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Forschung
Können Hunde süchtig nach Spielzeug werden?
Eine aktuelle Studie der Vetmeduni hat erstmals untersucht, ob „exzessive Spielzeug-Motivation“ bei Hunden mit Verhaltenssüchten beim Menschen vergleichbar ist. Die Ergebnisse zeigen spannende Parallelen und werfen ein neues Licht auf die psychologischen Mechanismen hinter diesem Verhalten – nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren.
Die Wissenschafter:innen untersuchten 105 Hunde, die besonders spielmotiviert waren, und führten eine Kombination aus Verhaltenstests und Befragungen der Hundebesitzer:innen durch. Ziel war es, herauszufinden, ob einige Hunde Verhaltensweisen zeigen, die den Kriterien für Sucht ähneln. Tatsächlich wies knapp jeder dritte Vierbeiner deutliche Anzeichen auf, die mit den vier Hauptkriterien für Verhaltenssüchte übereinstimmen: Craving (Verlangen), Salience (Vorrangigkeit), Lack of Self-Control (mangelnde Selbstkontrolle) und Mood Modification (Stimmungsänderung).
„Es war faszinierend zu beobachten, wie stark einige Hunde auf ihr Spielzeug fixiert waren“, erklärt Studienleiterin Stefanie Riemer vom Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni. „Einige Tiere zeigten ein so intensives Verlangen, dass sie kaum auf andere Reize reagierten – selbst Futter oder soziale Interaktionen mit ihrem Besitzer wurden ignoriert.“ Dieses Verhalten erinnert stark an menschliche Verhaltenssüchte, bei denen Betroffene ebenfalls eine übermäßige Fixierung auf bestimmte Aktivitäten oder Objekte entwickeln.
Verhaltensmuster und emotionale Auswirkungen
Ein zentrales Merkmal war das starke Verlangen der Hunde nach ihrem Spielzeug. Viele der betroffenen Tiere zeigten Unruhe, hohe Erregung oder sogar Frustration, wenn das Spielzeug nicht verfügbar war. Gleichzeitig stand das Spielzeug im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit, selbst wenn andere attraktive Alternativen wie Futter oder soziale Interaktion mit dem Besitzer/der Besitzerin angeboten wurden. Besonders auffällig war auch, dass die Vierbeiner Schwierigkeiten hatten, sich vom Spielzeug abzuwenden, selbst wenn sie dazu aufgefordert wurden. „Einige Hunde schienen regelrecht in ihrer eigenen Welt zu sein, sobald das Spielzeug ins Spiel kam“, so Stefanie Riemer. Zudem rief das Spielen selbst eine deutliche Stimmungsaufhellung bei den Tieren hervor.
Interessanterweise waren vor allem Hunde von Arbeitsrassen, die für hohe Motivation und Ausdauer gezüchtet wurden, überrepräsentiert. „Das deutet darauf hin, dass genetische Faktoren eine Rolle bei der Entwicklung dieses Verhaltens spielen könnten“, erklärt Riemer. „Hunde, die für bestimmte Aufgaben wie das Apportieren gezüchtet wurden, scheinen besonders anfällig für dieses Verhalten zu sein.“
Spielverhalten: Gesundes Gleichgewicht
Allerdings muss nicht jedes spielbegeisterte Verhalten problematisch sein, so die Wissenschafter:innen. „Viele Hunde genießen das Spielen mit Spielzeug, ohne dass dies negative Auswirkungen auf ihr Verhalten hat“, so Riemer. Dennoch sollten Hundebesitzer:innen darauf achten, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Spiel und anderen Aktivitäten zu fördern. Wenn ein Hund übermäßig fixiert auf Spielzeug ist und andere Reize ignoriert, könnte dies ein Zeichen für ein Ungleichgewicht sein. „In solchen Fällen wäre es gut, die Spielzeiten zu begrenzen und den Hund durch andere Aktivitäten zu beschäftigen“, rät Riemer. Weitere Studien seien allerdings notwendig, um die genauen Zusammenhänge zu klären. „Unsere Ergebnisse sind ein erster Schritt, aber es gibt noch viele offene Fragen“, so Stefanie Riemer. „Zum Beispiel möchten wir untersuchen, ob bestimmte Trainingsmethoden oder Umweltfaktoren dieses Verhalten verstärken können.“
Der Artikel “Addictive-like behavioural traits in pet dogs with extreme motivation for toy play” von Alja Mazzini, Katja Senn, Federico Monteleone und Stefanie Riemer wurde in Scientific reports veröffentlicht.