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28.11.2022: Im Zuge der Nutzung von Tieren zu Forschungszwecken ist das 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine / Vermeiden, Verringern, Verbessern) selbstverständlich. Ein Team von Wissenschafter:innen der Veterinärmedizinischen Universität Wien schlägt in einem soeben im Top-Journal „Science“ erschienenen Artikel vor, das 3R-Prinzip auch in der Nutzung von Tieren zur Nahrungsmittelproduktion anzuwenden, um den Konsum und die Verschwendung von tierischen Nahrungsmitteln zu verringern und landwirtschaftliche Nutztiere tiergerecht zu halten.

Wissenschafter:innen, die mit Tieren arbeiten, sind nach dem 3R-Prinzip verpflichtet, Tierversuche durch geeignete alternative Methoden zu ersetzen (Replacement), die Anzahl der Versuchstiere auf das unbedingt erforderliche Minimum zu beschränken (Reduction) sowie die Versuchstechniken, aber auch Unterbringung und Pflege der Tiere zu optimieren (Refinement). „Das 3R-Prinzip könnte ähnlich effektiv sein, wenn es auf die Nutztierproduktion angewendet wird“, so die Autor:innen. Die Auswirkungen wären gewaltig, da der Mensch – überwiegend zur Produktion von tierischem Eiweiß – jährlich 70 Milliarden Landtiere und bis zu 129 Milliarden Wassertiere nutzt; dem stehen 192 Millionen Versuchstiere gegenüber.

Einfache und wirksame Hebel: Protein-Ersatz, Konsum-Reduktion und faire Tierhaltung

Tierisches Eiweiß könnte durch pflanzliches Protein oder in-vitro-Fleisch ersetzt werden, was der Umwelt zugutekäme und gleichzeitig den Welthunger lindern würde. Eine Reduzierung der Anzahl an Tieren könnte erfolgen, indem Nutztiere nur dort gehalten werden, wo der Mensch potenzielle Nahrungsquellen nicht direkt nutzen kann. Ein Beispiel wären Wiederkäuer auf Nicht-Ackerland. Weitere Hebel sind die Verringerung der Lebensmittelverschwendung und des Konsums von Fleisch und anderen tierischen Produkten. Schließlich würden faire Haltungsbedingungen Nutztieren ein gutes Leben ohne unnötiges Leid ermöglichen.


Der Artikel „Rethink farm animal production: The 3Rs“ von Jean-Loup Rault, Regina Binder und Herwig Grimm wurde in „Science“ veröffentlicht.
 

Wissenschaftlicher Artikel