Professionseigene Moral der Veterinärmedizin

PhD-Projekt von Svenja Springer

Künstliche Hüftgelenke, Dialyse, Herzschrittmacher, bildgebende Verfahren und florierende Zweig der Onkologie sind mittlerweile integraler Bestandteil der heutigen Tiermedizin. In diesem Projekt wird vor dem Hintergrund neuer Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie die Frage gestellt, inwiefern die „Internal Morality“ der veterinärmedizinischen Profession durch Hightech Veränderungen unterworfen ist. Dabei steht im Zentrum, dass Tierärzte und Tierbesitzer durch die neuen technischen Möglichkeiten mit moralischen Ungewissheiten und Herausforderungen konfrontiert sind. Dementsprechend steht die ethische Analyse im Fokus des Projektes: Inwieweit besteht eine moralische Verantwortung Hightech zu verwenden, um Krankheiten so schnell und sicher wie möglich zu diagnostizieren? Ist es legitim Hightech nicht zu verwenden, wenn die Unterlassung Auswirkungen auf die Diagnose und Therapie des Patienten hat? Ist der Tierbesitzer moralisch dazu verpflichtet Hightech zu verwenden, auch wenn seine finanziellen Kapazitäten limitiert sind? In diesem Projekt sollen mit Hilfe von Fragestellungen zu Hightech in der tiermedizinischen Praxis zentrale Elemente des moralischen Selbstverständnisses der Profession beschrieben und analysiert werden.

Als Anwendungsfall und Untersuchungsfeld wird die veterinärmedizinische Onkologie dienen. Dabei ist die Hypothese, dass durch die Auseinandersetzung von Veterinärmedizinern mit Hightech Unsicherheiten innerhalb der veterinärmedizinischen Praxis explizit gemacht und moralische Konflikte besser verstehbar werden. Im ersten Teil des Projektes wird die theoretische Grundlage für den empirischen zweiten Teil des Projektes erarbeitet. Der theoretische Teil konzentriert sich auf wesentliche Aspekte veterinärmedizinischer Ethik (key aspects in veterinary ethics). Dabei stehen die Beziehung zwischen Tierarzt, Tierbesitzer und dem Patiententier, medizinische Konzepte veterinärmedizinischer Handlungen (z.B. Diagnose und Therapie) und externe Einflussfaktoren (z.B. finanzielle Möglichkeiten seitens des Besitzers) im Fokus. Diese Aspekte (key aspects in veterinary ethics) dienen dazu, Fallbeispiele für die darauffolgende Fokusgruppen-Studie im empirischen Teil zu entwickeln. Die Ergebnisse der Fokusgruppen-Studie werden verwendet, um Hypothesen für die anschließende Fragebogenstudie zu generieren. Diese Fragebogenstudie wird mit praktischen Tierärzten österreichweit durchgeführt. Mit dem Blick auf die erhobenen Überzeugungen und Einstellungen von Tierärzten soll die „Internal Morality“ mit Bezug auf Hightech-Veterinärmedizin empirisch informiert beschrieben und analysiert werden. Damit reagiert dieses Projekt auf die fehlende empirische Basis der wissenschaftlichen Reflexion ethischer Konflikte im Rahmen von Hightech in der Tiermedizin.

Folglich soll dieses Projekt zu einem besseren und empirisch informierten Verständnis beschriebener Konflikte und ethischer Dilemmata beitragen, mit denen Tierärzte konfrontiert sind. Zudem werden die Ergebnisse nicht nur einen Beitrag für Wissenschaftler sondern auch für Lehrende im Bereich der veterinärmedizinischen Ethik leisten und von Interesse sein.

Projektlaufzeit: Juli 2017 – Mai 2020

Projektnummer: P 29974

Finanziert durch den FWF

  

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