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Forschung

Balzgesänge männlicher Mäuse: Warum rufen Männchen, wenn Weibchen nicht kommen?

Während der Balz geben männliche Hausmäuse Ultraschallvokalisationen von sich, die Ähnlichkeiten mit Vogelgesang aufweisen und mit dem Fortpflanzungserfolg der Männchen korrelieren. Mehrere Studien, überwiegend mit Labormäusen, zeigten, dass Weibchen von den Balzgesängen der Männchen angezogen werden – ein Befund, der erklärt, wie diese Gesänge den Paarungserfolg der Männchen steigern. Eine neu veröffentlichte Studie des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ergab jedoch, dass wilde weibliche Hausmäuse nicht von den Balzrufen der Männchen angezogen werden. Die Ergebnisse werfen Fragen nach den Funktionen männlicher Balzgesänge auf.

Maus
Foto: Bettina Wernisch/Vetmeduni

Ultraschallvokalisationen (USVs), für Menschen nicht hörbar, sind Bestandteil des Balzverhaltens männlicher Hausmäuse (Mus musculus). Forscherinnen und Forscher am KLIVV fanden heraus, dass wilde Hausmäuse die Balz mit einfachen Vokalisationen beginnen und unmittelbar vor der Kopulation auf eine hohe Anzahl komplexer Vokalisationen wechseln. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Weibchen auf das Abspielen von Aufnahmen männlicher USVs reagieren – insbesondere auf Aufnahmen mit komplexeren Vokalisationen. Diese Untersuchungen wurden hauptsächlich mit Labormäusen durchgeführt; die KLIVV-Forschenden wollten diese Hypothese bei wilden Hausmäusen bestätigen.

In einer Reihe von Experimenten testeten die Wissenschafter:innen, ob wilde weibliche Mäuse auf das Abspielen männlicher Balzgesänge reagieren. Entgegen den Erwartungen zeigten die Weibchen keine Präferenz für komplexe im Vergleich zu einfachen Vokalisationssequenzen. Darüber hinaus wurden sie nicht durch natürliche Balzgesänge der Männchen angelockt, die aus einer Mischung einfacher und komplexer Vokalisationstypen bestehen.

Frühere Studien hatten nahegelegt, dass die Attraktivität für Weibchen vom Östrusstadium der Weibchen und der Exposition gegenüber männlichem Geruch abhängt; diese Faktoren hatten in der vorliegenden Studie jedoch keinen Effekt. „Die wilden weiblichen Hausmäuse wurden in keinem der von uns getesteten Kontexte von den Balzvokalisationen der Männchen angezogen, was überraschend ist, da wir besondere Sorgfalt darauf verwendet haben, die Protokolle früherer Studien zu befolgen“, erklärt die Erstautorin Maja Peng vom KLIVV.

Warum rufen die Männchen also, wenn die Weibchen nicht reagieren?

Sarah M. Zala, die Hauptverantwortliche des Projekts, betont, dass die Ergebnisse nicht ausschließen, dass Weibchen in anderen Kontexten Interesse an Balzgesängen zeigen. Sie weist jedoch darauf hin, dass „diese Ergebnisse uns zwingen, andere mögliche Funktionen der Balzgesänge der Männchen zu berücksichtigen. Es gibt andere Wege, auf denen sie Weibchen beeinflussen könnten, etwa indem sie deren sexuelle Rezeptivität stimulieren – und wir haben erst vor Kurzem begonnen, solche Hypothesen zu untersuchen.“

Ein Aufruf an die Forschung: Konventionelle Weisheiten hinterfragen

Die Forschenden unterstreichen die entscheidende Bedeutung der Veröffentlichung negativer Befunde in der Wissenschaft, da diese allzu oft in der Schublade verschwinden. „Unsere Arbeit zeigt, dass vermeintlich etablierte Annahmen experimentell repliziert werden müssen. Nur so lässt sich verstehen, unter welchen Bedingungen Kommunikationssignale ihre biologische Funktion erfüllen. Darüber hinaus unterstreicht unsere Studie die Wichtigkeit von Replikation und reproduzierbarer Forschung“, betont Sarah Zala.

Der Artikel “Courtship vocalizations of male mice do not always attract females” von Maja Peng, Martina Zani, Reyhaneh Abbasi, Peter Balazs, Dustin J. Penn, und Sarah M. Zala wurde in Scientific Reports veröffentlicht.



Wissenschaftlicher Artikel


Rückfragekontakt: 

Sarah Zala PhD.
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV)
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
Sarah.Zala@vetmeduni.ac.at