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Aus der Praxis: Kolostralmilch als wichtiger Schlüssel

Der Start ins Leben war für Shetland-Stutfohlen Kira nicht ohne Hürden. „Im Alter von drei Tagen wurde das Fohlen bei uns mit einer beginnenden Allgemeininfektion, einer Sepsis, vorgestellt“, berichtet Tierärztin Maria Melchert von der Klinischen Abteilung für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie. Verursacht wurde die Sepsis durch eine ungenügende Aufnahme von mütterlichen Antikörpern aus der Kolostralmilch (erste Milch) und einem sogenannten Failure of passive transfer, der fehlenden Übermittlung von Antikörpern. „Die Aufnahme von Antikörpern über die Kolostralmilch innerhalb der ersten acht Lebensstunden ist bei Fohlen sehr wichtig, damit sie über einen ausreichenden Schutz gegenüber Krankheitserregern verfügen“, erklärt Melchert. Eine Sepsis wird meist durch Bakterien verursacht, die in der normalen Umwelt vorkommen.

Doch was tun, wenn nicht genügend Milch aufgenommen wird? „Wenn ein Fohlen nicht eigenständig am Euter trinken kann, was beispielsweise bei Fehlstellungen der Gliedmaßen vorkommt, kann die Stute abgemolken und das Fohlen aus einer Babyflasche gefüttert werden“, so Melchert. Ungeeignet hingegen ist das Füttern von Fohlen mittels Saugflaschen für kleine Wiederkäuer oder gar mit einer Spritze. Bestehen beim Fohlen Zweifel, ob eine ausreichende Aufnahme von Antikörpern erfolgt ist, sollte dies im Alter von etwa 24 Stunden mittels eines Bluttests geprüft werden.

Liegt ein Mangel an Antikörpern vor, können diese über eine Infusion von speziellem Plasma gegeben werden. „Das Stutfohlen Kira hat einmalig ein solches Hyperimmunplasma bekommen, um das Defizit aufzufüllen“, erläutert Tierärztin Melchert. Zusätzlich behandelten die Tierärzt:innen der Vetmeduni die Infektion mittels Antibiotika und Entzündungshemmern. Nach fünf Tagen konnte die Behandlung beendet werden, da es keine Anzeichen einer Sepsis im Blutbild mehr gab. Gemeinsam mit ihrer Mutter konnte Kira nach einer Woche aus der Klinik entlassen werden.

Text: Stephanie Scholz
Fotos und Video: Thomas Suchanek

Dieser Artikel erschien in VETMED Magazin 01/2022