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Dank Schutzprojekt auf APG-Strommasten: Beinahe ausgestorbener Greifvogel kehrt in Österreich erfolgreich zurück*
Wissenschaftliches Monitoring von Vetmeduni und BirdLife Österreich belegt: Rund 850 Jungvögel des weltweit bedrohten Sakerfalken wurden seit 2011 in Nisthilfen auf APG Leitungen dokumentiert. Aktuell werden die Küken der Brutsaison 2026 gezählt und mit Ringen markiert.
© NIKLAS STADLER | www.niklasstadler.at
Hoch oben auf Strommasten wachsen in Österreich Sakerfalken auf – eine der seltensten Greifvogelarten Europas: Dank gezielter Schutzmaßnahmen ist deren Zahl hierzulande von nur zwei bis vier Brutpaaren um 1970 auf aktuell 59 (2025) gestiegen. Rund zwei Drittel der heimischen Population brüten heute im Leitungsnetz der APG, wo seit 2004 auf Strommasten in 60 Meter Höhe speziell konstruierte Nisthilfen montiert werden. Mittlerweile deuten die Zahlen auf eine natürliche Sättigung des Bestands entlang der Hochspannungstrassen hin. Aktuell erreicht das Projekt seinen jährlichen Höhepunkt: die Beringung der Jungfalken.
Als Betreiber des österreichischen Übertragungsnetzes stellt die Austrian Power Grid (APG) die Stromversorgung im Land sicher – und treibt dafür den notwendigen Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur voran: „Wir investieren bis 2035 österreichweit neun Milliarden Euro in Leitungen und Umspannwerke. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der versorgungssicheren, leistbaren Energiewende. Gleichzeitig verfolgen wir konsequent das Ziel, Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten und unvermeidbare Auswirkungen durch umfassende Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen zu kompensieren. Ein besonders sichtbares Beispiel dafür ist das erfolgreiche Schutzprojekt für den stark gefährdeten Sakerfalken: In mittlerweile über 100 Nisthilfen auf unseren Strommasten wurden bereits rund 850 Jungfalken flügge,“ freut sich APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner, dass der Netzbetreiber einen messbaren Beitrag zum Erhalt der bedrohten Art leistet.
Strommasten als sichere Brutplätze: APG schafft gezielt Strukturen
Hochspannungsmasten bieten genau das, was Sakerfalken brauchen: Ruhe, Überblick und sichere Brutplätze. Die Nisthilfen bestehen aus langlebigem Aluminium und sind bewusst einfach gestaltet. Sie verwittern nicht, sind teilweise seit über 15 Jahren im Einsatz und erfordern kaum Wartung. Ihre reduzierte Bauweise entspricht den natürlichen Bedürfnissen der Art: „Sakerfalken bauen selbst keine Nester, sondern sind auf vorhandene Strukturen angewiesen. Künstliche Nisthilfen schaffen damit gezielt fehlende Brutplätze – und werden entsprechend gut angenommen,“ bestätigt Richard Zink, Ornithologe und Leiter der Außenstelle Seebarn der Österreichischen Vogelwarte der Veterinärmedizinischen Universität Wien, den Erfolg dieses langfristig angelegten Zusammenspiels zwischen Infrastruktur, Natur und Wissenschaft.
Wissenschaft und Monitoring als Grundlage
Das Projekt wird von Österreichischer Vogelwarte und BirdLife Österreich wissenschaftlich begleitet. Seit 2011 erfolgt ein systematisches Monitoring, das den Bestand, den Bruterfolg und die Entwicklung der Population erfasst.
Bereits ab Ende Februar beobachten Ornithologinnen und Ornithologen die besetzten Standorte, dokumentieren Brutbeginn und Schlupfzeitpunkte und begleiten die Entwicklung der Jungvögel bis zum Ausfliegen. Die Nester werden mehrfach kontrolliert, Jungvögel gezählt, Gesundheitschecks durchgeführt und Bruterfolge dokumentiert.
Höhepunkt im Mai: die Beringung
„Die Beringung der Jungfalken stellt jedes Jahr einen zentralen Meilenstein dar. Sie erfolgt in der dritten bis vierten Lebenswoche, wenn die Tiere groß genug, aber noch nicht flugfähig sind,“ erklärt Zink – er ist selbst einer jener Expertinnen und Experten, die dafür direkt zu den Nisthilfen auf die Masten steigen. „Die Jungvögel werden vorsichtig entnommen, untersucht und mit einem leichten Aluminiumring mit individueller Kennnummer versehen. Dieser begleitet die Tiere ein Leben lang, ohne sie zu beeinträchtigen,“ sagt Zink.
Die Beringung liefert wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse: Sie macht es möglich, Wanderbewegungen und Überlebensraten zu erfassen. Wiederfunde zeigen, dass junge Sakerfalken weite Strecken bis nach Süd- und Südosteuropa oder Nordafrika zurücklegen und später oft in ihre Geburtsregion zurückkehren, um selbst zu brüten.
Sakerfalken-Schutzprojekt – die wichtigsten Zahlen:
• Die Art: etwa bussardgroß | ein Meter Flügelspannweite | frisst Feldhamster, Ziesel, Tauben
• Projektbeginn: 2004
• Wissenschaftliche Begleitung: seit 2011
• Nisthilfen im APG-Netz (Ostösterreich): 110 (auf Strommasten in 60 Meter Höhe)
• Rekordjahr 2025: Brutpaare: 59 | Erfolgreiche Nester: 45 | Ausgeflogene Jungvögel: 143
• Zwei Drittel aller österreichischen Sakerfalken brüten im APG-Netz
• 846 Jungvögel seit 2011 auf APG-Masten flügge
*Pressemitteilung der Austrian Power Grid (APG), 13.05.2026