Überwachung von Hämosporiden-Infektionen durch Monitoring toter Vögel

In einem aktuellen vom FWF geförderten Projekt untersuchen wir, ob Infektionen mit verschiedenen Blutparasiten (Plasmodium, Haemoproteus, Leucocytozoon) häufiger für schwere Krankheiten und Todesfälle bei verschiedenen Arten einheimischer Wildvögel verantwortlich sind als bisher vermutet. Die aktuell verfügbaren Proben könnten aufgrund der Vorselektion ein verfälschtes Bild geben, da die meisten von ihnen von Vögeln stammen, die (1) während Epidemien der tödlichen Usutu-Virusinfektion beprobt wurden, (2) einer Vogelklinik zum Zweck einer Behandlung vorgestellt wurden und (3) oder im Rahmen von Fängen bei Beringungs-Kampagnen verstorben sind. In dieser Sammlung (bestehend aus ca. 1000 Individuen) sind bestimmte Vogelfamilien, darunter Stelzen, Lerchen, Spechte, Meisen, Sperlinge, Ammern und Finken stark unterrepräsentiert. Um diese Verzerrung teilweise aufzulösen, schlagen wir einen Citizen Science Ansatz für die Meldung und Sammlung insbesondere von Vogelkadavern der oben genannten Familien zur Bestimmung von Hämosporidien-Infektionen vor.

Wir gehen davon aus, dass die Beteiligung von Bürgern (Crowdsourcing) an der Meldung, Identifizierung und Einsendung von toten Vögeln ein wirksames Instrument ist, um eine ausreichende Anzahl erforderlicher Vogelarten für die Hämosporidienforschung zu generieren.

Ziel dieses Projekts ist es, Zugang zu Körpern toter Vögel für die wissenschaftliche Aufarbeitung zu erhalten. Die potenziell hohe Zahl von Menschen mit Interesse an Vogelbeobachtung und Naturschutz wird durch Pressemitteilungen, Web- und Social Media-basierte Informationen und in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Vogelschutzverband BirdLife dazu angeregt, tote Vögel zu melden und Tierkörper zu übersenden.

Citizen Science wurde erfolgreich in Überwachungsprojekten für verschiedene Virus-, Bakterien- und Protozoeninfektionen von Wildvögeln eingesetzt. Im Zusammenhang mit Aviären Hämosporidien / Aviärer Malaria wurde dieser Ansatz bisher nicht angewandt, obwohl wir ihn für ein leistungsfähiges Tool halten, um eine große Anzahl von Vogelkadavern für die wissenschaftliche Forschung verfügbar zu machen.

Das Projekt wird von Wissenschaftlern des Instituts für Pathologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien koordiniert und betreut. Dort besteht Erfahrung mit vergleichbaren Citizen Science Projekten, die zur Sammlung einer großen Anzahl von Vögeln der Familie der Drosseln (vor allem Amseln) während einer Usutu-Virus Überwachung führten.

Ergebnisse der Untersuchung von eingesendeten Vogelkadavern auf Hämosporidien (Zeitraum 01.06.-09.09.2020)

Familie

Art

Anzahl

PCR-Ergebnis

Spechte

Grünspecht

6

negativ

 

Buntspecht

5

negativ

 

Mittelspecht

1

negativ

 

andere

1

negativ

Meisen

Kohlmeise

8

4  positiv

 

Blaumeise

3

3  positiv

 

andere

1

negativ

Sperlinge

Haussperling

2

negativ

 

Feldsperling

1

negativ

 

andere

3

negativ

Finken

Stieglitz

6

1  positiv

 

Grünfink

5

negativ

 

Buchfink

7

7  positiv

 

Kernbeißer

3

3  positiv

 

Gimpel

1

1  positiv

 

Girlitz

1

negativ

Fliegenschnäpper

Hausrotschwanz

3

negativ

Schwalben

Rauchschwalbe

5

negativ

Grasmücken

Mönchsgrasmücke

1

negativ

 

andere

1

negativ

Drosseln

Singdrossel

1

negativ

andere

Art unbestimmt

2

negativ

 

gesamt

67

19  positiv

Mitarbeiter:
Univ.-Prof. Dr. Herbert Weissenböck, Dipl.ECPHM, Projektleitung 1
Dr. Josef Harl, Postdoc 2
MMag. Tanja Himmel PhD 3

Kooperationspartner:
StadtWildTiere 4
WildeNachbarn 5
BirdLife 6

Projektzeitraum: 06/2020 - 10/2020

Finanzierung:
FWF - Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung 7

 

  

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T +43 1 25077-2401
F +43 1 25077-2490

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