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Universität
Zum Weltfrauentag: Sonja Hartnack – Eine Wegbereiterin für One Health
Sonja Hartnack, neue Professorin für One Health Systems Science an der Vetmeduni, bringt internationale Erfahrung und interdisziplinäre Expertise mit, um die Querschnittsmaterie One Health an der Universität voranzutreiben. Ihr Fokus liegt darauf, die komplexen Verbindungen zwischen Tier-, Umwelt- und Humanmedizin zu erforschen und nachhaltige Lösungen für globale Gesundheitsprobleme zu entwickeln. Mit innovativen Ansätzen in Forschung und Lehre möchte sie One Health als zentralen Bestandteil an der Vetmeduni etablieren.
Die Veterinärmedizinerin studierte an den Universitäten Lüttich und München, wo sie 2002 promovierte. Nach Stationen als Postdoktorandin in München, Leipzig und Bern sowie einem ECVPH Residency in Populationsmedizin wechselte sie 2010 an die Universität Zürich. Dort habilitierte sie sich 2019 in Epidemiologie und erwarb einen MSc in Biostatistik. Neben ihrer wissenschaftlichen Expertise verfügt sie über Weiterbildungen in Hochschuldidaktik und Leadership. Sonja Hartnacks Forschungsschwerpunkte umfassen die Bewertung diagnostischer Tests, die Epidemiologie von Infektionskrankheiten und die Schnittstellen zwischen Tier-, Umwelt- und Humanmedizin.
Von Uganda bis Wien: Globale Perspektiven für One Health
Seit 2014 engagiert sich Hartnack in Uganda, wo sie durch Projekte wie die Tollwutüberwachung die Perspektiven des Globalen Südens in die angewandte Epidemiologie einbringt. Sie betont, dass One Health kein isolierter Ansatz ist, sondern von intensiver Zusammenarbeit und gegenseitigem Lernen lebt. „Die Zeiten, als man ein Problem mit einem Lösungsweg anpacken konnte, sind vorbei“, sagt sie. Mit ihrer Professur an der Veterinärmedizinischen Universität Wien möchte sie „systems thinking“ fördern, um komplexe Probleme ganzheitlich zu betrachten und nachhaltige Lösungswege zu entwickeln. Ihre Forschung in Uganda zeigt, wie wichtig es ist, lokale Gegebenheiten und Perspektiven zu berücksichtigen, um wirksame Ansätze zur Bekämpfung von Tierseuchen zu entwickeln. So hat sie beispielsweise herausgefunden, dass kulturelle und wirtschaftliche Faktoren die Impfbereitschaft gegen Tollwut beeinflussen – ein Aspekt, der im Globalen Norden oft übersehen wird.
Bildung für die Zukunft: One Health im Fokus
An der Vetmeduni sieht Sonja Hartnack großes Potenzial, One Health als zentralen Bestandteil in Forschung und Lehre zu verankern. Um die Querschnittsmaterie One Health gut in das neue Curriculum zu integrieren, möchte sie innovative Lehrformate entwickeln, die sowohl Faktenwissen als auch kritisches Denken fördern. Dabei sollen auch wichtige 21st Century Skills wie Kreativität, Zusammenarbeit und Kommunikation, einschließlich der Kommunikation mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen, gezielt geschult werden, um die Studierenden optimal auf die Herausforderungen einer vernetzten Welt vorzubereiten.
Als leidenschaftliche Lehrende und Netzwerkerin möchte sie den Austausch zwischen dem Globalen Norden und Süden fördern und Studierenden an der Vetmeduni die Möglichkeit geben, andere Perspektiven kennenzulernen. Ihre guten Kontakte zur Makerere University in Kampala möchte sie nutzen, um Kooperationen in Forschung und Ausbildung zu stärken.
Praktische Ausbildung und internationale Vernetzung
Neben der Integration von One Health in die Lehre ist es Sonja Hartnack ein Anliegen, die praktische Ausbildung an der Vetmeduni auszubauen. Sie plant, ein ECVPH Residency Programm aufzubauen, das die Universität als Ausbildungsstätte für Residents des European College of Veterinary Public Health etabliert. In Zusammenarbeit mit der AGES soll die Vetmeduni eine zentrale Rolle bei der Förderung von Veterinary Public Health und One Health in Mitteleuropa übernehmen. Dieses Programm wird nicht nur die wissenschaftliche Expertise der Universität erweitern, sondern auch die internationale Vernetzung und den Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen stärken.
Mit ihrer internationalen Erfahrung, ihrem Engagement für interdisziplinäre Zusammenarbeit und ihrer Leidenschaft für nachhaltige Lösungen ist Sonja Hartnack eine treibende Kraft für die Weiterentwicklung von One Health an der Vetmeduni.
Sonja Hartnack im Talk
Was hat Sie persönlich dazu inspiriert, sich für den One Health-Ansatz einzusetzen?
Hartnack: In meiner Familie gibt es Tier- und Humanmediziner:innen, und mein Vater war Holzwirt, sodass ich früh gelernt habe, Gesundheit aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Während meines Tiermedizinstudiums wurde mir bewusst, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt oft isoliert voneinander gesehen wird. Das hat in mir den Wunsch geweckt, diese Grenzen zu überwinden.
Welche Gründe haben Sie 2025 dazu bewogen, von der Schweiz nach Österreich an die Vetmeduni zu wechseln?
Hartnack: Die Professur für One Health Systems Science gibt mir die Chance, etwas Neues aufzubauen, mit großartigen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten, an einer international anerkannten Uni tätig zu sein – und ja, Wien ist natürlich auch ein Bonus!
Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung für den One Health-Ansatz in der Forschung?
Hartnack: Für mich ist die größte Herausforderung im One Health-Ansatz die inter- und transdisziplinäre Kommunikation. Oft sind Strukturen und Finanzierungsmechanismen noch stark auf einzelne Disziplinen ausgerichtet, und unterschiedliche Terminologien, Sektoren oder Datenformate erschweren den Austausch.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Arbeit in Uganda haben Ihre Sicht auf globale Gesundheitsprobleme besonders geprägt?
Hartnack: In Uganda habe ich von einer Einsatzmöglichkeit von Antibiotika gehört, auf die ich selbst nicht gekommen wäre: dass sie der Milch zugesetzt werden, um sie länger haltbar zu machen. Diese Erfahrung hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, den lokalen Kontext zu verstehen und aktiv mit Stakeholdern vor Ort zusammenzuarbeiten, wenn wir globale Gesundheitsprobleme angehen.
Wie schaffen Sie es, Ihre internationale Erfahrung in Ihre Arbeit an der Vetmeduni einzubringen?
Hartnack: Mit einer PhD Studentin aus Nepal und einem PhD Studenten aus der Türkei, die mit mir nach Wien gekommen sind, laufen unsere Projekte weiter, und im sehr international aufgestellten Zentrum für Öffentliches Veterinärwesen und One Health profitieren wir vom regen Austausch.
Was bedeutet für Sie „kritisches Denken“ in der Ausbildung von Studierenden?
Hartnack: Für mich bedeutet das, Zusammenhänge zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Kritisches Denken ist dabei ein zentraler Bestandteil der 21st Century Skills – ebenso wie Kreativität, Kollaboration und Kommunikation.
Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Ihrer Karriere an der Vetmeduni und Ihrer Familie? Haben Sie Tipps für andere berufstätige Mütter in der Wissenschaft?
Hartnack: Ein toller Partner, gute Freunde, ein bisschen Organisation – und Humor ist Pflicht!
Welche Aktivitäten unternehmen Sie gerne mit (oder auch ohne) Ihrer Familie in Ihrer Freizeit?
Hartnack: Museen, Theater – und abends Pizza im Garten mit Familie und Freunden.
Hinweis: Ein ausführliches Porträt über Sonja Hartnack lesen Sie in der kommenden VETMED Ausgabe.