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03.02.2022: Eine aktuelle Studie der Vetmeduni untersuchte die Rolle von Tieren auf Online-Dating-Profilen in Wien und Tokio. Christian Dürnberger und Svenja Springer (Messerli Forschungsinstitut, Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung) gingen folgenden Fragen nach: Auf wie vielen Profilen sind Tiere zu sehen und welche Tiere kommen besonders oft vor? Jedes sechste Profil zeigte zumindest ein Tier. In beiden Städten sind Hunde und Katzen am beliebtesten. Jedoch zeigen sich signifikante Unterschiede: In Wien werden mehr Hunde und in Tokio mehr Katzen präsentiert. Nutzer:innen in Wien, Frauen und ältere User:innen zeigen sich öfter mit Tieren. Die sexuelle Orientierung resultierte in keinem signifikanten Unterschied.

Frühere Studien aus dem „real life“ zeigten, dass ein Mann häufiger die Telefonnummer einer Frau bekommt, wenn er mit einem Hund unterwegs ist. Da Hunde gemeinhin als soziale Tiere wahrgenommen werden, um die man sich kümmern muss, scheinen sie positive Charaktereigenschaften des Tierbesitzers nahezulegen – und sich damit positiv auf die Partnersuche auszuwirken.
Seit sich die Suche nach Partner:innen mehr und mehr in die digitale Welt verlagert, tauchen Tiere wenig überraschend auch auf Dating-Apps auf. Mehr als das: Es gibt Studien, die die Erfolgsquote analysieren. Hilft ein Hund wirklich, um mehr „Matches“ zu erhalten? Oder ist doch ein Meerschweinchen oder eine Katze die bessere Wahl?

Bislang kaum gestellte Frage: Tauchen Tiere überhaupt auf?

Bis dato wurde empirisch jedoch nicht untersucht, wie viele Benutzer:innen in ihren Online-Dating-Profilen überhaupt Tiere zeigen und um welche Tiere es sich dabei handelt. Anhand einer vergleichenden Beobachtungsstudie von Profilen in Wien und Tokio auf einer beliebten Online-Dating-App (n = 2400) haben dies nun Christian Dürnberger und Svenja Springer vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni untersucht. Neu war dabei nicht nur die grundsätzliche Fragestellung nach der Häufigkeit von Tieren, sondern auch, dass nach etwaigen Differenzen zwischen Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung und Kulturraum der User:innen gefragt wurde.

Hunde und Katzen am beliebtesten

„Etwa 16 Prozent der untersuchten Profile hatten mindestens ein Foto, das ein Tier zeigte. In beiden Städten waren Hunde das häufigste Tier, gefolgt von Katzen. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass Nutzer:innen in Wien, Frauen und ältere User:innen eher Tiere in ihren Profilen präsentieren“, fasst Dürnberger zentrale Ergebnisse der Studie zusammen. Die sexuelle Orientierung brachte hingegen keine signifikanten Unterschiede in der Analyse. Nimmt man die beiden Städte zusammen, tauchten Hunde in ca. 45 Prozent der Bilder mit Tieren auf; Katzen in ca. 25 Prozent. „Unsere Daten belegen demnach, dass Hunde die Welt der Online-Dating-Tierbilder regieren“, so Dürnberger. „Dies gilt für Wien sogar noch mehr als für Tokio.“

Einblicke ins tägliche Leben mit Tieren

Andere Tiere wie Exoten (9,9 Prozent), Nutztiere (6,4 Prozent) oder Pferde (4,6 Prozent) spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. „Wir schließen daraus, dass vor allem jene Tiere auf einem Dating-Profil gezeigt werden, mit denen User:innen in engem und häufigem Kontakt stehen“, so Springer. Gezeigt wird also weniger „das Außergewöhnliche“ (wie etwa ein Delfin beim Tauchurlaub), sondern eher ein Einblick in das tägliche Leben mit Tieren.

Die Studie beschreibt auch unterschiedliche Arten, wie Tiere auf den Online-Dating-Bildern auftauchen. Zwei Kategorien spielen dabei eine besondere Rolle: Zum einen wird das Tier als enger Freund oder sogar als Familienmitglied in Szene gesetzt; zum anderen kann ein Tier auf den Profilbildern dazu dienen, um bestimmte Charaktereigenschaften der User:innen zu unterstreichen; sei es, um zu zeigen, dass man sozial ist oder einen gesunden, aktiven Lebensstil hat.

 

Der Artikel „Wanna See My Dog Pic? A Comparative Observational Study of the Presentation of Animals on Online Dating Profiles in Vienna and Tokyo“ von Christian Dürnberger und Svenja Springer erschien im Fachjournal „Animals“ im Januar 2022 (Open-Access) und ist hier online abrufbar.