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Forschung

Vetmeduni: Millionenförderung für bahnbrechende Forschung

Die Vetmeduni feiert einen großen Erfolg: Im Rahmen der Exzellenzinitiative excellent=austria des Wissenschaftsfonds FWF werden zwei revolutionäre Forschungsprojekte der Vetmeduni mit insgesamt über 11 Millionen Euro gefördert. Die Projekte von Alice Auersperg und Florian Grebien zählen zu den sechs ausgewählten Emerging-Fields-Konsortien. Beide Projekte haben das Potenzial, einen Paradigmenwechsel in ihren Fachgebieten herbeizuführen und wegweisende Fortschritte zu ermöglichen.

Von Papageien zu Robotern 

Mit ihrem Projekt „Vergleichende ökologische Innovations-Strategien“ geht Alice Auersperg, Leiterin des Goffin-Labs am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni, der Frage nach, wie neue Verhaltensweisen entstehen. Unterstützt durch eine Förderung von 5,1 Millionen Euro untersucht ihr Team, wie Körperbau, ökologische Nischen und kognitive Fähigkeiten Innovationen bei Tieren beeinflussen. Papageien, Rabenvögel und Menschenaffen stehen dabei im Mittelpunkt, da sie zu den kreativsten Problemlösern im Tierreich gehören. Die Forschung konzentriert sich nicht nur auf erfolgreiche Lösungen, sondern auch auf die Lern- und Entwicklungsprozesse, die Innovationen ermöglichen. Ziel ist es, zu verstehen, wie Erfindergeist entsteht und warum sich Strategien zwischen Arten unterscheiden. Die Ergebnisse könnten nicht nur unser Wissen über tierische Intelligenz erweitern, sondern auch die Entwicklung von Robotersystemen, die flexibel und anpassungsfähig sind, entscheidend voranbringen.

„Innovation ist das Ergebnis der Interaktion von Körper, Umwelt und Erfahrung. Indem wir diese Prozesse vergleichend untersuchen, gewinnen wir ein neues Verständnis von Erfindertum – in der Evolution wie in der Übertragung in die Robotik.“
Alice Auersperg

Ribosomen und Krebs: Ein verborgener Code

Das Projekt "Pädiatrische Krebserkrankungen und ihr Ribosomencode", unter Beteiligung von Florian Grebien – Professor an der Vetmeduni und Forschungsgruppenleiter an der St. Anna Kinderkrebsforschung sowie am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin – untersucht die Rolle von Ribosomen als Regulatoren der Proteinsynthese – einer bisher wenig erforschten Ebene der Genregulation. Ziel ist es, den "Ribosomencode" zu entschlüsseln, den Krebszellen für Wachstum und Therapieresistenz nutzen. Trotz Fortschritten in der Krebsbehandlung stehen viele krebskranke Kinder weiterhin vor Herausforderungen wie begrenzten Therapieoptionen und schweren Nebenwirkungen. Mit knapp sechs Millionen Euro Förderung soll das Projekt neue Ansätze für wirksamere und sicherere Therapien entwickeln und das Verständnis der Proteinproduktion grundlegend erweitern.

„Angesichts der wachsenden Erkenntnisse über die Rolle der Ribosomen als bislang wenig erforschte Ebene der Genregulation bei pädiatrischen Krebserkrankungen kombiniert unser interdisziplinäres Team umfassendes Fachwissen in mechanistischer Biologie mit innovativer Forschung in der pädiatrischen Onkologie.“
Florian Grebien

Alice Auersperg und Florian Grebien im Talk

Was bedeutet die Förderung durch das Programm "Emerging Fields" für Ihre Forschung und welche Chancen eröffnet sie Ihnen?
 

Auersperg: Die Förderung gibt uns die Möglichkeit, eine der spannendsten offenen Fragen der Verhaltensbiologie systematisch zu untersuchen: Wie entstehen eigentlich Erfindungen? Wir wissen, dass manche Tiere erstaunlich innovativ sein können. Kakadus brechen sich Fressangeln aus Holz zurecht, Rabenvögel legen Nüsse auf Trambahnschienen, Schimpansen verwenden Steine wie Hammer und Amboss. Was bisher aber kaum verstanden ist, sind die Prozesse, die zu solchen Innovationen führen. Mit dem Projekt können wir diese Entstehungsgeschichten detailliert untersuchen, also nicht nur die erfolgreichen Lösungen, sondern auch die vielen Versuche, Irrwege und Lernschritte, aus denen Erfindungen letztlich hervorgehen.


Grebien: Diese Förderung ermöglicht es uns, in den kommenden Jahren eine hochinteressante, bislang wenig erforschte Fragestellung zu bearbeiten. Ribosomen sind hochkomplexe molekulare Maschinen und es ist seit Langem bekannt, dass sie für die Proteinsynthese in allen Zellen unverzichtbar sind. Umso überraschender ist, wie wenig über die Regulierungsmechanismen ihrer Aktivität bekannt ist. In den nächsten Jahren werden wir hochauflösende Technologien einsetzen, um die Zusammensetzung und die Regulierungsmechanismen von Ribosomen detailliert zu untersuchen.

 

Frau Auersperg, Ihr Projekt beschäftigt sich mit Innovation im Tierreich und deren Übertragbarkeit auf Robotersysteme. Welche Erkenntnisse erwarten Sie und wie könnten diese die Robotik revolutionieren?
 

Auersperg: Tiere sind erstaunlich gute Problemlöser in komplexen Umwelten. Wenn sie mit einem neuen Problem konfrontiert werden, können sie flexibel reagieren und neue Lösungen entwickeln. Genau diese Flexibilität ist in der Robotik oft noch schwer zu erreichen.

Wir möchten verstehen, welche Faktoren solche kreativen Lösungen ermöglichen. Dabei spielen sowohl Körperbau, Umweltbedingungen, Erfahrung und Veranlagung zentrale Rollen. Ein Papagei etwa manipuliert Objekte völlig anders als ein Menschenaffe, und diese Unterschiede prägen auch die Art der Lösungen, die entstehen. Wenn wir diese Prozesse systematisch analysieren, könnten wir daraus Prinzipien ableiten, die auch Roboter in ihrer Umwelt flexibler machen. Die Idee dahinter ist, von Tieren zu lernen, wie flexible Problemlösungen entstehen, nicht ihr Verhalten einfach zu kopieren.

 

Hr. Grebien, Ihr Projekt untersucht den "Ribosomencode" bei pädiatrischen Krebserkrankungen. Was macht diesen Ansatz so einzigartig und wie könnte er die Krebsforschung revolutionieren?
 

Grebien: Dieses Projekt verknüpft Krebsforschung, Strukturbiologie und Biochemie in einzigartiger Weise und kann zu wichtigen Durchbrüchen in allen drei Disziplinen führen. Einerseits werden wir neue Einblicke in die molekularen Mechanismen der Proteinsynthese gewinnen. Andererseits erhoffen wir uns, neue therapeutische Ansätze für die Behandlung pädiatrischer Krebserkrankungen zu entwickeln, was von hoher medizinischer Bedeutung ist.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung Ihrer Projekte und wie gehen Sie mit den Risiken um, die mit der Erforschung neuer Ansätze verbunden sind?
 

Auersperg: Innovationen zwischen verschiedenen Spezies zu vergleichen ist grundsätzlich schwierig, weil die Tests fair an unterschiedliche Körper und Veranlagungen angepasst sein müssen. Deshalb entwickeln wir neue Versuchsaufbauten, mit denen wir Innovationsprozesse über längere Zeiträume gezielt auslösen und beobachten können. Eine weitere Herausforderung ist die starke Interdisziplinarität des Projekts. Wir verbinden vergleichende Kognitionsforschung mit Robotik und theoretischen Modellen. Das ist anspruchsvoll, eröffnet aber auch große Chancen, weil unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.


Grebien: Viele Bereiche des Projekts sind auf moderne molekulare Technologien angewiesen, die große Datenmengen erzeugen. Eine Herausforderung wird darin bestehen, diese Datensätze innovativ zu analysieren und miteinander zu verknüpfen, um neue Einsichten zu gewinnen. Zudem darf der medizinische Fokus nicht aus dem Blick geraten: Welche neuen Therapieansätze lassen sich realisieren, und welche Patientengruppen könnten davon profitieren? Dank der einzigartigen Zusammensetzung des Konsortiums sind wir zuversichtlich, diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern.