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Forschung

Startschuss für MIND-Projekt an der Vetmeduni

Am 5. März 2026 fand an der Veterinärmedizinischen Universität Wien das Kick-off Event des internationalen Forschungsprojekts MIND statt. Das Projekt beschäftigt sich mit dem Einfluss von Mikro- und Nanoplastik (MNP) auf die Hirngesundheit und die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen. Federführend dabei sind das K1-Zentrum FFoQSI sowie Lukas Kenner, Sabine Lagger und Martin Raigel vom Zentrum für Pathobiologie sowie Martin Wagner vom Zentrum für Lebensmittelwissenschaften der Vetmeduni.

Wie beeinflusst Mikroplastik unsere Gesundheit, und welche Rolle spielt es bei der Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Kick-offs von MIND, das sich mit den Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf die Hirngesundheit beschäftigt.

Die Wissenschaft sucht nach Antworten, um die Zusammenhänge besser zu verstehen und langfristig Lösungen für eine der drängendsten Umwelt- und Gesundheitsfragen unserer Zeit zu entwickeln. Matthias Gauly, Rektor der Vetmeduni, eröffnete das Event; es folgten zahlreiche spannende Vorträge, die die wissenschaftliche Relevanz und die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Projekts unterstrichen.

Das MIND-Projekt: Mikroplastik und Hirngesundheit im Fokus

MIND steht für „Der Einfluss von Mikroplastik auf Hirngesundheit und Neuronale Degeneration“ und untersucht die potenziellen Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf die Funktion und Gesundheit des menschlichen Gehirns. Die weltweite Produktion von Kunststoff ist im Laufe der Zeit stark gestiegen, wobei ein großer Teil als Verpackungsmaterial für Lebensmittel verwendet wird. Durch den Abbau von Kunststoff entstehen Partikel, die als Mikroplastik (weniger als 5 mm) und Nanoplastik (weniger als 1 µm) bezeichnet werden. Diese Partikel stellen eine signifikante Umweltbelastung dar und können über verschiedene Wege, wie die Aufnahme von Nahrungsmittel, durch Einatmen oder über die Haut, in den Körper gelangen.

Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNP) wurden bereits in nahezu allen menschlichen Organen nachgewiesen, einschließlich des Gehirns. Die genauen Auswirkungen dieser Partikel auf die Gesundheit und die Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer sind jedoch noch weitgehend unerforscht. Alzheimer, die häufigste Ursache für Demenz, ist durch pathologische Proteinablagerungen (Amyloid-Plaques, Tau-Fibrillen) im Gehirn charakterisiert. Die steigende Inzidenz dieser Erkrankung wirft die Frage auf, ob die zunehmende Belastung durch Mikroplastik eine Rolle spielt.

Das MIND-Projekt ist eine internationale Zusammenarbeit zwischen FFoQSI (Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety & Innovation), dem Institut für Neuroimmunologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (NIUSAS), der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie der Medizinischen Universität Wien. Gefördert wird das Projekt durch das EU-Programm Interreg Slowakei-Österreich sowie das Land Niederösterreich. Mit einem Budget von rund einer Million Euro und einer Laufzeit bis Mai 2028 soll MIND neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Hirngesundheit liefern.

Highlights des Kick-off Events

Die Agenda bot eine Vielzahl von Vorträgen, die die wissenschaftliche Breite des Projekts und verwandter Forschungsbereiche abdeckten. Verena Pichler von der Universität Wien sprach über die biologischen Effekte von Mikro- und Nanoplastik und erläuterte die Bedeutung von Referenzpartikeln für die Forschung. Lukas Kenner (Zentrum für Pathobiologie/Vetmeduni) berichtete über das erfolgreich abgeschlossene Projekt "microONE", das sich ebenfalls mit Mikroplastik und seinen Auswirkungen beschäftigt. Vasiliki-Maria Archodoulaki von der TU Wien thematisierte die Bedeutung von Reifenabrieb als Mikroplastikquelle. Die Rolle von Mikroplastik als Vektor für bakterielle Kontamination und deren Überlebensfähigkeit beleuchtete Patrick-Julian Mester (Zentrum für Lebensmittelwissenschaften/Vetmeduni). Martin Raigel (FFoQSI/Vetmeduni) stellte die Implementierung einer Hochdurchsatz-Pipeline für die Detektion von Mikro- und Nanoplastik in Österreich vor, während Andrej Kovac (NIUSAS) die Auswirkungen von Mikroplastik in Modellen neurodegenerativer Erkrankungen in der Slowakei thematisierte.

Diese Vorträge boten nicht nur tiefgehende Einblicke in die wissenschaftlichen Aspekte des Projekts, sondern auch eine Plattform für den interdisziplinären Austausch. Die Projektverantwortlichen Lukas Kenner, Sabine Lagger, Martin Raigel und Martin Wagner betonten dabei die Dringlichkeit, die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Gesundheit besser zu verstehen, um langfristig präventive Maßnahmen entwickeln zu können.