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Kaimanawa-Pferde: Neue Genom-Studie verrät ihre Herkunft
Eine internationale, genomweite Studie unter Leitung der Vetmeduni und der Uni Wien zeigt erstmals umfassend die genetische Zusammensetzung der wild lebenden Kaimanawa-Pferde in Neuseeland. Die Population geht demnach auf mehrere Pferderassen zurück und weist trotz Inzucht und kleiner effektiver Populationsgröße eine moderate genetische Vielfalt auf. Die Ergebnisse liefern laut den Forscher:innen eine wichtige Grundlage für künftige Erhaltungs- und Managementstrategien von Wildtieren.
Die Kaimanawa-Pferde leben seit mehreren Generationen frei in den Kaimanawa-Bergen auf der Nordinsel Neuseelands. Mithilfe genomweiter SNP-Daten sowie mitochondrialer und Y-Chromosom-Daten untersuchte ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Vetmeduni nun die genetische Geschichte der Population und verglich sie mit 22 Hauspferderassen. Ihre Entstehung geht demnach auf einen gemischten Gründerbestand zurück.
Mit ihren soeben in BMC Genomics veröffentlichten Ergebnissen liefert die Studie erstmals eine auf genomweiten SNP-Daten basierende Charakterisierung der Kaimanawa-Pferde. Sie schafft damit eine wichtige Ressource für die Evolutions- und Naturschutzgenomik und zeigt, wie genomische Daten dazu beitragen können, Wildtier-Management gezielter auf den Erhalt genetischer Vielfalt auszurichten.
Rassen-Mix prägte den Genpool
Die Analysen ergaben genetische Komponenten mit Ähnlichkeiten zu britischen Ponyrassen, Vollblütern, Arabern und Arbeitspferden, was den vielfältigen genetischen Hintergrund der Kaimanawa-Population unterstreicht. „Unsere Ergebnisse zeichnen das Bild einer Population, deren genetische Geschichte von mehreren Gründerlinien geprägt wurde“, erklärt Studien-Letztautorin Elmira Mohandesan vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Vetmeduni.
Die genetische Struktur der Kaimanawa-Pferde lässt sich in zwei Untergruppen gliedern. Unterschiede bei genetischer Vielfalt und Inzucht stehen dabei offenbar mit Populationsgröße, geografischer Isolation und eingeschränktem Genfluss in Zusammenhang.
Populationsgröße und Landschaftsstruktur relevant für genetische Entwicklung
Besonders deutlich zeigen sich diese Unterschiede im Argo Valley, einem Tal in den Kaimanawa-Bergen. Dort stellte das Forschungsteam die höchste Inzucht und die geringste genetische Vielfalt fest. Im Gegensatz dazu wiesen die südlichen Gebiete die höchste genetische Vielfalt und den niedrigsten Inzuchtgrad auf. Die Wissenschafter:innen weisen darauf hin, dass jüngste Bestandsmaßnahmen in den genetischen Daten noch nicht vollständig sichtbar sein dürften. Entnahmen, Umsiedlungen und Maßnahmen zur Geburtenkontrolle könnten die genetische Entwicklung einzelner Teilpopulationen künftig zudem weiter beeinflussen.
„Unsere Studie zeigt, dass Populationsgröße und Landschaftsstruktur für die genetische Entwicklung dieser Pferde eine wichtige Rolle spielen. Auch die bisherige Bewirtschaftung kann den Genfluss zwischen Teilpopulationen beeinflussen“, so Mohandesan.
Genetische Einzigartigkeit erhalten
Von besonderem Interesse war die Analyse des Y-Chromosoms. Dabei konnten väterliche Haplotypen identifiziert werden, die in den untersuchten Referenzpopulationen moderner Pferderassen nicht vorkommen. Dieser Umstand deutet laut den Forschenden darauf hin, dass die Kaimanawa-Pferde eine einzigartige genetische Variation ihrer Väterseite bewahren konnten. „Gerade diese seltenen genetischen Linien unterstreichen den Erhaltungswert der Population. Die Kaimanawa-Pferde können damit auch für die Erforschung genetischer Anpassung und der Entwicklung anderer verwilderter Pferdepopulationen von Bedeutung sein“, betont Mohandesan.
Hinweis: Dieses Projekt wurde vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) im Rahmen des Förderprojekts P 37088-B (DOI: 10.55776/P37088) finanziert.
Die Studie „Demographic history and management practices shape the genomic landscape of New Zealand’s feral Kaimanawa Horses“ von Arne Bielke, Siavash Salek Ardestani, Bilal Sharif, Pablo Orozco-ter Wengel, Robert Rodgers Fitak, Barbara Wallner, Kelly Wilson und Elmira Mohandesan wurde in „BMC Genomics“ veröffentlicht.
Wissenschatlicher Artikel
Rückfragekontakt:
Elmira Mohandesan PhD.
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV)
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
Elmira.Mohandesan@vetmeduni.ac.at