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Forschung

Wie wirken wütende bzw. fröhliche Menschenstimmen auf die Balance von Hunden?

Bei der Beantwortung dieser Frage ging es nicht um die emotionale Stabilität, sondern ob sich die Körperhaltung der Vierbeiner verändert. Und tatsächlich macht der Ton die Musik, wie ein Forschungsteam der Veterinärmedizinischen Universität Wien nun herausfand: Wütende Menschenstimmen sorgen demnach bei Hunden für weiche Knie, während fröhliche Stimmen Gegenteiliges bewirken können. Und kalt lassen menschliche Stimmen Hunde nie – auch das zeigt die explorative Studie, die nun veröffentlicht wurde.

Foto: Thomas Suchanek/Vetmeduni

Die an der Studie teilnehmenden Hunde erlebten sowohl eine Stabilisierung als auch eine Destabilisierung ihres Gleichgewichts, wenn sie wütende oder fröhliche menschliche Stimmen hörten. Allerdings waren wütende Stimmen mit den signifikant größten destabilisierenden Effekten verbunden, wie Nadja Affenzeller und ihre Kolleg:innen vom Klinischen Zentrum für Kleintiere der Vetmeduni nun zeigten.

Dazu maßen die Wissenschafter:innen die Veränderungen im Gleichgewicht von 23 Haushunden, nachdem diese Akustik-Aufnahmen von fröhlichen bzw. wütenden menschlichen Stimmen gehört hatten. Sie verwendeten dazu eine Standard-Forschungstechnik, bei der die Hunde auf einer druckempfindlichen Plattform standen, die kleine Bewegungen entsprechend fünf mit dem Gleichgewicht verbundenen Parametern erfasste.

Von wütenden Stimmen ins Schwanken gebracht

„Im Vergleich zu völliger Stille wurde das Hören einer wütenden menschlichen Stimme mit höheren Werten eines Parameters assoziiert, den wir als Fläche des Druckmittelpunkts bezeichnen“, so Studien-Erstautorin Nadja Affenzeller. Vereinfacht erklärt umschreibt dies die Unterstützungsfläche, die der Körper benötigt, um seinen Körperschwerpunkt stabil zu halten. Höhere Werte deuten auf eine Destabilisierung hin, weil größere Körperbewegungen nötig sind, um das Gleichgewicht zu halten.

Vier weitere Parameter ohne eindeutiges Ergebnis

„Allerdings konnten wir keinen der vier anderen Stabilisierungsparameter konsistent mit wütenden oder fröhlichen Stimmen in Verbindung bringen“ so Affenzeller weiter. Dies änderte sich, sobald man die individuellen Reaktionen der Hunde berücksichtigte; diese variierten zwischen den Hunden erheblich: Fröhliche Stimmen waren bei 57 Prozent der Hunde mit einer Destabilisierung verbunden und bei 43 Prozent mit einer Stabilisierung – und zwar in allen fünf untersuchten Parametern. Wütende Stimmen waren hingegen bei 30 Prozent der Hunde mit der stärksten Destabilisierung verbunden, obwohl 70 Prozent keine Veränderungen der Balance zeigten.

Gut & böse: Menschliche Stimmen führen bei Hunden zu emotionaler Erregung

Die Wissenschafter:innen schließen daraus, „dass wütende und fröhliche menschliche Stimmen emotionale Erregung hervorrufen, die das Gleichgewicht sowohl stabilisieren als auch destabilisieren können.“ Nun seien weitere Studien erforderlich, beispielsweise um zu untersuchen, ob frühere Erfahrungen mit Menschen die Reaktionen einzelner Hunde beeinflussen und ob die Gleichgewichtsstabilisierung bei fröhlichen Stimmen mit einer vorrauschauenden Erwartungshaltung einer positiven Interaktion – wie beispielsweise einem Spiel mit dem menschlichen Partner – zusammenhängen könnte.

Der Artikel „Effects of happy and angry human voice recordings on postural stability in dogs: An exploratory biomechanical analysis“ von Nadja Affenzeller, Masoud Aghapour, Christiane Lutonsky, Christian Peham und Barbara Bockstahler wurde in „PLOS One“ veröffentlicht.



Wissenschaftlicher Artikel


Rückfragekontakt:
Dr. med. vet. Nadja Affenzeller Dip ECAWBM (BM) MSc FTA MRCVS
Klinisches Zentrum für Kleintiere
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)

nadja.affenzeller@vetmeduni.ac.at