Selektive Überimitation bei Hunden

Hunde haben nicht nur verschiedene Arten des sozialen Lernens gezeigt, entweder von Artgenossen oder von Menschen, einschließlich der Nachahmung von Do-as-I-Do, der verzögerten Nachahmung und der selektiven Nachahmung, sondern in früheren Studien haben sie auch die Bereitschaft gezeigt, kausal irrelevante Handlungen zu kopieren. Diese so genannte Überimitation ist beim Menschen weit verbreitet, aber bei Menschenaffen fehlt sie völlig. In einer früheren Studie, die im Clever Dog Lab durchgeführt wurde, kopierten eine angemessene Anzahl von Hunden die irrelevanten Handlungen von ihrem menschlichen Betreuer (Huber, Popovová, Riener, Salobir, & Cimarelli in Learning & Behavior, 46, 387-397, 2018). Hunde sind nicht nur domestiziert worden, um mit uns zu leben und zu arbeiten, sondern viele Begleithunde entwickeln starke affiliative Beziehungen zu ihrer Bezugsperson, die den Bindungsbeziehungen zwischen menschlichen Kindern und ihrer Mutter ähneln. Wir nahmen daher an, dass die Überimitation bei Hunden stark durch soziale Faktoren wie Zugehörigkeit oder Konformität motiviert sein könnte. Um diese Hypothese zu testen, konfrontierten wir Hunde mit der gleichen Demonstration kausal relevanter und irrelevanter Handlungen wie in der vorherigen Studie, aber diesmal mit einem unbekannten Experimentator statt mit der Bezugsperson als Demonstrator. Die Ergebnisse unterstützten unsere Hypothese nachdrücklich: Während die Hälfte der Versuchspersonen in der vorherigen Studie die kausal irrelevante Handlung ihrer Betreuerin wiederholte, taten dies nur sehr wenige, wenn die Handlungen von der Experimentatorin demonstriert wurden. Wir schlossen daraus, dass die Bereitschaft von Hunden, von Menschen zu lernen und sogar unnötige Handlungen zu kopieren, durch ihre Beziehung zu dem jeweiligen Menschen stark gefördert wird. 

 

Der Artikel 1 „Selective overimitation in dogs“ von Ludwig Huber, Kaja Salobir, Roger Mundry und Giulia Cimarelli wurde am 23 Jänner 2020 in Learning & Behavior (Seiten 1–11) veröffentlicht.

Die Experimentatorin Kaja Salobir zeigt einem Hund eine irrelevante Aktion (das Berühren von Farbpunkten an der Wand)
(c)Vetmeduni/KajaSalobir
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