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Universität

Campusleben in Bewegung

Nachdem die Vetmeduni rund 200 Jahre lang im 3. Bezirk zuhause war, übersiedelte sie heuer vor 30 Jahren in den neu errichteten Campus im 21. Bezirk. Grund genug für ein Interview mit Birgit Hochenegger-Stoirer, die als Vizerektorin für Finanzen, Digitalisierung und Innovation auch für das 15 Hektar große Areal in Floridsdorf zuständig ist.

Foto: Thomas Suchanek/Vetmeduni

Sie sind jetzt seit knapp einem Jahr Vizerektorin der Vetmeduni. Was war Ihr erster Eindruck vom Campus? Und was unterscheidet ihn von den Medizinischen Universitäten in Graz und Innsbruck, wo Sie zuvor gearbeitet haben?

Hochenegger-Stoirer: Als ich zum ersten Mal den Campus der Veterinärmedizinischen Universität Wien betreten habe, war ich beeindruckt – nicht wegen spektakulärer oder architektonisch kühner Gebäude, sondern weil dieser Campus lebt. Schon beim Ankommen spürt man die Begeisterung der Menschen, die hier arbeiten und studieren: Forschende auf dem Weg ins Labor, Studierende zwischen Vorlesung und Klinikdienst, Mitarbeitende in Verwaltung und Technik, die den Betrieb im Hintergrund auf höchstem Niveau am Laufen halten. Tiere werden hier betreut, gepflegt und erforscht, während Tierhalter:innen mit ihren Patienten in die Kliniken kommen – in Momenten der Sorge, aber auch der Hoffnung. All das macht diesen Ort zu mehr als einer Ansammlung von Gebäuden.

Unser Campus vereint Verwaltungs- und Laborgebäude, Tierkliniken und Stallflächen, Grünbereiche und Sportplätze, ein Café und zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten. Diese Kombination von Mensch, Tier, Grünflächen und Architektur schafft ein einzigartiges Campusleben, das sich von allen anderen Universitäten in Österreich unterscheidet. Mit 1.500 Mitarbeiter:innen und 2.500 Studierenden, die das Tierspital rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr betreiben, entsteht ein vielfältiges, buntes, manchmal forderndes, aber immer inspirierendes Miteinander.


Der Campus ist aber auch in die Jahre gekommen …

Hochenegger-Stoirer: Ja, der Campus wurde Anfang der 1990er Jahre geplant und errichtet und die Vetmeduni ist schließlich 1996 hierher übersiedelt. Seither wurde er kontinuierlich adaptiert, instandgehalten und in Teilen modernisiert. Neue Anforderungen wurden aufgenommen, bestehende Strukturen weiterentwickelt. 2022 wurde zum Beispiel die neue Kleintierklinik bezogen, die zeitgemäße Infrastruktur für eine hochqualitative tiermedizinische Versorgung bietet. 2025 ging zudem das Gebäude für die Core Facility VetBioModels in Betrieb – ein weiterer Meilenstein für exzellente Forschung unter optimalen Bedingungen.

In den vergangenen drei Jahrzehnten – und insbesondere in den letzten zehn Jahren – hat sich aber technologisch und gesellschaftlich sehr viel verändert; das meiste davon war 1996 kaum vorstellbar oder noch Science Fiction.

Die Digitalisierung durchdringt heute alle Bereiche unserer Arbeit: von der Lehre über die klinische Dokumentation bis hin zur datenintensiven Spitzenforschung. Hochauflösende Bildgebung, automatisierte Analysesysteme, digitale Lernplattformen, Simulationstechnologien und vernetzte Forschungsinfrastrukturen stellen neue Anforderungen an unsere Gebäude, ihre technische Ausstattung und an die Energieversorgung.

Gleichzeitig verändert sich unsere Arbeitskultur grundlegend. „New Work“ ist längst kein Schlagwort mehr, sondern gelebte Realität. Interdisziplinäre Teams arbeiten projektbasiert und flexibel zusammen. Mobile Arbeitsformen, hybride Lehr- und Besprechungsformate sowie digitale Kollaborationsplattformen prägen den Alltag. Räume müssen heute mehr können als früher: Sie sollen Austausch ermöglichen, Rückzug bieten, Kreativität fördern und gleichzeitig hochspezialisierte technische Anforderungen erfüllen. Kommunikations- und Vernetzungsfähigkeit – sowohl digital als auch räumlich – wird zu einem zentralen Erfolgsfaktor auch für Universitäten.

Hinzu kommen steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Klimatische Veränderungen, neue gesetzliche Rahmenbedingungen und ein wachsendes Bewusstsein für ökologische Verantwortung fordern uns heraus, unsere Infrastruktur zukunftsfit zu gestalten. Forschung und Lehre auf höchstem Niveau benötigen stabile, leistungsfähige und resiliente Systeme – von der IT-Architektur über die Laborversorgung bis hin zu Sicherheits- und Hygienekonzepten in den Kliniken und Stallungen.

All diese Entwicklungen wirken unmittelbar auf unsere Gebäude und auf die Art und Weise, wie wir Räume denken. Ja, der Campus ist in die Jahre gekommen – aber er ist nicht stehen geblieben. Vielmehr steht er nun an einem Punkt, an dem wir seine nächste Entwicklungsstufe bewusst gestalten.


Das klingt nach einem Großprojekt …

Hochenegger-Stoirer: Im Bauleitplan Ost des für die Universitäten zuständigen Wissenschaftsministeriums konnten wir zentrale Projekte für die Weiterentwicklung der Vetmeduni positionieren – und erste Vorhaben bereits in Angriff nehmen. Die umfassende Erneuerung des Campus in Wien ist dabei mehr als eine bauliche Modernisierung. Sie ist ein strategisches Zukunftsprojekt.

Im Fokus stehen Begegnungszonen, die Kommunikation und interdisziplinären Austausch fördern. Es entstehen und wachsen exzellente Core Facilities, die modernste Technologien bündeln und Forschenden optimale Rahmenbedingungen bieten. Ein Health Data Hub soll die Potenziale datengetriebener Forschung, klinischer Versorgung und translationaler Ansätze weiter stärken. Unser Skills Labs, in dem die Studierenden schon jetzt an wirklichkeitsnahen Tiermodellen den Umgang mit lebenden Tieren üben, wird um virtuelle Realitätsmodelle erweitert und soll so Studierenden eine praxisnahe Ausbildung auf höchstem Niveau ermöglichen; diese Erweiterung in den digitalen Raum soll aber auch innovative Lehrformate unterstützen und für Fort- und Weiterbildung einen inspirierenden Rahmen bieten.

Diese baulichen und infrastrukturellen Maßnahmen sollen das, was unsere Universität ausmacht, noch stärker in den Mittelpunkt rücken: optimales Arbeiten und Studieren in einem lebendigen Umfeld. Sie stärken unsere Third Mission – die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, für den Dialog mit der Öffentlichkeit. Sie zahlen auf unsere zentralen Themen ein – Versorgung, Tierspital und Innovation – und sie schaffen Raum für exzellente Wissenschaft und für verantwortungsvolle Tiermedizin.

Der Campus der Vetmeduni war für mich vom ersten Moment an ein lebendiger Ort. Und genau dieses Leben ist es, das wir in die Zukunft tragen. Mit Weitblick, Mut zur Weiterentwicklung und einem klaren Bekenntnis zu Qualität, Offenheit und Innovation gestalten wir einen Campus, der nicht nur funktioniert – sondern inspiriert.

 

Birgit Hochenegger-Stoirer studierte Wirtschaft und Wirtschaftsrecht in Schottland und Graz. Sie bekleidete über 20 Jahre lang Führungspositionen in international agierenden Industrieunternehmen. Im Jahr 2020 wurde sie Vizerektorin für Finanzen, Recht und Digitalisierung an der Medizinischen Universität Graz, 2024 wechselte sie als Vizerektorin an die Medizinischen Universität Innsbruck, seit 2025 ist sie Vizerektorin für Finanzen, Digitalisierung und Innovation im Rektoratsteam von Rektor Matthias Gauly.


Rektorat der Vetmeduni

 

 


Mehr rund um das Campus-Jubiläum lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des VETMED Magazins.