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Universität
Vetmeduni trauert um Ernst Brandl
In großer Trauer teilen wir mit, dass Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Ernst Brandl im 95. Lebensjahr verstorben ist. Wir verabschieden uns von unserem ehemaligen Rektor und geschätzten Kollegen.
Martin Wagner im Namen ehemaliger Kolleg:innen der Vetmeduni:
Da Ernst Brandls beruflicher Weg engstens mit der Veterinärmedizinischen Universität verknüpft ist, ist es mir eine Ehre, als sein Nachfolger diesen Nachruf zu verfassen.
Ernst Brandl wurde am 21. März 1932 in Wien in eine fünfköpfige Familie geboren. Sein Vater war als Betriebsleiter bei Schärdinger mit der Milchwirtschaft verbunden. Die letzten Kriegsjahre verbrachte Ernst bei seiner Familie in Oberösterreich, wo er schon in der Nachkriegszeit sommers bei der Molkereigenossenschaft Geinberg arbeitete. Dass er ein landwirtschaftliches Studium, das er 1957 beendete, wählte, ist angesichts der familiären Prägungen naheliegend. Schon bald beschäftigte sich Ernst vor allem mit der Milchmikrobiologie, in der er seinen fachlichen Ruf zuerst als Assistent und dann als Universitätsdozent an der Universität für Bodenkultur begründete.
Mit 17. Juli 1974 wurde Ernst Brandl an die Veterinärmedizinische Universität berufen und zum Leiter des damals neuen Instituts für Milchhygiene und Milchtechnologie ernannt. Er baute es vor allem mit Mitteln der Milchindustrie auf und aus, eine damals unüblich innovative Vorgangsweise. Auf diese Aufbauleistung war er zu Recht stolz, und in wenigen Jahren florierte das Institut, belegt durch eine beträchtliche Anzahl von Publikationen und Projekten. Die von Ernst Brandl betreuten Dissertationen sind vielfältigen Themenstellungen gewidmet, von großer Akkuratesse getrieben und inhaltlich vorbildlich verfasst. Die Ausbildung der Studierenden lag Ernst Brandl am Herzen, und sein Engagement für eine praxisnahe Gestaltung der universitären Lehre basierte auf seiner großen milchwirtschaftlichen Erfahrung.
Zentral für sein fruchtbares Wirken war sein menschlicher Zugang zu Problemen, denen er oft mit viel Geduld begegnete. Er war von nobler, egalitärer Einstellung, machte wenig Unterschied zwischen Hierarchien, brachte allen Mitarbeiter:innen gleichermaßen hohe Achtung entgegen. Dieser Vertrauensaufbau führte ihn zur langjährigen Leitung der damals einflussreichen Finanzkommission und gipfelte für Ernst in der Funktion des Rektors der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die er von 1985 bis 1987 innehatte. Im Jahre 2000 emeritierte Ernst, indem er an seinem letzten Arbeitstag, einem Freitag, um 16:00 Uhr das auf- und ausgeräumte Büro säuberlich mit dem Besen auskehrte.
Ich glaube, alle Menschen, die Ernst Brandl näher kannten, waren von seiner Redlichkeit begeistert und verdankten seiner Begleitung Impulse und persönliche Bereicherungen. Viele seiner ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen machten herausragende Karrieren im akademischen oder öffentlichen Umfeld. Unter Ernst Brandl war das Institut für lange Jahre ein Hort kritisch denkender und veränderungswilliger Menschen. Mit spitzbübischer Freude erzählte er, wie weit weniger respektierte Kolleg:innen ihn warnten, sich mit den „Freigeistern“ einzulassen. Diese Verbindung zu neuen Ideen liebte er. Bei Ernst – er konnte sich über Falschheit und unbegründete Vorteilsnahme ungeheuer aufregen – zählten Leistungswille und Unbestechlichkeit viel mehr als Punzierungen, die auf oft unbelegten Gerüchten basierten. Er war ein Mentor im besten Sinn des Wortes. Menschen, denen er eine Chance gab, werden ihm seine Integrität nie vergessen.
Schlussendlich ist zu resümieren, dass mit Ernst Brandl ein ehemals prägendes Aushängeschild dieser hochgeachteten Universität verstarb. Zahlreiche Ehrungen seitens des Bundes, der Standesvertretung und aus der Wirtschaft setzen Markierungen an seinen Lebensweg. Seine Spuren, die sich mannigfach weiterziehen, werden nicht so schnell verwehen.
Requiescat in pace
Univ. Prof. Dr. Martin Wagner
Ernst Brandl wird der Veterinärmedizinischen Universität Wien unvergessen bleiben. Unsere aufrechte Anteilnahme und unser herzliches Beileid gelten seinen Angehörigen.