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Universität

Zahngesundheit von Anfang an

Wer schon mal einen neugeborenen Welpen in Händen hielt, weiß: Hundebabys werden nicht nur blind, sondern auch zahnlos geboren. Der Durchbruch der Milchzähne beginnt mit der dritten Lebenswoche und dauert bis zu neun Wochen. In dieser Zeit beginnt der Welpe bereits an Sachen zu knabbern und spielerisch zu beißen. Die Zufütterung kann nun begonnen werden. Wenn die Backenzähne durchbrechen, sollten die Welpen vom Saugen an der Mutter entwöhnt sein und spätestens im Alter von acht Wochen selbstständig Nahrung aufnehmen.

Nicht jeder bleibende Zahn hat einen Milchzahnvorläufer. Die jeweils ersten vorderen Backenzähne (Prämolaren) sowie alle hinteren Backenzähne (Molaren) erscheinen erst im bleibenden Gebiss. Während dieses aus 42 Zähnen besteht, zählt das Milchzahngebiss nur 28 Zähne. „Fehlt bis zur zwölften Lebenswoche ein Milchzahn, wird höchstwahrscheinlich kein bleibender Zahn nachfolgen“, erklärt Matthias Eberspächer-Schweda, der an der Vetmeduni in der klinischen Abteilung für Kleintierchirurgie den Bereich Zahnmedizin verantwortet: „In diesem Fall bringt ein Dentalröntgen Klarheit.“

Die Milchzähne sind kleiner, dünner und deutlich spitzer als die bleibenden Zähne. Da die Milchzähne schon bald den steigenden Anforderungen des Gebisses nicht mehr gewachsen sind, wird zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat der Zahnwechsel eingeläutet, beginnend mit den Schneidezähnen (Incisivi). Anschließend folgen die Fang- bzw. Eckzähne (Canini) und Prämolaren (vordere Backenzähne), zuletzt brechen dann die Molaren (hintere Backenzähne) durch. Mit dem Ende des siebten Lebensmonats sollte das bleibende Gebiss fertig ausgebildet sein.

Probleme im Junghundegebiss

Nicht alle Hunde besitzen alle 42 Zähne. Fehlt ein bleibender Zahn, sollte per Röntgen kontrolliert werden, ob dieser tatsächlich fehlt oder nur nicht durchbrechen konnte. „Ein oft gesehenes Problem sind nicht ausgefallene Milchzähne, obwohl der bleibende Nachfolger schon sichtbar ist. Unterbleibt die Resorption der Milchzahnwurzel, fällt der Milchzahn nicht aus und der bleibende Zahn erscheint neben dem Milchzahn. Man spricht dann von persistierenden Milchzähnen“, erklärt Judith Dörner, die als Zahnmedizinerin ebenfalls an der Klinischen Abteilung für Kleintierchirurgie der Vetmeduni arbeitet. Sogenannte Toy-Rassen und insbesondere die Fangzähne seien davon am häufigsten betroffen.

Bleibende Milchzähne als Gefahr

Die Persistenz von Milchzähnen kann viele Probleme verursachen. Häufig bilden sich durch den sehr engen Abstand zwischen persistierendem und permanentem Zahn Nischen, in denen sich Haare und Futterreste sammeln. Zahnfleischentzündungen und Probleme mit dem Zahnhalteapparat sind die Folge. Dörner empfiehlt daher, persistierende Milchzähne unbedingt zu entfernen. Da die Milchzähne im Unterkiefer nicht hinter, sondern genau außerhalb (labial) der bleibenden Zähne liegen, kann es bei persistierenden Fangzähnen im Unterkiefer dazu kommen, dass sich die bleibenden Fangzähne nicht wie üblich in ihre leicht schräg nach außen geneigte Lage bewegen können und so im schlimmsten Fall eine sogenannte Steilstellung der Fangzähne entsteht. Werden die im Weg stehenden persistierenden Fangzähne zeitnah entfernt, können sich die permanenten Canini – unterstützt durch mehrmals tägliche Massagen durch die HalterInnen – in die korrekte Lage nach außen neigen und so schmerzhafte Druckstellen im Gaumen verhindern. Wachstum des Kiefers Bei einem angeborenen zu schmalen und zu kurzen Unterkiefer wachsen bereits die Milchzähne zu steil und zu weit nach oben und verursachen schmerzhafte Wunden am Gaumen bis hin zu Drucknekrosen. Indem sich die Unterkiefereckzähne am Gaumen verhaken, kommt es zu Wachstumsstörungen der Kiefer. Der ohnehin zu kurze Unterkiefer wird so zusätzlich im Wachstum gehemmt. Daher sollten bei einer solchen Zahnfehlstellung die Milchcanini im Unterkiefer extrahiert werden.

(Ab-)Gebrochene Milchzähne – keine Bagatelle

„Die traumatische Fraktur eines Milchzahns, die aufgrund der geringen Widerstandsfähigkeit der Milchzähne und durch ausgelassenes Spielen der Welpen gar nicht so selten passiert, ist kein Bagatellbefund, sondern es besteht dringender Handlungsbedarf. Das Problem wird immer noch oft unterschätzt“, berichtet Dörner aus dem Klinikalltag. Therapie der Wahl ist die sofortige Extraktion des frakturierten Zahnes, da durch die eröffnete – beim Milchzahn besonders große – Pulpahöhle eine perfekte Eintrittspforte für Bakterien entsteht, die eine Infektion der Zahnwurzel und eine Schädigung des bleibenden Zahnkeims auslösen kann. Die Milchzahnextraktion ist grundsätzlich mit großer Vorsicht durchzuführen. Aufgrund der filigranen Form der Milchzähne können die langen, schmalen Wurzeln sehr leicht brechen.

Das Gebiss beim Hund

28 Zähne

3 Incisivi (Schneidezähne), 1 Caninus (Fang-, Eckzahn), 3 Prämolare (vordere Backenzähne) auf jeweils beiden Seiten im Ober- und Unterkiefer.

42 Zähne

3 Incisivi, 1 Caninus, 4 Prämolare und 2 Molare (hintere Backenzähne) beidseits im Oberkiefer sowie 3 Incisivi, 1 Caninus, 4 Prämolare und 3 Molare beidseits im Unterkiefer.

Fingerspitzengefühl bei der Behandlung

Unkorrekt durchgeführte Milchzahnextraktionen, andere lokale Traumata oder Infektionen im Welpenalter können zur Schädigung oder etwa zur Missbildung der bleibenden Zähne führen. Von punktuellen Defekten bis hin zu abnormen Zahnformen sind jegliche Missbildungen möglich. Bei Defekten durch Infektionserkrankungen, systemisch-metabolischen, pharmakologischen Einflüssen oder bei erblich bedingten Missbildungen sind häufig alle Zähne betroffen, wie etwa bei der sogenannten Dentinogenesis imperfecta, einer genetisch bedingten fehlerhaften oder ausbleibenden Dentinbildung. „Bei einer Staupeinfektion eines Welpen vor dem Zahnwechsel kann ein schwerer Zahnschmelzdefekt auftreten“, weist Dörner auf die Spätfolge einer Infektion mit dem gefährlichen Staupevirus hin.

Früh übt sich: Prophylaxe für Hundezähne

Für eine lebenslange Zahngesundheit muss ein Hund schon im Welpenalter an Manipulationen im Maul gewöhnt werden. Es ist daher wichtig, das Öffnen des Mauls und das Begutachten von Zähnen, Zahnfleisch und Gaumen zu trainieren und positiv zu konditionieren. Von klein auf sollten Hunde an das regelmäßige Zähneputzen gewöhnt werden. Durch die Ansammlung von Plaque und daraus resultierender Zahnsteinbildung kommt es zu Zahnfleischentzündungen und im fortgeschrittenen Fall zu einer schweren Parodontitis inklusive Lockerung der Zähne und schließlich Zahnverlust. Kleinere Hunderassen und brachyephale (kurzköpfige) Rassen sind davon häufiger und schwerer betroffen als große Hunde mit langen Schnauzen und ausreichend Platz für die Zähne. Judith Dörner rät HundehalterInnen: „Idealerweise werden die Zahnoberflächen jeden oder alle zwei Tage gereinigt. Eine wöchentliche Reinigung ist nicht ausreichend, da die Plaque- und Zahnsteinneubildung so nicht hintangehalten werden kann.“

Womit Hundezähne putzen?

Am besten geeignet sind Hundezahnbürsten oder Kinderzahnbürsten mit weichen Borsten, um das Zahnfleisch nicht zu irritieren. Manche TierhalterInnen bevorzugen Fingerlinge. Auch die für Tiere angebotenen Ultraschallzahnbürsten sind sehr effektiv. Bei der Zahnpasta ist unbedingt zu einem veterinärmedizinischen Produkt zu greifen, da Zahnpasta für Menschen aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und ihres starken Minzgeschmacks für Hunde nicht geeignet ist.

„Obwohl die Hundezahnpasta meist nach Huhn oder Fisch riecht und schmeckt, wird sie von einigen Hunden abgelehnt – Geschmacksrichtungen wie alte Socken, tote Ratte oder frisch gedüngter Acker würden vielleicht besser ankommen“, meint Dörner mit einem Augenzwinkern. Sie rät in solchen Fällen, die Zahnpasta einfach wegzulassen und nur mit der feuchten Zahnbürste zu arbeiten, entscheidend sei der Abrieb des Zahnbelags und das sei auch ohne Zahnpasta möglich.

Besonders wichtig sind die Außenflächen der Zähne, da diese vorrangig von Zahnstein betroffen sind. Die Außenflächen sind durch einfaches Hochheben der Lefzen gut zugänglich. Um die Zähne des Unterkiefers zu erreichen, muss das Maul leicht geöffnet werden.

Kauen als Unterstützung

Kauspielzeug und -artikel sind sinnvoll, haben aber – alleine verwendet – keine ausreichende Wirkung gegen Zahnsteinneubildung. Zum Kauen ungeeignet sind Geweihe oder Hufe, da sie zu hart sind und zu Schäden am Zahnschmelz bzw. zu Absplitterungen oder gar zu Zahnfrakturen führen können. Auch Tennisbälle sollen dem Hund nicht dauerhaft angeboten werden, da sie zu einem hochgradigen „Abschmirgeln“ (Abrasion) der Zähne führen können

Das Zähneputzen kann eine regelmäßige professionelle Kontrolle und Reinigung der Zähne in Narkose mittels Ultraschall keinesfalls ersetzen. Durch effektives Zähneputzen lässt sich jedoch der Abstand zwischen den professionellen Zahnreinigungen verlängern. „Wie oft eine professionelle Zahnbehandlung notwendig ist, hängt von der Rasse, dem Alter und der individuellen Veranlagung und natürlich vom Zahnputz-Engagement der TierbesitzerInnen ab“, fasst Dörner zusammen.

Regelmäßiges Zähneputzen und eine mindestens jährliche zahnärztliche Kontrolle sind die beste Prophylaxe für gesunde Hundezähne und helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Text: Judith Dörner
Redaktionelle Aufbereitung: Doris Sallaberger