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Wertvolle Lebensräume: Vögel sind echte Bahn-Fans

Auch aufgelassen und ungenützt schlägt die Bahn die Straße ökologisch deutlich. Das zeigt eine soeben in „Agriculture, Ecosystems and Environment“ veröffentlichte polnisch-österreichische Studie unter Leitung von Marcin Tobolka des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni, die aufgelassene Bahnstrecken hinsichtlich ihrer Qualität als Habitat für Vögel untersuchte. Vögel finden hier einen attraktiven Lebensraum vor, der vielfältige Möglichkeiten bietet und eine beachtliche Biodiversität aufweist. Von großer Relevanz ist dieser Lebensraum vor allem dort, wo Vögel aufgrund intensiver Landwirtschaft aus ihren angestammten Habitaten vertrieben werden.

Im Rahmen ihres ganzjährigen Untersuchungszeitraum erfassten die Wissenschafter 9678 Individuen von 99 Vogelarten. An aufgelassenen Eisenbahnstrecken wurden 4614 Vögel aus 80 unterschiedlichen Arten gezählt, entlang von unbefestigten Straßen in Ackerbaugebieten waren es immerhin noch 3124 Individuen von 73 Arten, während auf Feldern nur 1940 Vögel aus 60 Arten gefunden wurden. 

Da solche Strukturen ein hohes Potenzial als alternative Lebensräume besitzen und für den Naturschutz von Vorteil sind, sollten diese im Rahmen von Landschaftsplanungsprogrammen berücksichtigt werden. Ungenutzte Eisenbahnstrecken können als eines von mehreren Instrumenten zur Minderung des Verlusts der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden, was laut den Studienautoren auch eines der Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union ist.

Der Artikel „Unused railway lines as a contributor to bird abundance, species richness and diversity in intensively managed farmland“ von Łukasz Dylewski und Marcin Tobolka wurde in „Agriculture, Ecosystems and Environment“ veröffentlicht.

Die Studie wurde vom National Science Center (Poland) unterstützt; Projekt 2016/21/N/NZ8/01289

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2022-05-03

Was das Wetter bringt, bestimmt das Leben von Wiedehopf-Küken

Über das Verhalten von Vögeln mit ihren Jungen im Nest gibt es bis dato überraschend wenig wissenschaftliche Informationen. Eine aktuelle internationale Studie unter Leitung von Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien belegt nun, dass der Einfluss des Wetters ein bestimmender Faktor ist, der sich auf Aspekte wie Brutleistung, Nahrungsangebot aber auch auf die Nestnutzung auswirkt.

Welchen Einfluss unterschiedliche Wetterbedingungen auf Brutleistung, Nahrungsangebot und Nestraumnutzung haben, untersuchte die Studie anhand von Wiedehopf-Küken (Upupa epops). Dazu Studienautor Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni: „Insbesondere der Ort der Futterübergabe durch die Eltern und die Beutegröße können zu einer unterschiedlichen Nistraumnutzung bei den Nestlingen führen. Die elterliche Fütterstrategie und die Größe der Beute werden wiederum von den Wetterbedingungen beeinflusst, welche den bedeutendsten Faktor für die Nutzung des Nestinnenraumes durch die Küken darstellen.“ Zudem liefert die Studie wichtige neue Erkenntnisse über die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Nachkommen.

Mit großer Beute versorgte Küken blieben jedoch bei jeder Wetterlage häufiger in einem weiter entfernten Nestbereich versteckt. Damit ist die Beute der wichtigste, die Nestraumnutzung direkt beeinflussende Faktor, was auf eine entscheidende Rolle großer Insekten für den Wiedehopf hindeutet. Zudem zeigte sich, dass langfristige Auswirkungen des Wetters die gesamte Nahrungsversorgung der Küken und damit auch ihr Verhalten beeinflussen. Es ist daher zu erwarten das Klimaänderungen Konsequenzen für den Bestand des Wiedehopfs haben werden.

Die Erkenntnisse sind laut dem Forschungsteam auch von großer Relevanz für den Naturschutz und liefern neue Erkenntnisse bezüglich theoretischer Grundlagen der Habitatauswahl.

Der Artikel „Influence of different weather aspects on breeding performance, food supply and nest‑space use in hoopoe offspring“ von Soňa Nuhlíčková, Ján Svetlík, Manfred Eckenfellner, Felix Knauer, Herbert Hoi wurde in „Behavioral Ecology and Sociobiology“ veröffentlicht.

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Erste Nisthilfen für den Steinkauz in Seebarn

Der Steinkauz war bis in die 1970er Jahre bei uns weit verbreitet. Heute ist diese kleine Eulenart eine der gefährdetsten Vogelarten Österreichs. Sein Bestand wurde bis vor kurzem nur noch auf etwa 100 Paare geschätzt, die überwiegend im Osten Österreichs vorkommen.

Die Zerstörung seiner Lebensräume durch die Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet den Steinkauz. Die Folge: Der Steinkauz findet keine Tagesverstecke und Nistplätze mehr. Da Steinkäuze ursprünglich Bewohner von Baumsteppen mit niedriger und spärlicher Vegetation sind, eignen sich Weingärten sehr gut als Ersatz für das Jagdrevier. Um die rückläufige Population des kleinen Kauzes zu unterstützen, beginnt die Vogelwarte nun Nistkästen in den Weinbergen rund um Seebarn zu installieren. Ziel ist eine deutliche Erhöhung des aktuellen Bestandes, man darf gespannt sein wie gut die Nisthilfen in den kommenden Jahren angenommen werden.

Die Anschaffung entscheidender Lebensraum Elemente kostet natürlich Geld. Jedes neue Steinkauz Revier braucht zwei Nistkästen und mindestens einen Tageseinstand. Sie können unsere Arbeit gerne unterstützen, wir freuen uns über jede noch so kleine Spende.

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2022-04-07

Ghrelin modifiziert das Migrationsverhalten in der Natur

Auf dem Zug halten die meisten Sperlingsvögel auf dem Weg, um sich auszuruhen und aufzutanken. Ein Netzwerk von Hormonen signalisiert dem Gehirn von Wirbeltieren die Verfügbarkeit von metabolischem Brennstoff, einschließlich des kürzlich entdeckten Darmhormons Ghrelin. Hier zeigen wir, dass Ghrelin an der Kontrolle des Migrationsverhaltens während des Frühjahrszugs in einem ziehenden Singvogel beteiligt ist. Wir verabreichten Ghrelin an während ihres Zwischenstopps gefangene Gelbrumpfsänger (Setophaga coronata coronata) und verfolgten ihre Bewegungen nach der Freilassung automatisch per Funk. Ghrelin veranlasste die Vögel schnell, sich von der Freisetzungsstelle zu entfernen, was darauf hindeutet, dass das Ghrelin-System zentral wirkt, um das Verlassen des Zwischenstopps zu vermitteln. Die Wirkungen der Hormonbehandlung ließen innerhalb von Stunden nach der Freilassung nach und hatten keinen Einfluss auf die Gesamtmigrationsrate. Diese Ergebnisse liefern experimentelle Beweise für eine zentrale Rolle von Ghrelin bei der Modulation von Zwischenstoppentscheidungen während des Zugs und bieten Einblicke in die regulatorischen Funktionen metabolischer Hormone im Dialog zwischen Darm und Gehirn bei Vögeln.

Die Studie war eine Zusammenarbeit mit Christopher G. Guglielmo, Scott A. MacDougall-Shackleton und Yolanda E. Morbey von der Advanced Facility for Avian Research, University of Western Ontario, Kanada, und Hiroyuki Kaiya vom National Cerebral and Cardiovascular Center Research Institute, Japan.

Die Finanzierung erfolgte durch das Marie Skłodowska-Curie Individual Global Fellowship 798739 GHRELMIGRA an Sara Lupi.

Der Artikel "Experimental ghrelin administration affects migratory behaviour in a songbird" von Sara Lupi, Yolanda E. Morbey, Scott A. MacDougall-Shackleton, Hiroyuki Kaiya, Leonida Fusani, Christopher G. Guglielmo wurde in der Zeitschrift Hormones and Behavior veröffentlicht.

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2022-03-21

VetmedTalk: Aktuelles Thema: „Heiße Luft - Vögel, Bienen und der Klimawandel“

Die Luft die wir atmen ist auch der Lebensraum von unzähligen Tieren wie Vögeln und Insekten, die sich an laute Flugzeuge, giftige Chemikalien und steigende Temperaturen anpassen müssen. Im VetmedTalk am 14.3.2022 stellten wir dazu spannende Forschungsprojekte aus der Veterinärmedizin vor und erklärten, wie die Gesundheit der Tiere und die Gesundheit der Menschen über den Lebensraum Luft zusammenhängen. Der Talk ist auf Vimeo nachzusehen.

Luftverschmutzung ist eine der größten umweltbezogenen Gesundheitsgefahren für Menschen und Tiere. In Europa sterben jährlich rund 800.000 Menschen an verschmutzter Atemluft. Luft ist aber nicht nur zum Atmen da. Für viele Vögel und Insekten ist sie der zentrale Lebensraum. Durch unterschiedlichste Verunreinigungen, den Klimawandel, Windräder, Flugverkehr etc. nehmen wir Menschen massiven Einfluss auf das Leben dieser reichhaltigen Tierwelt. Doch wie passen sich Vögel und Insekten an die neuen Lebensumstände an? Was sind Beobachtungen aus der Forschung und wie lassen sich Tierwohl und Artenschutz auch in Zukunft garantieren? Die Vetmeduni legt 2022 einen Kommunikationsschwerpunkt auf „Leben an Land“, dem UNO-Nachhaltigkeitsziel Nr. 15, und wird dabei pro Quartal den Fokus auf einen speziellen Lebensraum legen. Den Anfang macht Luft, dann folgen Süßwasser, Wiese und Wald. Im ersten VetmedTalk des heurigen Jahres geht es daher um den Status quo unserer Luftbewohner und wie wir deren Lebensraum schützen können. Dazu stellen sich Wissenschaftskommunikator Bernhard Weingartner und seine Gäste den Fragen des Online-Publikums.

Expert:innen

  • Herbert Hoi – Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni
  • Ivan Maggini – Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni
  • Linde Morawetz – Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen, AGES
  • Kerstin Seitz – Institut für Virologie, Vetmeduni

Moderation

  • Bernhard Weingartner – Wissenschaftskommunikator und Initiator Science Slams Österreich

Talk ansehen (Vimeo)

 

2022-03-15