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Glückliche Tiere: Klarheit im Tierschutz

06.08.2020: „Positive welfare“ und verwandte Begriffe wie „good welfare“, „happiness“ und „good life“ werden in der Tierschutzwissenschaft zunehmend verwendet. Unterstrichen werden damit die Vorteile, die sich für Tiere aus positiven Erfahrungen ergeben. Allerdings werden die unterschiedlichen Termini nicht immer klar definiert oder von ForscherInnen nicht immer mit derselben Bedeutung verwendet. WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna und der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) haben deshalb vorgeschlagen, einen neuen Rahmen zu entwickeln, mit dem Ziel, die Forschung zum positiven Tierschutz zu harmonisieren und eine gemeinsame Sprache zu sprechen.

Beim Thema „positive welfare“ geht es darum, was im Tierschutz proaktiv für das Wohlbefinden von Tieren getan werden kann. Aufgrund der Analyse vorliegender wissenschaftlicher Arbeiten in diesem Bereich identifizierten Wiener ForscherInnen zwei eindeutig abgrenzbare Zugänge, wie dieser Zustand erreicht werden kann: „hedonic positive welfare“ („hedonistisches positives Wohlergehen“), wenn die Tiere tun, was sie wollen, sowie „positive welfare balance“ („positives Wohlfahrtsgleichgewicht“), was bedeutet, dass sich das Tier in guten und schlechten Zeiten insgesamt wohlfühlt. „Eudaimonia“ – „Zufriedenheit mit dem eigenen Leben“, ist eine mögliche neue dritte Sichtweise, die die Forscher in die Tierschutzwissenschaft einführen.

Das „Vienna Framework“ für eine besser strukturierte Tierwohlforschung

Auf dieser Grundlage schlagen die WissenschafterInnen in ihrem soeben in „Frontiers in Veterinary Science“ erschienenen Artikel einen Rahmen vor, der die Forschung zu „positive welfare“ besser strukturieren soll. „In der wissenschaftlichen Literatur gibt es eine Vielzahl an Begriffen und Perspektiven zum Thema „positive welfare“. Um hier für mehr Klarheit zu sorgen, schlagen wir die Nutzung des „Vienna Frameworks“ vor, das auf die verschiedenen Ansichten anwendbar ist und diese für andere WissenschafterInnen eindeutig nachvollziehbar macht“, so Erstautor Jean-Loup Rault, Leiter des Instituts für Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung der Vetmeduni Vienna. Die einzelnen Parameter wurden aus der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur abgeleitet und konzentrieren sich auf die Frage „Was ist wichtig für „positive welfare“?. Obwohl das „Vienna Framework“ für den Forschungsbereich „positive welfare“ entwickelt wurde, ist es laut den ForscherInnen in der Tierschutzforschung im Allgemeinen anwendbar.

Flexibler Rahmen als neuer „Motor“ für die Tierwohlforschung

Das „Vienna Framework“ umreißt verschiedene Aspekte wie Häufigkeit, Dauer, Erregung, Kontext, frühere Erfahrungen, individuelle Unterschiede, die den Tieren ein Gefühl von Entscheidungsfreiheit vermitteln, und den langfristigen Nutzen für das Tier. Das Rahmenwerk soll ForscherInnen ermutigen, die Relevanz dieser Aspekte für ihre eigene Forschung zu berücksichtigen, um ihre Forschungsergebnisse besser vergleichbar zu machen, indem sie klar darlegen, wie ihre Arbeit diesen Ansichten und Aspekten entspricht. Außerdem weisen die ForscherInnen explizit darauf hin, dass das „Vienna Framework“ flexibel genug ist, um an individuelle Forschungsfragen angepasst zu werden.

Der Artikel „Positive Welfare and the Like: Distinct Views and a Proposed Framework“ von Jean-Loup Rault, Sara Hintze, Irene Camerlink und Jason Richard Yee wurde in Frontiers in Veterinary Science veröffentlicht.