sind während der Narkose von Wildtieren ein großes Problem. Es handelt sich dabei um Nebenwirkungen einer Wirkstoffgruppe der alpha2-Agonisten, die in Kombination mit anderen Anästhetika maßgeblich in der Wildtiermedizin eingesetzt wird.

Ein internationales Wissenschaftsteam des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie, Klinische Abteilung für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin der Vetmeduni Vienna und der Universität Helsinki testete deshalb den Effekt der neuartigen Substanz Vatinoxan auf kardiovaskuläre Parameter bei Hirschen (Cervus elaphus). Vatinoxan wurde an der Universität Helsinki entwickelt und soll die unerwünschten Nebenwirkungen von alpha2-Agonisten aufheben, die gewünschte Anästhesietiefe als auch die Schmerzausschaltung aber nicht beeinflussen.

Verbesserung der Anästhesiesicherheit

Dazu Studienleiterin Gabrielle Stalder vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna: „Im Ergebnis zeigte sich, dass Vatinoxan erfolgreich den Blutdruck reduzierte und die Herzfrequenz zwischenzeitlich erhöhte, ohne die gewünschten Wirkungen der Narkose zu beinträchtigen.“ Konkret linderte die intravenöse Gabe von Vatinoxan kardiovaskuläre Nebenwirkungen wie Bluthochdruck und Bradykardie bei mit der Wirkstoffkombination Medetomidin-Tiletamin-Zolazepam anästhetisierten Hirschen. Es zeigte sich dabei kein Effekt von Vatinoxan auf die  Tiefe der Anästhesie und auch keine Beeinträchtigung der Umkehrung der Sedierung durch Atipamezol in der Aufwachphase. „Die durch Vatinoxan verbesserte kardiovaskuläre Funktion kann die Anästhesiesicherheit verbessern und die anästhetischen Nebenwirkungen bei narkotisierten Wildtieren verringern“, so Stalder weiter.

Vatinoxan schlägt Kochsalz deutlich

Zur Evaluierung der Wirkung von Vatinoxan wurde den Hirschen jeweils pro Kilogramm Lebendgewicht eine Kombination von 0,1 mg Medetomidin-HCl und 2,5 mg Tiletamin-Zolazepam intramuskulär verabreicht, gefolgt von 0,1 mg pro Kilogramm Vatinoxan-HCl oder einem äquivalenten Volumen Kochsalzlösung intravenös 35 Minuten nach der Induktion. Die Herzfrequenz, der arterielle Blutdruck, die Atemfrequenz, die arterielle Sauerstoffsättigung, der CO2-Gehalt der Atemluft, die Rektaltemperatur und die Narkosetiefe wurden vor der Gabe der – wirkungslosen und Vergleichszwecken dienenden – Kochsalzlösung bzw. der Vatinoxan-Verabreichung bestimmt und danach in Intervallen von 5 Minuten gemessen.

Weniger Nebenwirkungen trotz hoher Wirkstoffdosierung

Chemische Immobilisierung und Anästhesie sind für medizinische Eingriffe an Wildtieren häufig unerlässlich. Die Einleitung und Erhaltung einer balancierten Anästhesie durch injizierbare Anästhetika erfordert jedoch häufig hohe Dosen von bestimmten Arzneimittelkombinationen. Dies kann bei Wildtierarten wie den in der vorliegenden Studie untersuchten Hirschen zu schwerem Bluthochdruck und erniedrigter Herzfrequenz führen. Mit dem neuen Wirkstoff Vatinoxan wurde nun eine Lösung für dieses Problem gefunden.

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